Die Macht der Musik

Magie und Manipulation

Wissen | Leschs Kosmos - Die Macht der Musik

Welche Wirkung hat Musik auf uns, und können Töne unsere Sinne manipulieren? Im Guten wie im Schlechten? Harald Lesch spürt dem Phänomen Musik nach und kommt zu überraschenden Erkenntnissen.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.10.2017, 18:20
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2015
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Musik ist ein Universalinstrument, dessen Wirkung sich niemand entziehen kann. Sie bringt uns zum Weinen, animiert uns zum Tanzen und treibt uns zu Höchstleistungen. Sie hat die Kraft, unsere Emotionen zu steuern. Aber Musik hat auch eine dunkle Seite. Sie wird systematisch missbraucht – im Krieg als Psychowaffe und in Gefängnissen als Folterinstrument. Wie weit reicht die manipulative Kraft von Musik?

Dramatische, laute Klänge rufen andere Gefühle hervor als langsame, leise Tonfolgen. Musik manipuliert uns - ob wir wollen oder nicht. Im Guten wie im Schlechten. Harald Lesch begibt sich auf eine Reise durch die facettenreiche Welt der Musik und entdeckt erstaunliche und unerwartete Zusammenhänge.

Wie wirkt Musik?

Probantin ist mit Kabeln am Kopf versehen
Forscher untersuchen die Reaktion auf unterschiedliche Klänge.

Forscher an der Universität Montreal untersuchen, wie sich dissonante Klänge auf unser Gehirn auswirken. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Amygdala, die das Angstzentrum im Gehirn aktiviert. Wenn uns Musik gefällt, werden dagegen andere Hirnareale angesprochen. Doch welche Musik wir als angenehm empfinden, ist ein Kapitel für sich. Musikgeschmack ist erlernt. Wer mit Pop aufwächst, hat weniger für klassische Musik übrig. Und afrikanische Rhythmen klingen nicht nur in europäischen Ohren fremd.

Das Gehirn speichert jede akustische Wahrnehmung ab und ordnet sie bestimmten Situationen und Erlebnissen zu. Ertönt ein Klang, ein Geräusch, ein leises Fiepen, wissen wir es sofort einzuordnen. Diese Macht der Gewohnheit ist in der Autoindustrie von zentraler Bedeutung. Motorengeräusche müssen die Erwartung der Käufer erfüllen. Reifengeräusche sollen im Innenraum des Autos kaum hörbar sein, und ein Blinker soll den Fahrer nicht nerven. Akustikdesign nennt sich diese Disziplin, die vertraute Klänge in Gegenstände einbaut, um so Wohlgefühl und Sicherheit herzustellen. Sie sollen wie Musik in den Ohren der Verbraucher klingen. So erfüllen Akustiker gezielt die Erwartungen ihrer potenziellen Kunden  und beeinflussen unterschwellig Kaufentscheidungen.

Macht Musik schlau?

Kinder spielen Geige
Sind Kinder, die musizieren intelligenter?

Anfang der 1990er-Jahre sorgte Wolfgang Amadeus Mozart mehr als 200 Jahre nach seinem Tod für Furore. Forscher behaupteten, seine Musik fördere die Gedächtnisleistung und damit die Intelligenz. Eine amerikanische Studie bei Studenten legte nahe: Wer Mozart hört, hat bei einem Intelligenztest die Nase vorn.

Der „Mozart-Effekt“ war geboren. Vor allem Kinder würden von einer täglichen Dosis klassischer Musik maßgeblich profitieren, hieß es. Am meisten, wenn sie selbst musizierten. Das fördere die Entwicklung des Gehirns und steigere damit die Intelligenz. Doch kann Musik wirklich schlauer machen?

Beim Spielen eines Instruments übernimmt das Gehirn eine entscheidende Rolle. Es steuert den hoch komplexen Koordinationsprozess. Areale im primär-motorischen Kortex vergrößern sich beim regelmäßigen Üben mit einem Instrument und fördern so koordinatorische Fähigkeiten. Und das sind längst nicht alle Bereiche, die im Gehirn angeregt werden. Das Training von Melodie und Rhythmus oder das Zusammenspiel in der Gruppe aktiviert viele Areale. Bereiche, die für planende und ausführende Funktionen zuständig sind, vergrößern sich. Auch Gedächtnis, Sprache und Einfühlungsvermögen werden trainiert. Selbst die beiden Hirnhälften vernetzen sich bei Musikern besser als bei Nichtmusikern. Macht Musik also wirklich schlau?

Musik zur Leistungssteigerung

Schwimmer Paul Biedermann
Schwimmer setzen gerne auf "Musikdoping" vor einem Wettkampf.

Nahezu 100 Prozent aller Schwimmsportler hören ihre Lieblingsmusik vor wichtigen Wettkämpfen. Sie hilft ihnen, sich auf den Wettbewerb zu fokussieren, und gibt ihnen den letzten Kick. Aber kann Musik tatsächlich die körperliche Leistung steigern? Sportler der LG Nord in Berlin wollen das mit einem Experiment herausfinden. Dafür läuft jeder Einzelne zunächst ohne Musik 800 Meter, um seine Grundschnelligkeit über die Strecke herauszufinden. Dann kommt Musik zum Einsatz. Das Lied „Happy“ von Pharrell Williams hat einen schnellen Rhythmus: 160 Schläge pro Minute. Von Sportwissenschaftlern wird das Lied für intensives Ausdauertraining empfohlen. Die Theorie: Der Takt der Musik treibt die Bewegung an. Je schneller der Beat, umso schneller auch die körperliche Reaktion. Aber wird der schnelle Takt den Läufern tatsächlich Beine machen?

Forscher am Max-Planck-Institut in Leipzig erforschen, wie Körper und Musik beim Sport zusammenspielen, und sie machen eine außerordentliche Entdeckung. Am leistungsfähigsten sind Sportler dann, wenn sie während des Trainings selbst Musik machen. Wie das gehen soll? Die Wissenschaftler haben spezielle Geräte entwickelt, die mithilfe einer Musiksoftware Bewegungen in Töne umsetzen.

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