Liebe - das Märchen von der freien Wahl

Ein gnadenloses Spiel der Hormone

Wissen | Leschs Kosmos - Liebe - das Märchen von der freien Wahl

Stellen Sie sich vor, Ihr Traumpartner kommt Ihnen immer näher, der erste Kuss – und dann wird er zum "Frosch". Ein Kuss bedeutet mehr, als wir denken – nicht nur im Märchen.

Beitragslänge:
26 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.06.2017, 22:45
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016

Aussehen, soziale Hintergründe, Klang der Stimme, Geruch – alles spielt bei der Partnerwahl eine Rolle. Die letzte entscheidende Hürde ist der erste Kuss. Er kann der Beginn einer großen Liebe sein oder das Ende, bevor es richtig angefangen hat. Regie bei diesem Märchen mit oder ohne Happy End führen die Hormone. Wie sie uns leiten, über uns bestimmen und uns manchmal auch manipulieren, versuchen Forscher nun zu ergründen. Erstaunliches und nicht Geahntes kommt dabei ans Licht – ein Wissen, das uns die Partnerwahl entscheidend erleichtern könnte.

Wie lässt sich der geheimnisvolle Hormoncocktail, der die Liebe sprießen lässt, aufrechterhalten? Und lässt sich Liebe manipulieren? Zwischen Irrungen und Wirrungen – Harald Lesch begibt sich auf die Reise in die Tiefen der Liebe und erklärt, warum wir im Strudel der Gefühle eigentlich keine Wahl haben.

Die Evolution der Liebe

Liebe ist ein uraltes Gefühl. Es muss also schon immer eine herausragende Bedeutung gehabt haben. Forscher gehen zurück in eine Zeit vor etwa zwei bis drei Millionen Jahren. Kaum vorstellbar, dass der verwirrende Ausnahmezustand von frisch Verliebten von Vorteil gewesen sein soll, wo man doch alle Sinne zum Überleben brauchte. Dennoch sind Wissenschaftler der Ansicht, dass damals die Liebe in die Welt kam. Der Auslöser für dramatische Veränderungen war der aufrechte Gang. Das Becken wurde schmaler und bei Frauen dadurch der Geburtskanal enger. Gleichzeitig wurde die Ernährung energiereicher, was wiederum zur Folge hatte, dass sich das Gehirn und damit der Kopfumfang der Babys stetig vergrößerte. Eine folgenreiche Verkettung, denn um überhaupt durch den engen Geburtskanal zu passen, kam der Nachwuchs unreifer zur Welt.

Der hilfsbedürftige Säugling verlangte nun mehr Aufmerksamkeit und Pflege. Frau und Mann mussten sich verstärkt gemeinsam um ihn kümmern. Zudem mussten die Frauen ihre Kinder nun auf dem Arm tragen, was ein Handicap mit sich brachte – etwa beim Sammeln von Früchten. Die Abhängigkeit von den Männern wuchs und neue Bindungsstrukturen entstanden. Für Forscher war das der Beginn der Liebe. Denn eine enge Paarbeziehung war von Vorteil. Auch für den Mann. Für Schutz und Fürsorge konnte er nun Treue erwarten. Nach und nach entwickelte sich ein vielfältiger Cocktail aus Bindungshormonen, zum Beispiel Dopamin und Oxytocin. Doch wie man heute weiß, berauscht der chemische Liebeszauber nur wenige Jahre. Er lässt eine Bindung entstehen, die gerade so lange hält, wie die Mutter für die Versorgung ihres Kindes auf Hilfe angewiesen ist. Dann, so glauben Wissenschaftler, wären die Partner wieder „frei“ für eine neue Beziehung.

Gibt es einen Königsweg der Liebe?

Dass Liebe „den Kopf verdreht“, ist mehr als nur ein Sprichwort. Heute weiß man, dass im Gehirn von Verliebten der Botenstoff Dopamin die Regentschaft übernimmt. Und der macht regelrecht high und süchtig nach dem geliebten Menschen. Forscher in den USA wollen es nun wissen: Lässt sich dieses mächtige Gefühl genau verorten? Dazu machen sie Tests mit frisch verliebten Paaren. Den Probanden werden während eines Gehirnscans im Magnetresonanztomografen (MRT) Fotos gezeigt. Zunächst von Freunden und guten Bekannten. Ihr Gehirn zeigt dabei keine auffälligen Aktivitäten. Beim Foto ihres Partners allerdings sind  verschiedene Regionen des Gehirns besonders aktiv – vor allem solche, die mit Dopamin assoziiert sind. Auch Regionen, die mit zu den evolutionär ältesten Teilen des Gehirns zählen.


Doch der Sturm der Liebe lässt mit der Zeit nach, der Cocktail aus Hormonen geht zur Neige. Entgegen unserer natürlichen hormonellen Umstellung, wirken manche Paare jedoch noch nach Jahren trotzdem wie frisch verliebt. Welches Geheimnis verbindet sie? Wissenschaftler versuchen, dem Rätsel dieser „Ausnahmepaare“ auf die Spur zu kommen. Was ist dran, wenn Paare angeben, sie seien mehr als 20 Jahre glücklich verheiratet?  Wunschdenken, Gewohnheit – oder lässt sich das Gefühl tatsächlich nachweisen? Forscher stellen Paare auf die Probe. Sie unterziehen „Langzeitpaare“ demselben Test, den zuvor auch frisch Verliebte absolviert haben. Im MRT werden auch ihnen Fotos des geliebten Menschen gezeigt. Das Ergebnis des Hirnscans zeigt, dass tatsächlich dieselbe Region aktiv ist wie bei frisch Verliebten. Die Ausschüttung von Dopamin aus Zellen des Mittelhirns stimuliert das Belohnungssystem und somit Gehirnstrukturen, die Zufriedenheit und Glücksgefühle auslösen. Das ewig Verliebtsein ist somit keine Illusion, das Gefühl ist echt und lässt sich sichtbar machen.

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