Machtfaktor Erdgas

Wie sicher ist unsere Versorgung?

Wissen | Leschs Kosmos - Machtfaktor Erdgas

Wie soll die Zukunft unserer Energieversorgung mit endlichen Rohstoffen aussehen? Harald Lesch mit einem Kommentar zum Thema.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.11.2019, 00:00

Deutschland ist abhängig von Erdgasimporten. Ein Drittel unseres Bedarfs kommt aus Russland. Seit der Ukrainekrise stellen sich viele die Frage: Was, wenn das Gas aus Russland nicht mehr strömt? Schließlich fordert auch die Energiewende den Einsatz von Erdgas. Wo liegen neue Energiequellen und Alternativen zu russischem Erdgas und wie können wir sie erschließen?

Eine Diskussion zwischen Panikmache und Verharmlosung der Situation hat begonnen. Harald Lesch navigiert durch das undurchsichtige Terrain der Argumente und beleuchtet die spannenden Hintergründe der tagespolitischen Diskussion und um die Frage: Wie sicher ist unsere Versorgung mit Erdgas?

Schwimmende Pipelines

Erdgastanker Al Jassasiya
In riesigen Tankern wird flüssiges Erdgas über die Meere transportiert.

In Riesentankern gehen gigantische Erdgasmengen auf Weltreise.Die eiskalte Fracht brodelt bei minus 162 Grad Celsius. Ein einziger Tanker bringt genug, um eine Kleinstadt mit 40.000 Haushalten ein Jahr lang zu versorgen. Verflüssigtes Erdgas, sogenanntes Liquefied Natural Gas – kurz LNG, wirkt wie eine Zauberformel im globalen Erdgasgeschäft. Seit man Erdgas in großen Mengen verflüssigen und dadurch das Volumen auf ein 600stel reduzieren kann, ist der Transport über große Distanzen wirtschaftlich sehr interessant geworden. Der Pionier der Erdgasverflüssigung ist das Scheichtum Katar. Mitten im Persischen Golf liegen Katars Erdgasreserven: Nach Russland und dem Iran sind es die drittgrößten der Welt. Für den Pipelinetransport liegt das ergiebige Förderfeld Northfield zu weit entfernt von unseren Märkten. Seit 1996 exportiert Katar verflüssigtes Erdgas.

Deutschland deckt bereits neun Prozent seines Erdgasbedarfs mit Importen von Flüssiggas. Zur Absicherung im Krisenfall liebäugelt man mit einem eigenen LNG-Tanker. Doch die Baukosten für das Hightech-Schiff liegen bei 200 Millionen US-Dollar und es würde erst gebaut, wenn langfristige Charterverträge vorliegen. In ganz Europa existieren bereits 22 geeignete LNG-Terminals, drei weitere werden gebaut. Deutschland ist gut verbunden mit dem belgischen Nachbarn und wird jetzt schon von hier beliefert. Auch in Wilhelmshaven wird seit 30 Jahren ein LNG-Terminal geplant. 800 Millionen Euro würde der Bau kosten. Den Tiefseehafen dafür hat man bereits ausgebaut. Aber dann hat E.ON Ruhrgas die Pläne vor einigen Jahren auf Eis gelegt und kauft jetzt LNG bei den niederländischen Nachbarn ein. Noch werden 80 Prozent unserer Erdgasimporte durch Pipelines gedeckt. Doch die Flüssiggas-Importe für Deutschland sollen sich bis 2020 fast verdoppeln. Schwimmende Pipelines, die im belgischen Zeebrügge anlegen, könnten aber auch schon früher bei Versorgungslücken einspringen.

„Fracken“ oder „nicht Fracken“

Forscher am Geoinstitut vor Bildschirm
Organisches Material in Bohrproben - ein Hinweis auf Schiefergas.

Könnten wir die heimische Erdgasförderung durch Fracking wieder steigern? Tief unter dem ländlichen Idyll Niedersachsens wurde ein Schatz vermutet. Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sollten herausfinden, ob sich Fracking in Deutschland lohnt. Sie sammelten Bohrproben aus 1000 bis 5000 Metern Tiefe. In den Bohrkernen aus Norddeutschland fand man riesige Mengen an organischem Material – eine Voraussetzung für Schiefergasvorkommen. Eine massive Algenblüte im flachen Meer, das vor 360 Millionen Jahren Norddeutschland bedeckte, war der Ursprung für die großen Mengen an förderbarem Schiefergas. Die deutschen Erdgasförderer würden am liebsten gleich loslegen. Denn in der Tiefe sollen 700 bis 2300 Milliarden Kubikmeter förderbares Schiefergas schlummern, das 200-fache der derzeitigen jährlichen heimischen Erdgasfördermenge. Damit könnte Deutschland zehn Jahre lang ganz auf Importe verzichten.

Grafik Vergleich konventionelle Vorkommen und Tight Gas
Tight Gas findet man in sehr gering durchlässigem Gestein.

Was wenig bekannt ist: Die deutschen Erdgasförderer frackten über 30 Jahre. Bisher 325 Mal. 15 Millionen Liter Wasser, versetzt mit 600 Tonnen sogenannten Additiven, wurden dabei bisher bei jedem Frackvorgang in die Tiefe gepresst, allerdings nicht, um Schiefergas zu fördern. Es ging um eine effektivere Ausbeute von Vorkommen: Geht konventionelles Erdgas an einer Förderstelle zur Neige, ist in dichtem Sandstein noch immer sogenanntes Tight Gas gebunden. Um an dieses zu kommen, wurde auch bei uns gefrackt: 2011 zum vorerst letzten Mal.

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