Korallenpracht in der Finsternis

Der kurze Weg von der Entdeckung zur Bedrohung

Mit Korallen verbindet man üblicherweise tropische, lichtdurchflutete Gewässer, in denen sich farbenfroh schillernde Korallenriffe wie prächtige Blumenfelder ausbreiten. Inzwischen weiß man, dass nahe Verwandte dieser bunten Gebilde auch in völliger Dunkelheit und kalten Strömungen gedeihen. Doch kaum haben Forscher sie entdeckt, sind sie auch schon bedroht durch massive Umwelteinflüsse.

Vor der Küste Floridas wurden Forscher auf seltsame Strukturen am Meeresgrund aufmerksam. Kleine, bis zu 150 Meter hohe Berge, die fantastische Formen zutage bringen. Die Gebilde blieben ein Rätsel bis die Forscher den Kaltwasserkorallen auf die Spur kamen.

Die tropischen Verwandten

Doch was machen Korallen überhaupt in der dunklen, kalten Tiefsee? War man doch lange der Überzeugung, dass Korallen auf warme Gewässer und auf Sonnenlicht angewiesen sind. Danach hätte es diese Organismen in der Dunkelheit der Tiefe gar nicht geben dürfen. Die Entdeckung der ersten Kaltwasserkorallen war für die Forscher eine Sensation. Inzwischen weiß man: Es gibt sie weltweit, und sie können selbst in Tiefen von 3.000 Metern leben.

Ihre tropischen Verwandten hingegen gedeihen nur unmittelbar unter der Wasseroberfläche bis in 100 Meter Tiefe. Tropische Korallen leben häufig in einer Symbiose mit Algen. Im warmen, nährstoffarmen Wasser sind sie auf die Partner angewiesen. Die Algen nutzen das Sonnenlicht zur Fotosynthese und gewinnen so Energie, die sie dann in Form von Nährstoffen an die Korallen weitergeben. Sie können deshalb ohne Sonne nicht existieren.

Die Selbstversorger

Die Kaltwasserkorallen sind im Gegensatz zu ihren tropischen Verwandten für ihre Nahrung selbst verantwortlich. Deshalb leben sie meist an Felsen oder Vorsprüngen, wo Strömungen sie mit ausreichend Plankton versorgen, das sie mit winzigen Tentakeln fangen. Jedoch wachsen die Kaltwasserkorallen in der Tiefsee nur langsam. Dafür werden sie sehr alt - bisher jedenfalls.

Denn kaum entdeckt, sind sie schon durch die zunehmende Übersäuerung der Meere durch Kohlendioxid gefährdet: Das Kalkskelett der Korallen wird von der Säure angegriffen, die Stabilität lässt nach und kann dem hohen Druck nicht mehr standhalten. So verschwinden zunächst die Korallen in tiefen Regionen mit dem höchsten Druck. Doch mit zunehmender Übersäuerung wandert die Grenze immer weiter nach oben.

Erhaltenswerte Blumentiere

Kaltwasserkorallen bilden mit ihren kalkigen Abscheidungen Riffe. Auf alten abgestorbenen Korallen entstehen immer wieder neue. So können die Riffe über Jahrtausende sogar zu beachtlichen, bis zu 150 Meter hohen Bergen heranwachsen. Die verästelten Kalkskelette sind Biotope und dienen Fischen, Seesternen und Krebsen als Lebensraum. Sie sind eine Oase im Ozean.

Doch die Kaltwasserkorallenriffe haben noch einen weiteren erhaltenswerten Nutzen. Schätzungen zufolge sind manche dieser Riffe über 200.000 Jahre alt. In einem Kaltwasserkorallenriff fanden Forscher angeblich Sedimente mit Klimadaten von zwei Millionen Jahren! Diese Blumentiere können als Klimaarchiv für Forschungen extrem hilfreich sein. Na, wenn das kein Grund zur Vorsicht ist?

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet