Mord und Totschlag unter Tieren

Strategien zur Erhaltung des biologischen Gleichgewichts

Jedes Tier ist bestrebt das Überleben seiner Nachkommen zu sichern. Damit nicht die gesamte Art durch unkontrollierten Zuwachs gefährdet wird, hat die Evolution vielfältige Strategien hervorgebracht. Die Rangordnung unter den Tieren spielt dabei meist eine große Rolle.

Nacktmulle zusammengedrängt in unterirdischem Bau.
Nacktmulle zusammengedrängt in unterirdischem Bau. Quelle: ZDF

Bestimmte Tierarten reagieren beispielsweise auf Stressfaktoren wie zu viele Mitglieder mit der Tötung von Jungtieren. Besteht keine Möglichkeit, das Territorium auszuweiten, kann das für die Weibchen eine große Konkurrenz bei der Nahrungsbeschaffung für ihre Jungen oder beim Buhlen um Sexualpartner bedeuten. Andere Arten bedienen sich eines ausgeklügelten Systems, um es nicht zu einer Überpopulation kommen zu lassen.

Leben in Kolonien

So auch eine Nagetierart, der Nacktmull. Er lebt in riesigen unterirdischen Bauten in den Halbwüsten Ostafrikas, speziell im Süden Äthiopiens, in Kenia und Somalia Das Nahrungsangebot ist karg und der Fortbestand einer Kolonie, die aus 20 bis 300 Tieren besteht, ist auf das richtige Gleichgewicht zwischen Arbeitern und dem zu fütternden Nachwuchs angewiesen. Bei den Nacktmullen ist nur ein Weibchen fortpflanzungsfähig: Die Königin.

Es gibt keine Rivalinnen, keinen fremden Nachwuchs und deshalb kaum Überpopulation. Man vermutet, ein nur von ihr mit dem Urin ausgesondertes Hormon, hält die anderen Weibchen unfruchtbar. Die Königin paart sich mit ein bis drei Männchen aus der Kolonie. Drei- bis viermal in ihrem Leben bringt die Königin Junge zur Welt, die entweder männliche Arbeiter oder noch nicht fortpflanzungsfähige weibliche Arbeiterinnen werden. Erst wenn die Königin stirbt, werden die Weibchen fruchtbar und ein kurzer Kampf um die Führung beginnt. Gewinnerin ist das Weibchen, welches am schnellsten Junge gebiert.

Strenge Rangordnung

Ein anderes Beispiel für die Selbstbegrenzung einer Population liefern Erdmännchen. Diese Raubtiere leben in Klans von bis zu 40 Tieren zusammen, angeführt von einem Alpha-Paar. In der Regel sorgt nur das Alpha-Paar für Nachwuchs. Die anderen Weibchen sind aber durchaus fortpflanzungsfähig und insofern Konkurrentinnen für das Alpha-Weibchen. Ebenfalls trächtige, rangniedere Weibchen bezeugen rituell ihre Unterwürfigkeit unter das Alpha-Weibchen. Sie würden andernfalls Gefahr laufen, verstoßen zu werden.

Es kommt durchaus vor, dass Alpha-Weibchen und rangniedere Tiere zur gleichen Zeit niederkommen. Geschieht dies in Zeiten von Nahrungsmangel, wächst der Druck auf die Population. In diesem Fall kann es vorkommen, dass der Nachwuchs der rangniederen Weibchen getötet wird. Durch die Kindstötung steigt die Überlebenschance der Gruppe. Den Bestand sichern ausschließlich die Nachkommen der Alpha-Tiere.

Mordende Schimpansen

Was selbst bei unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen, passieren kann, wenn Ressourcen erschöpft sind, konnten Forscher im Nordwesten Ugandas erleben. In dem gesamten Gebiet leben circa 800 Schimpansen. Früher war dieser natürliche Lebensraum der Schimpansen noch ein großer zusammenhängender Waldgürtel, der sich durch ganz Ostafrika zog. Doch durch die Abholzung des Regenwalds wurde die Fläche Schritt für Schritt zerstückelt. Am Ende blieb den vertriebenen Tieren nur der Budongo-Wald.

Immer mehr neue Weibchen wanderten, zum Teil mit Jungtieren, in das Gebiet einer dort heimischen Gruppe ein. Deren Größe stieg von 42 auf 77 Tiere an, ohne dass die Schimpansen ihren Lebensraum ausweiten konnten. Der Populationsdruck stieg, bis es zur Entladung kam: Eine Gruppe von Schimpansen tötete das Jungtier einer Artgenossin. Die Mörderinnen waren Weibchen. Auslöser war nach Meinung von Forschern der Kampf um Ressourcen. Es war eng geworden und es gab einen enormen Überschuss an Weibchen, die sich fortpflanzten. Die Gruppe wuchs, ohne sich länger von dem Vorgefundenen ernähren zu können. Das extreme Verhalten war eine Folge von Überbevölkerung.

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