Mehr als Sand

Die skurrile Welt der Namib

Spricht man von einer der ältesten und trockensten Wüsten der Welt, meint man die Namib: eine extrem lebensfeindliche Gegend, ein Ort ohne Erbarmen mit Temperaturen bis zu 70 Grad Celsius. Namib bedeutet "Ort, wo nichts ist", doch der Name täuscht. Trotz der extremen Bedingungen ist sie Lebensraum für eine überraschende Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Mithilfe ausgefeilter Strategien behaupten sie sich unter diesen gnadenlosen Bedingungen. Die Eroberer der Wüste sind wahre Überlebenskünstler.

Die Atlantikküste Namibias.
Die Atlantikküste Namibias. Quelle: ZDF

Die Tiere und Pflanzen bedienen sich unterschiedlicher Tricks, um Wasserverluste zu minimieren oder der Hitze auszuweichen: Wird es beispielsweise der Sandechse zu heiß, gräbt sie sich ein. Die Dünenspinne nutzt ihre klebrigen Seidenfäden, um den lockeren Sand zu kleinen Matten zu binden. Diese dienen dann als Sonnenschutz, Tarnung und todsichere Falle für Beute zugleich. Doch selbst die raffiniertesten Anpassungen an ein Leben in dieser "heißen Hölle" können das Überleben nur unter einer Voraussetzung sichern: Es muss Wasser geben.

Leben spendende Nebelschwaden

Die Namib erstreckt sich über 2000 Kilometer entlang der Atlantikküste, und dennoch ist Wasser Mangelware. Das Meer ist ganz nah, aber Regen ist hier dennoch nicht zu erwarten. Dafür sorgen die besonderen klimatischen Bedingungen: Kaltes Tiefenwasser aus der Antarktis kühlt die Luft über dem Meer stark ab. In der Luft kondensiert die Feuchtigkeit, wodurch dichter Nebel entsteht. Die Wolken bleiben aber draußen über dem Meer, denn die warme Luft, die über dem aufgeheizten Land aufsteigt, legt sich wie ein Deckel darüber.

Erst in der Nacht geschieht das, worauf alles Leben wartet: Der Wüstensand kühlt ab. Jetzt ziehen die dicken Nebelschwaden ungehindert landeinwärts. Bis zu 60 Kilometer gelangen sie ins Landesinnere. Die Feuchtigkeit ist der Lebensquell für die Wüstenbewohner. Einige Tiere entwickelten skurrile Techniken, um das kostbare Wasser zu sammeln. Eine Käferart, der Nebeltrinker, streckt zum Beispiel seinen Hinterleib, so weit es geht, nach oben, Feuchtigkeit kondensiert daran, und die Tropfen rinnen ganz von alleine in seinen Mund. Eine raffinierte und energiesparende Methode.

Verborgene Flüsse

Zahlreiche ausgetrocknete Flussbette durchziehen die karge Landschaft Namibias. Spärliches Grün zeugt von Feuchtigkeit im Untergrund. Woher kommt das Wasser? Der Ursprung liegt weit weg im Hinterland. Regenfälle im entfernten Hochplateau Namibias speisen die Trockenflusstäler. Das Wasser, das hier aus Quellen entspringt oder sich nach starken Niederschlägen sammelt, fließt Richtung Westen zum Atlantik ab.

Rivier Text 3 Quelle: ZDF

Dass das kostbare Nass unterwegs nicht verdunstet, liegt an ganz besonderen geologischen Gegebenheiten. Auf seinem Weg verschwindet der Fluss im Untergrund. Dort fließt er in einer lockeren, bis zu zehn Meter tiefen Schicht aus erodiertem Geröll und Sand im Verborgenen weiter. Nur an wenigen Stellen gelangt er durch Verwerfungen an die Oberfläche und bildet kleine Oasen: überlebenswichtige Frischwasserquellen für die Wüstenbewohner. Diese Riviere, wie man die ausgetrockneten Flussläufe nennt, ziehen sich als Lebensadern durch die weiten Ebenen. Sie bilden die Grundlage für die Vielfalt des Lebens in der Namib.

Elefantenrüssel als Sensor

Lizzard in der Wüste.
Lizard Text 3 Quelle: ZDF


Nicht nur Insekten oder Kleintiere haben die Wüste für sich erobert, selbst die Giganten Afrikas können in der Namib überleben: die Wüstenelefanten. Täglich müssen sie bis zu 250 Kilogramm Pflanzen fressen. Um ihren Nahrungsbedarf zu decken, ziehen die Tiere zwischen den Trockenflusstälern Namibias umher. Bei der Suche nach Wasser dient der Rüssel als Sensor. Mit ihm können die Tiere Wasser in bis zu zwei Meter Tiefe unter dem Wüstensand aufspüren.

elefant in der Wüste Text 3 Quelle: ZDF


Forscher vermuten, dass die Elefanten mit ihrer sensiblen Nase Schwingungen von strömendem Wasser erspüren oder geringste Mengen Wasserdampf riechen können. Sind sie fündig geworden, dient der Rüssel zum Graben nach der lebensnotwendigen Flüssigkeit. Die Dickhäuter haben sich perfekt an die Gegebenheiten angepasst. Bis zu vier Tage kommen sie ohne Wasser aus, dann aber können sie innerhalb weniger Minuten bis zu 200 Liter trinken.

Wunder in der Wüste

Es ist verblüffend, auf welch vielfältige Weise sich Leben in der "heißen Hölle" Namib durchsetzen kann. Der Anabaum beispielsweise hat ein ausgeklügeltes System entwickelt. Seine Wurzeln reichen bis in 40 Meter Tiefe, so kann er sich über das Grundwasser versorgen. Der laubwerfende Baum wird bis zu 30 Meter hoch und ergrünt zum Anfang der Trockenzeit. Die Hülsenfrüchte sind eiweißreich und daher für die Wüstenelefanten eine wichtige Nahrungsquelle. Mit dem Kot verbreiten die Elefanten die Samen und erhalten so das einzigartige Ökosystem.

Elefant rüttelt an einem Anabaum.
Elefant an Baum Text 3 Quelle: ZDF

Und manchmal geschieht ein kleines Wunder in der unwirtlichen Wüste. Dann, wenn die Flussläufe nach heftigen Niederschlägen im Hinterland für wenige Stunden volllaufen. Im ausgedörrten Boden können die Wassermassen nicht versickern. Die Riviere laufen voll und für kurze Zeit entfaltet sich dann in der Namib ein einzigartiges, pralles Leben.

Weiter mit: Wasser aus vergangenen Zeiten

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet