Mythos Gold - die Angst vor dem Crash

Wissen | Leschs Kosmos - Mythos Gold - die Angst vor dem Crash

Gold ist selten, unzerstörbar und eine sichere Vermögensanlage in unsicheren Zeiten – heißt es. Doch die Vorkommen gehen zur Neige. Geht uns das Gold aus? Kommt der große Crash? Harald Lesch zeigt, wie Geologen und Ökonomen sich auf die Krise vorbereiten.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.03.2018, 20:00
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Weltweite Goldgräberstimmung

Super-Pit: Goldmine in Australien
In der Super-Pit-Mine sind die gewinnbringenden Vorkommen bald erschöpft.

Die Super-Pit-Goldmine im Süden Australiens ist eines der größten künstlichen Löcher der Welt: 3,5 Kilometer lang, 1,5 Kilometer breit, und 600 Meter tief. Ein gigantischer Aufwand, um winzigste Mengen Gold im Gestein abzubauen – keine zwei Gramm pro Tonne. Direkt am Rand der Grube liegt die Stadt Kalgoorlie. Seit 1895 leben die Menschen hier vom Gold. Der Goldabbau begann mit ein paar primitiven Stollen. Um die Erträge zu steigern, wurden in den 1980er Jahren diverse unterirdische Minen zu der Riesengrube Super-Pit zusammengelegt. Heute werden hier rund 23 Tonnen pro Jahr gefördert. Doch Gestein mit ausreichend Goldgehalt geht zur Neige. 2021 soll das Ende erreicht sein. Nur aus dem Gestein der Abraumhalde könnte dann noch mit speziellen Techniken bis 2029 Gold gewonnen werden. Der Aufwand lohnt nur bei verhältnismäßig hohem Goldpreis – wie zur Zeit.

Grafik: Mponeng-Mine in Südafrika
Mehr als elf mal die Länge des Berliner Fernsehturms - so tief soll die Mponeng-Mine werden.

Die größten Goldproduzenten weltweit stehen alle vor demselben Problem: Steigt der Goldpreis nicht nennenswert an, werden die wirtschaftlich ergiebigen Goldvorkommen in wenigen Jahrzehnten erschöpft sein. Die Suche nach gehaltvollen neuen Fundstätten wird immer teurer, bei sinkendem Erfolg. Die Mponeng-Mine in Südafrika ist so ein Fall. Täglich fahren über 4.000 Bergleute ein, zum tiefsten Arbeitsplatz der Welt: knapp vier Kilometer unter die Oberfläche. Dort herrschen 95 Prozent Luftfeuchtigkeit. Mit riesigen Mengen Eis wird die Temperatur in den tiefen Stollen von 60 auf gerade noch erträgliche 30 Grad heruntergekühlt. Doch es lohnt sich: Hier liegt der Gehalt bei gut acht Gramm Gold pro Tonne Gestein. Erste Planungen laufen, noch tiefer zu bohren und auf fünf Kilometer abzuteufen: Das wäre ein neuer tiefster Punkt, den je ein Mensch erreicht hat. Doch das ist nicht nur technisch sehr schwierig, sondern auch verbunden mit großen wirtschaftlichen Risiken: Die Förderkosten betragen hier um die 900 Dollar pro Feinunze, leicht unter dem Durchschnitt weltweit. Nur wenn der Goldpreis, wie im Moment mit rund 1.200 Dollar darüber liegt, lohnt es sich, in den Minenausbau zu investieren.

Illegale Goldminen - das neue Kokain in Südamerika

Lässt sich Gold künstlich herstellen?

Worüber bestimmt sich der Wert des Goldes?

Fieberkurve: Aktienkurse und Goldpreis
Die Finanzwelt hängt mit am Tropf des Goldes.

Seit 1944 ist der Dollar internationale Leitwährung – verbunden mit einem System fester Wechselkurse und einer Golddeckung für ausländische Staaten. Doch bis Anfang der 1970er Jahre bauen die USA im Handel mit ausländischen Staaten ein immer größeres Defizit auf. Die Goldreserven, etwa in Fort Knox gelagert, reichen nun nicht mehr aus, die Dollars im Ausland zu decken. Die USA ziehen die Reißleine und schaffen die Golddeckung ab. In den 1980ern Jahren boomt die Weltwirtschaft. Globalisierung verspricht ganz neue Wachstumsraten. Die Absicherung von Vermögen und Währungen durch Gold gerät dabei bei vielen aus dem Blick - bis zum Börsencrash 2008. Rapide sinkt das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit von Banken und selbst Staaten. Was Anlegern fehlt, ist Sicherheit. Für viele ist das Gold. Aber gibt es einen echten Zusammenhang von Goldpreis und Aktienkurs? Als die Aktien 2001/2002 an der Börse einbrechen, steigt der Goldpreis - entgegen Vermutungen - nicht an, sondern stagniert. Nach dem Crash 2008 steigen Aktienkurs und Goldpreis parallel an, bis Gold ab 2011 plötzlich wieder stark an Wert verliert. Eindeutiger erscheint vielen Experten deshalb der Zusammenhang mit der Leitwährung US-Dollar: Ein starker US-Dollar führt zu einem schwächeren Goldpreis und umgekehrt. So sind es Entscheidungen der Zentralbanken, wie FED und EZB, die mittelfristig den Goldpreis beeinflussen - oft politisch begründet und schwer vorherzusagen.

Folgt wenigstens das Goldfixing, die tägliche elektronische Festlegung des Goldpreises, transparenten Gesetzen? Auf den ersten Blick ja, denn es richtet sich nach Angebot und Nachfrage auf dem Goldmarkt. Dennoch geht es heute beim internationalen Goldhandel nur zu einem kleinen Teil um physisches Gold. Ein Großteil der Geschäfte wird mit sogenannten „Goldderivaten“ am Terminmarkt getätigt: Dabei müssen die Verkäufe nur zum Teil durch physisches Gold gedeckt sein. Es handelt sich dabei also nur um eine Art elektronische Option für echtes Gold in der Zukunft. Es ist ein System mit viel Raum für Spekulationen. Bei so vielen möglichen Einflüssen ist die Entwicklung des Goldpreises kaum vorherzusagen. Klar ist, dass Gold ein knapper werdender Rohstoff ist. Langfristig wäre deswegen ein Anstieg des Goldpreises naheliegend: Viele Experten schätzen, dass der Preis pro Feinunze in zehn Jahren auf über 2.000 US-Dollar steigen könnte. Doch im goldenen Schein, der wie nichts anderes für Macht und Reichtum steht – was zählt da schon der gesunde Menschenverstand?

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Videolänge:
1 min
Datum:

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