Letzte Chance für Thunfische

Wanderer der Meere im Visier der Forscher

Thunfische gehören zu den beliebtesten und teuersten Speisefischen überhaupt. Und obwohl sich ihre kommerzielle Ausrottung bereits abzeichnet, werden jährlich noch etwa 50.000 Tonnen allein im Mittelmeer gefangen - das Doppelte der von der EU festgelegten Höchstfangmenge. Und die Jagd geht weiter, schließlich ist es ein lohnendes Geschäft.

Thunfischfang Quelle: ZDF

Thunfische leben in Schwärmen in allen Weltmeeren. Jedes Jahr zur selben Zeit treffen die atlantischen Thunfische im Mittelmeer ein, um sich fortzupflanzen. Hungrige Jäger, wie Haie und Orcas, sind den Schwärmen auf den Fersen. Doch der größte Feind des Thunfischs ist der Mensch, und der wartet bereits im Mittelmeer auf ihn. Zwischen Juni und August ziehen die Tiere durch die Straße von Gibraltar zu ihren Laichplätzen. Diese vorhersagbare Route wird den Thunfischen zum Verhängnis, die Meerenge zur Falle.

Thunfische abgschlachtet, Tiefsee Quelle: ,ZDF

Heiß begehrte Ware

Mit immer größeren Schiffen und leistungsfähigeren Fangtechniken stellen Fischereiflotten den Fischen nach. Denn auf dem Markt werden inzwischen Rekordpreise geboten. Bis zu 70.000 Euro für einen einzigen ausgewachsenen Thunfisch sind keine Seltenheit. Die Tiere werden hauptsächlich nach Japan exportiert. Ihr Fleisch ist hier heiß begehrt für Sushi. Und immer öfter reist der verarbeitete Fisch von Japan wieder in Richtung Westen in die japanischen Restaurants in Europa oder den USA.

Trotz der drohenden Austrottung werden auch immer häufiger junge Thunfische gefangen, die noch nicht einmal gelaicht haben. Diese Praxis soll nun durch die Ausweitung der Schonzeiten eingedämmt werden. Die EU einigte sich auf verstärkte Schutzmaßnahmen, Umweltorganisationen dagegen fordern einen generellen Fangstopp für das Mittelmeer.

Thunfischschwarm, Tiefsee Quelle: ,ZDF

Forschung auf den letzten Drücker

Erst jetzt, wo es fast zu spät ist, besinnen sich Wissenschaftler auf das, was sie von den Wanderern in den Meeren alles noch nicht wissen. Sie markieren einzelne Tiere mit einem Sender. So wollen die Forscher mehr über die Lebensweise der Fische herausfinden.

Thunfische sind nicht nur schnelle Schwimmer, sondern legen auch extrem lange Strecken zurück. Doch bisher ist nur wenig über ihre Wanderrouten durch die Ozeane bekannt. Die Sender der markierten Tiere geben jedes Mal, wenn sie an die Oberfläche kommen, ein Signal ab. Per Satellit lassen sich so die Aufenthaltsorte der Thunfische bestimmen und ihre Wege genau verfolgen.

"Lauschender Vorhang"

Für Meerestiere, die selten an die Wasseroberfläche kommen, haben die Forscher eine andere Ortungsmethode entwickelt. Sie implantieren diesen Tieren einen kleinen Sender, der akustische Signale abgibt. Im Signal kodiert ist eine Identifikationsnummer. Von Schiffen aus werden in Abständen von etwa 800 Metern akustische Empfänger zum Meeresboden hinabgelassen. Die Reichweiten der Empfänger überlappen sich, sodass eine Art "lauschender Vorhang" entsteht. Jedes Mal, wenn ein markierter Fisch in die Reichweite eines Empfängers schwimmt, werden mittels der ausgesandten Schallwellen die Daten des Tieres registriert und weitergeleitet.

Auch über die Gewohnheiten von Meeressäugern hoffen Wissenschaftler, durch diese Methode mehr zu erfahren. Ziel ist es, eines Tages den Lebensraum Meer und seine Bewohner so gut zu verstehen, dass man kritischen Veränderungen frühzeitig entgegenwirken kann. Denn die Vielfalt der Ozeane zu bewahren heißt, auch unsere Lebensgrundlage zu sichern.

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