Mars und Venus unter Beobachtung

Was Wissenschaftler an unseren Nachbarplaneten interessiert

Menschen in aller Welt sahen dem Venustransit am 6. Juni begeistert zu. Auch die Forschung interessierte sich für das Himmelsspektakel. Es ermöglicht den Wissenschaftlern Referenzmessungen, mit denen sie sich einer großen Frage annähern können: Gibt es noch eine zweite Erde im Universum? Und wenn ja, wie findet man sie? Neben der Venus sorgte auch der Mars 2012 für Schlagzeilen: Anfang August wurde der neue Mars-Rover Curiosity auf dem Roten Planeten abgesetzt. Seine Entsendung soll eine weitere wichtige Frage klären: Gibt es oder gab es einst Leben auf dem Mars?

Ein Venustransit passiert nur dann, wenn die Venus die Erde überholt, was alle 584 Tage der Fall ist. Weil aber die Umlaufbahn der Venus leicht gegen die Erdbahn gekippt ist, können wir das nur sehen, wenn sich die Venus genau auf einem der beiden Schnittpunkte ihrer Bahn mit der Erdbahnebene befindet. Das passiert im Rhythmus von 8, 121, 8 und 105 Jahren. Der nächste Venusdurchgang wird erst wieder 2117 zu beobachten sein.

Mutmaßungen über ferne Planeten

Venustransit
Venus zieht als schwarzer Punkt vor der Sonne vorbei. Quelle: reuters

Nicht nur für Hobbyastronomen, auch für die Forscher war das Ereignis interessant. Indem sie den Venusdurchgang genau studieren, erfahren sie mehr darüber, wie sie im Weltall nach fremden Planeten suchen können. Normalerweise werden Planeten von ihren Sternen überstrahlt. Eine Chance zur Entdeckung gibt es nur, wenn die Planeten direkt zwischen uns und ihrem Stern vorbeiziehen und dessen Licht kurzzeitig verdunkeln. Dann lassen sich Mutmaßungen über die Bedingungen auf diesem Planeten anstellen, zum Beispiel über seine Temperatur, seine Oberflächenbeschaffenheit, ob er eine Atmosphäre hat oder sogar Leben tragen könnte.

Natürlich lassen sich Lebewesen auf fernen Planeten nicht direkt beobachten. Aber Forscher können nach den Grundlagen des Lebens Ausschau halten, wie sie von der Erde her bekannt sind: eine schützende Atmosphäre und flüssiges Wasser. Dies war auch das Ziel der aktuellen Marsmission – und nicht die Freude am Fahren, wie böse Zungen behaupteten. Grund zur Freude gab es dennoch: Die sichere Landung der Marssonde am 6. August war eine technische Meisterleistung: Curiosity, der rund eine Tonne schwere Mars-Rover, der das Mars Science Laboratory trägt, wurde genau an der vorausberechneten Stelle abgesetzt.

Unwirtliche Nachbarn

Mars-Rover Curiosity bei der Landung (Animation)
Der Mars-Rover Curiosity wurde zum Landen an Seilen herabgelassen. Quelle: reuters/nasa/jpl

Das übergeordnete Missionsziel: Curiosity soll nach Spuren von Leben Ausschau halten. Dass es auf dem Mars einmal flüssiges Wasser gab, ist an den tiefen Flusstälern zu erkennen. Unter dem Sand wurde auch schon Wassereis gefunden. Die Chancen, dass sich auf dem Mars Leben entwickeln konnte, sind dennoch relativ gering. Der Mars ist zu kalt. Zwar reicht sein Abstand zur Sonne gerade noch aus, dass er mit genügend Wärme versorgt wird, aber seine Atmosphäre ist so dünn, dass sie die Wärme nicht dauerhaft speichern kann. Weil der Mars deutlich kleiner als die Erde ist, reicht seine Gravitationskraft nicht aus, um eine dichtere Atmosphäre zu halten.

Und die Venus? Die Atmosphäre, die dem Mars fehlt, ist bei ihr erdrückend: Ihr Gesicht wird von einer undurchdringlichen Wolkendecke verhüllt. Wie wir vor allem dank der Missionen der russischen Raumsonde Venera wissen, herrschen auf ihrer Oberfläche aufgrund des starken Treibhauseffekts Durchschnittstemperaturen von 450 Grad Celsius und ein Druck von 90 bar. So anmutig ihr Name klingt: Auf dem Planeten, den die Menschen einer Liebesgöttin widmeten, hat das Leben in viereinhalb Milliarden Jahren keine Chance bekommen.

Beschützt durch das Erdmagnetfeld

Grünes Polarlicht über Meeresbucht
Polarlicht: In nördlichen Breiten heißt es auch Aurora borealis.

Und noch etwas zeichnet die Erde vor ihren Nachbarplaneten aus. Sie besitzt ein glühend heißes Herz. In ihrem Erdkern erzeugen Magmaströme aus flüssigem Eisen wie ein riesiger Dynamo ein starkes Magnetfeld. Dieses Magnetfeld schützt uns vor dem Sonnenwind, einem Strom elektrisch geladener Teilchen, der durch regelmäßige Sonneneruptionen in den Weltraum geschleudert wird. Er fegt mit über sechs Millionen Kilometer pro Stunde durch das All und würde auch die Erde treffen, hielte deren Magnetfeld ihn nicht von uns fern.

Auch am 14. Juli 2012, als wieder einmal ein besonders starker Sonnensturm über die Erde hinwegfegte, erwies sich der Schutzschirm als verlässlich: Die Lichter gingen nicht aus, die Stromversorgung brach nicht zusammen. Dafür präsentierte sich in Polarnähe ein einzigartiges Naturschauspiel: An den Polen, dort wo die Magnetfeldlinien senkrecht auf die Erdoberfläche münden, dringen die geladenen Sonnen-Teilchen tief in die Atmosphäre ein, reagieren in unterschiedlichen Höhen mit den Stickstoff- und Sauerstoffmolekülen und bringen als Polarlichter den Nachthimmel für uns zum Leuchten.

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