Mahlzeit!

Die Macht der Manipulation

Wissen | Leschs Kosmos - Mahlzeit!

Immer wieder neue Studien verunsichern uns: Was ist nun gesund und was nicht? Harald Lesch hat da ein Tipp.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.09.2020, 10:55

Die Entscheidung, was wir essen wollen und wie viel, wird von Faktoren gesteuert, die uns oft gar nicht bewusst sind. Wer lenkt, was auf unseren Teller kommt? Forscher sind Faktoren auf der Spur, die für unser Essverhalten eine große Rolle spielen: Oft hören wir anscheinend nicht auf die Signale des Körpers, wir lassen uns manipulieren. Wem können wir trauen, wenn es um unsere Ernährung geht?

Unzählige Mythen ranken sich um das, was als „gesunde Ernährung“ propagiert wird. Der vermeintliche Herzkiller Cholesterin verdient sein schlechtes Image anscheinend gar nicht. Wie verträglich sind Milch und Joghurt tatsächlich. Und ist Gemüse so gesund, wie wir glauben? Harald Lesch lüftet Geheimnisse unseres Speiseplans und fragt, wie viel der Körper eigentlich noch zu sagen hat bei unserem Essverhalten.

Schützen Paprika & Co vor Tumoren?

Gemüse auf dem Markt
Krebsforscher sind sogenannten Radikalfängern im Gemüse auf der Spur. Quelle: dpa

Vitamin C hat einen Ruf als „Allheilmittel“. Es gilt die Hoffnung, mit reichlich Früchten und Gemüse auf dem Speiseplan sogar Krebs vorzubeugen. Der Grund dafür liegt in den 1990er-Jahren: Krebsforscher entdeckten damals eine vielversprechende Wirkung von bestimmten Inhaltstoffen, Antioxidantien. Diese sind in verschiedenen Gemüsesorten enthalten. Die sogenannten Radikalfänger inaktivieren freie Radikale im Körper, jene Stoffe, die Krebs verursachen können. Aber schützen Brokkoli, Paprika & Co tatsächlich vor Tumoren? Was hat jahrzehntelange Forschung inzwischen zutage gebracht? Um statistisch belastbare Zahlen zu erhalten, starten Forscher eine Langzeitstudie. Sie erfassen die Essgewohnheiten von einer halben Million Menschen in zehn verschiedenen Ländern, und das nun schon seit mehr als 20 Jahren. Die Wissenschaftler interessiert besonders, wer krank wird und wie viel Obst und Gemüse diejenigen gegessen haben, die Krebs entwickeln.

Die sogenannte EPIC-Studie erfasst allein in Deutschland Daten von über 53.000 Personen. Die Informationen werden anonymisiert gespeichert. Die Selbstauskünfte der Teilnehmer über ihre Ernährungsgewohnheiten sind nicht die einzige Datengrundlage. Die Forscher nehmen zudem Blutproben und konservieren sie für die nächsten Jahrzehnte. Eine Datenbank von unschätzbarem Wert. Die Forscher können jederzeit das Blut von Erkrankten mit dem von Gesunden vergleichen. So können sie Hinweise finden auf die unterschiedlichsten Risikofaktoren, die Krebs verursachen. Nach acht Jahren sind von einer halben Million Probanden mehr als 30.000 an Krebs erkrankt. Die Forscher werten nun aus, ob es einen Zusammenhang mit den Ernährungsgewohnheiten gibt. Die ernüchternde Erkenntnis nach mehr als 20 Jahren Forschung: Das Risiko, an Krebs zu erkranken, lässt sich mit Obst und Gemüse nicht nennenswert senken. Ein Zusammenhang ist statistisch kaum nachweisbar. Wer mehr Gemüse und Früchte isst, lebt insgesamt zwar gesünder, einen Schutz vor Krebs bietet das allerdings nicht.

Risiko Cholesterin

Lebensmittel, die viel Cholesterin enthalten, galten bisher als ein Herzkiller, der Arterien verstopft und Infarkte hervorruft. Doch sie sollen gar nicht so schlecht sein wie ihr Ruf. Im Februar 2015 ziehen die Berater des amerikanischen Gesundheitsministeriums ihre Warnung vor cholesterinhaltigen Lebensmitteln zurück. Eine Überraschung, denn schließlich galt Cholesterin schon seit den 1950er-Jahren als ungesund. Damals erforschte der amerikanische Ernährungswissenschaftler Ancel Keys Herzkrankheiten. Keys war überzeugt, dass Herzinfarkte mit der Ernährung zusammenhängen. Zu viel Cholesterin im Körper ist nicht gut, darüber sind sich die meisten Forscher einig. Viele Menschen verbieten sich deshalb fettiges Essen.

Grafik: Cholesterin
Nicht nur zu viel, auch zu wenig Cholesterin kann schädlich sein.

Doch die Rolle cholesterinhaltiger Speisen wurde lange überschätzt. Denn jetzt enthüllen Forscher mehr und mehr Details des Stoffwechsels. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie erforschen, wie der Cholesterinspiegel im Körper reguliert wird. Denn nicht nur zu viel, sondern auch zu wenig Cholesterin ist fatal. Der Stoff ist schließlich Bestandteil jeder Zellmembran und Ausgangsmaterial für wichtige Wirkstoffe wie Hormone.


Als Schlüssel für den Cholesterinstoffwechsel haben die Forscher drei Proteine im Visier. Ihre These: Das Zusammenspiel dieser Proteine fördert oder blockiert die Cholesterinbildung im Körper – ganz nach Bedarf. Und so soll es funktionieren: Vor allem in der Leber messen die drei Proteine ständig den Cholesteringehalt der Zellmembran. Ist er zu niedrig, lösen sie sich voneinander und geben das Signal für einen komplexen chemischen Prozess, die Cholesterinbildung. Der Stoff ist für den Körper so essenziell, dass dieser aufwendige Prozess lebenswichtig ist. Schließlich ist ungewiss, wie viel und wie verlässlich Cholesterin über die Nahrung geliefert wird. Wenn aber cholesterinhaltige Nahrung verdaut wird, reagieren die Proteine in den Leberzellen darauf. Sie bleiben miteinander verbunden und blockieren die zusätzliche energieraubende Synthese. Etwa drei Viertel unseres Cholesterins entsteht in Körperzellen. Eine cholesterinarme Diät wirkt sich also nur auf einen Bruchteil des Cholesterinspiegels im Blut aus.

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