Natürliche und künstliche Strahlung

Wie hoch ist die Belastung?

Radioaktive Strahlung ist Teil der Natur. Alles Leben hat sich unter ihrem Einfluss entwickelt. Das heißt aber nicht, dass natürliche Radioaktivität ungefährlich ist. Das strahlende Gas Radon beispielsweise kann durchaus schädlich für den Menschen sein. Zusätzlich zur natürlichen Strahlenbelastung ist in den letzten Jahrzehnten "menschengemachte" radioaktive Strahlung freigesetzt worden, etwa durch Atombombentests oder Reaktorunfälle. Wie wirken sich diese Strahlenbelastungen auf die Umwelt aus?

Radioaktive Wolke nach Reaktorunfall in Tschernobyl
Radioaktive Wolke nach Reaktorunfall in Tschernobyl Quelle: ZDF

Am 26. April 1986 explodiert Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl und schleudert große Mengen radioaktiver Stoffe in die Atmosphäre. Die radioaktive Wolke breitet sich aus und gelangt auch nach Deutschland. Regen wäscht die Stoffe aus der Atmosphäre. Vor allem im Süden schlägt sich viel Radioaktivität nieder, insbesondere im Bayerischen Wald. Dort lassen sich auch heute noch, 25 Jahre später, beträchtliche Mengen des nur langsam zerfallenden Cäsium-137 nachweisen.

Nachwehen von Tschernobyl

Besonders belastet sind Wildschweine, und zwar vor allem im Winter. Aufgrund des knappen Nahrungsangebots wühlen die Tiere dann wahre "Cäsiumbomben" aus der Erde: Hirschtrüffel. Diese Pilze enthalten zehn Mal so viel strahlendes Cäsium wie Speisepilze. Nach mehreren Wochen scheiden die Tiere das Cäsium wieder aus, die Belastung nimmt wieder deutlich ab. Da Cäsium-137 eine Halbwertszeit von 30 Jahren hat, werden Wildschweine auch in den nächsten Wintern noch ähnlich kontaminiert sein.

Nukleare Waffentests

Warum reichern die Fruchtkörper von Pilzen so viel radioaktives Cäsium an? Pilze entwickeln im Boden ein großflächiges Geflecht. Insbesondere Arten, die mit Bäumen in Symbiose leben, haben ein weites Einzugsgebiet, aus dem sie strahlendes Cäsium aufnehmen und im Fruchtkörper speichern können. Zahlreiche Speisepilze sind mancherorts durch die radioaktive Wolke aus Tschernobyl noch beträchtlich mit Cäsium-137 belastet. Doch es gibt noch eine andere hartnäckige Strahlenlast, die sich weltweit nachweisen lässt. Sie stammt von den oberirdischen Atombombentests der 1950er- und 1960er-Jahre. Insgesamt wurden immerhin etwa 2050 Tests durchgeführt. Die meisten von den Amerikanern, gefolgt von ihren Konkurrenten im Kalten Krieg, den Russen. Aber auch Frankreich, Großbritannien und China waren nicht sehr zurückhaltend, diese Technik auszuprobieren. Erst das internationale Atomteststopp-Abkommen im Jahr 1963 setzte dem ein Ende.

Bei den Tests wurden große Mengen radioaktiver Stoffe frei. In den Folgejahren nahm diese Verunreinigung nur langsam ab. Die Ursache: Durch die Wucht der Explosionen waren radioaktiver Stoffe in Höhen von über 15 Kilometer gelangt. Sie verteilten sich weltweit. Es dauerte sehr lange, bis sie sich mit dem Regen allmählich als so genannter Fallout auf der Erde niederschlugen.

Radioaktivität aus dem Untergrund


Strahlung kommt auch aus dem Untergrund. Es gibt Gegenden in Deutschland, in denen die natürliche Radioaktivität höher ist, wie etwa im Elbsandsteingebirge. Im Dresdner Raum enthält der Boden besonders viel radioaktives Uran. Bei seinem Zerfall entsteht das strahlende Gas Radon. Die Radonkonzentration im Boden variiert von Ort zu Ort, je nach Untergrund.

Grafische Darstellung: Radon dringt in Haus ein
Grafik Haus Text 2

Radon ist leicht flüchtig und wandert entlang von Rissen nach oben. Ohne ausreichende Abdichtung und Lüftung kann sich Radon in Häusern anreichern und gesundheitsgefährdende Konzentrationen erreichen. Besonders gefährlich sind die radioaktiven Zerfallsprodukte von Radon. Sie können mit der Atemluft in die Lunge gelangen, und hohe Konzentrationen schädigen die Erbsubstanz in den Zellen. Die Folge ist ein steigendes Krebsrisiko. Radon und Uran sind nur zwei der radioaktiven Stoffe, die seit Jahrmillionen in der Erdkruste vorkommen.

Kosmische Strahlung

Einer weiteren natürlichen Strahlenquelle können wir uns nicht entziehen: der kosmischen Strahlung. Sie stammt aus Sternenexplosionen oder auch direkt aus der Sonne. Einen gewissen Schutz vor der kosmischen Strahlung, vor Röntgen-, Gamma- und Teilchenstrahlung, bietet uns das Erdmagnetfeld. Aber ein Teil der Strahlung gelangt dennoch bis zur Erdoberfläche. Die Belastung durch kosmische Strahlung schwankt je nach Sonnenaktivität.

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