Mit Vollgas in die Zukunft?

Neue Technologie erschließt Erdgasvorkommen

Unter unseren Füßen gibt es einen Schatz, der erst seit kurzem hebbar ist: Erdgas aus unkonventionellen Quellen. Leicht kommt man an diesen Gas, den klimaschonendsten aller fossilen Brennstoffe, allerdings nicht heran - es ist eingeschlossen im Schiefergestein. Die Förderung unkonventioneller Gasvorkommen birgt großes Potenzial, aber auch beträchtliche Risiken.

Hydraulic Fracturing

Nicht zu sehen, nicht zu riechen, und doch ist es da: Ab tausend Meter Tiefe unter der norddeutschen Erde gibt es Erdgasvorkommen. Anders als bei konventionellen Lagerstätten ist dieses Gas in Tonschiefern eingeschlossen. Es steckt in winzigen Poren im Gestein. Lange Zeit galt die Ausbeutung dieser unkonventionellen Vorkommen als zu aufwendig. Doch die Aussicht, Deutschland in Zukunft weniger abhängig von Gasimporten zu machen und dem kommenden Ölpreisschock etwas entgegensetzen zu können, ist verlockend. In den USA werden unkonventionelle Gasquellen bereits in großem Umfang angezapft. Etwa zehn Prozent des dort geförderten Erdgases stammen aus Schieferformationen - Tendenz steigend. In Texas befindet sich eines der größten Schiefergasfelder der Erde. Sogar in Vorgärten wurden Förderanlagen errichtet.

USA-weit wird Erdgas inzwischen aus etwa 3000 Bohrungen gefördert. Jeden Monat kommen über hundert hinzu. Mit einer weiterentwickelten Fördertechnik, dem sogenannten Hydraulic Fracturing, kurz Fracking, wird das Gestein unterirdisch aufgebrochen: Zunächst schiebt sich der Bohrer in die Tiefe, auch durch Grundwasserleiter. In etwa einem Kilometer Tiefe wird die gasführende Schieferschicht horiziontal angebohrt. Riesige Pumpen pressen mit enormem Druck mehrere Millionen Liter Wasser durch den Bohrschacht in das Gestein, sodass sich darin Risse bilden. Das Hochdruckwasser enthält auch ein Gemisch aus Chemikalien und Sand, das die Risse im Gestein vergrößern und stabilisieren soll. Aus den Rissen strömt das Erdgas schließlich in den Bohrschacht.

Risiken und Chancen

Manche glauben, dass durch solche Risse oder durch undichte Rohre Gas auch bereits in einigen Fällen ins Trinkwasser gelangt ist. Die US-Umweltbehörde prüft gerade, mit welchen Risiken die Förderung von unkonventionellem Gas tatsächlich behaftet ist. Auch giftige Chemikalien aus der Fracking-Flüssigkeit dürfen nicht ins Grundwasser gelangen. Noch problematischer sind Substanzen wie radioaktive Stoffe oder Schwermetalle im Lagerstättenwasser, die beim Fracking aus dem Untergrund nach oben gespült werden könnten. Beim Fracking fallen enorme Mengen an kritischem Abwasser an.


In Deutschland werden derzeit erste Probebohrungen durchgeführt, um herauszufinden, wie viel Gas aus dem Untergrund zu holen ist und mit welchen Risiken eine gezielte Förderung verbunden wäre. Experten schätzen, dass es hierzulande viel mehr Erdgas aus unkonventionellen als aus herkömmlichen Quellen gibt. Unter Niedersachsen lagern große Vorkommen von Tight Gas und Shale Gas, im Ruhrgebiet könnte man das Kohleflözgas anzapfen. Doch erst in einigen Jahren wird man wissen, ob sich die Förderung lohnt. Die größte Hürde ist vermutlich die Akzeptanz in der Bevölkerung - dabei wäre der Ausbau der Energieerzeugung aus Erdgas eine Investition in den Klimaschutz. Denn die Verbrennung von Erdgas setzt nur halb so viel Kohlendioxid frei wie die von Kohle. Gas- und Dampfkraftwerke können so eine verhältnismäßig klimaschonende Ergänzung zu den regenerativen Energiequellen Sonne und Wind sein. Sie könnten immer dann kurzfristig Strom erzeugen, wenn der Wind gerade nicht weht.

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