Neue Techniken - neue Risiken

Genlabors, die "Hexenküchen" der Neuzeit

Zerstören gentechnisch veränderte Pflanzen das Ökosystem? Können sich die Eigenschaften eines Lebewesens ändern, selbst wenn nur ein Gen ausgetauscht wird? Oder machen wir Deutschen uns mal wieder zu viele Sorgen um eine neue Technik, die uns doch Segen bringen soll? Das Thema Genfood wird bewertet, wie es unterschiedlicher nicht sein könnte.

Pflanzen werden in Genlabor gezüchtet. Quelle: ZDF

Ein ängstlicher Blick erkennt ein gesundheitliches Risiko, ein hoffnungsvoller dagegen ist auf die Möglichkeiten der Forschung gerichtet, die Auswege finden soll für Probleme in Landwirtschaft und Welternährung. Der Fortschritt und die dadurch aufgeworfenen Risiken stellen uns vor besondere Aufgaben. Nicht mehr alles ist durchschaubar und verständlich. Man muss sich auf Experten und deren Einschätzung verlassen. Genfood ist ein Beispiel dafür. Es stößt auf breite Ablehnung, aber was wissen wir eigentlich über die Risiken?

Zeitbombe Genmais

Markthalle Stuttgart Quelle: reuters


Nehmen wir einmal den Genmais. Wissenschaftler haben ein neues Gen in sein Erbgut geschmuggelt. Es bildet einen Stoff, der Schädlinge fernhalten soll. Die Angst vor einem nicht beherrschbaren Risiko greift um sich. Viele Menschen lehnen Lebensmittel, die mit Hilfe von Gentechnik entwickelt werden, ganz klar ab. Sie empfinden ein Feld mit Genmais als Bedrohung. Militante Gegner schrecken selbst vor Zerstörung von Versuchsfeldern nicht zurück.

Die breite Ablehnung ist ein wichtiger Grund, dass die genmanipulierten Produkte noch nicht in deutsche Supermarktregale vorgedrungen sind. Aber wie groß ist die Gefahr tatsächlich, die von ihnen ausgeht? Wissenschaftler stellen die Pflanzen aus dem Labor auf den Prüfstand. Die Gene an sich, auch neu kombinierte, sind nicht giftig. Sie werden vollständig verdaut.

Eine Schrotflinte voll Erbgut

Laborantin, Gentechnik BBC Quelle: ZDF


Aber was ist mit den Stoffen, die die fremden Gene in den Pflanzen produzieren? Nur wenn sich ihre Unbedenklichkeit erweist, bekommen die Pflanzen eine Zulassung für den Anbau. Doch es bleibt ein Rest Unsicherheit. Denn die Methode, mit der das fremde Erbgut in die Pflanzen eingebracht wird, gleicht dem Schuss mit einer Schrotflinte. Wo die neuen Gene landen, wo sie integriert werden, ist reiner Zufall.

Denkbar, dass dadurch die normale Steuerungsfunktion der Gene gestört wird, und dass neue, unbekannte Stoffe entstehen. Welche Gefahr von ihnen ausgehen könnte, ist eine Frage an die Forschung. Wissenschaftler versuchen, das Risiko für die Gesundheit abzuschätzen. Dazu spüren sie die eingeschleusten Genbausteine im Erbgut auf. Aus der Abfolge der Bausteine können sie ableiten, wie wahrscheinlich es ist, dass nun gesundheitsgefährdende Stoffe entstehen. Das Ergebnis: Die meisten Experten bewerten den Verzehr von Obst und Gemüse aus genmanipulierten Pflanzen als unbedenklich. Doch Skeptiker überzeugt das nicht. Sie sehen im übrigen keinen Grund, sich einem unbekannten Risiko auszusetzen, denn das Nahrungsangebot lässt keine Wünsche offen.

Lukrative Züchtungen

Gentechnikgesetz - Mais Quelle: ap


Bei der Entwicklung der neuen Kulturpflanzen stand für die Forscher bisher die Ertragssteigerung im Mittelpunkt. Beim Mais sollte das mit einem Bakterien-Gen gelingen. Es schützt die Pflanze vor ihrem größten Feind: dem Maiszünsler. Die Maßnahme hatte Erfolg. Die Gefahr kompletter Ernteausfälle durch Schädlingsbefall wurde drastisch verringert und der Einsatz von Pestiziden reduziert.

Vor allem in den USA boomt daher das Geschäft mit dem neuen Mais. Der Erfolg führt den genveränderten Mais schon jetzt um die ganze Welt. Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa, Indien und China wird die neue Sorte im großen Stil angebaut. Laut einer Studie hat sich die Anbaufläche von Gen-Saaten in Europa im Jahr 2007 zum Vorjahr fast verdoppelt.

Mittel gegen Hunger


Während sich die Gegner weiter vehement gegen den Vormarsch stemmen, sehen die Befürworter in der Gentechnik die Waffe zur Bekämpfung des Hungers in der Welt. Aber in den armen Ländern der Erde sichern die Kleinbauern die lokale Versorgung. Und gerade sie profitieren kaum von der neuen Technologie. Das Saatgut ist zu teuer und führt geradewegs in die Abhängigkeit von großen Konzernen.

Noch bleibt die Gentechnologie also den Nachweis schuldig, das globale Hungerproblem zu mildern. Attraktiv ist der Anbau der neuen Nutzpflanzen vor allem dort, wo man auf großen Flächen mit modernen Methoden immer mehr Ertrag erwirtschaften will. Skeptiker fürchten die unabsehbaren Folgen dieser Entwicklung. Und sie warnen vor einer unkontrollierten Verbreitung des neu kombinierten Erbguts durch Pollenflug.

Maisernte, Genlabor BBC Quelle: ZDF

Riskanter Großversuch

Was bedeutet die Verbreitung der artfremden Gene für verwandte Wildpflanzen? Was erwartet Insekten, die sich von den Pollen ernähren? Manche sehen in der weltweiten Ausbreitung genveränderter Pflanzen einen riskanten Großversuch mit unserem Planeten. Die Chancen der neuen Technik stehen für sie in keinem Verhältnis zu den Risiken.


Um das Interesse der Verbraucher zu gewinnen, sprießen in den Laboren von Unternehmen derweil neue Ideen. Eine davon sind Kulturpflanzen mit einem "Gesundheitsplus". Das, was heute Pillen versprechen, steckt künftig zusätzlich in Lebensmitteln. Etwa in Gemüse, das Omega-3-Fettsäuren bildet, Fettsäuren, die normalerweise in Fisch vorkommen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, Verbraucher für neue Produkte zu gewinnen. Manche Pläne wirken dabei skurril. In Experimenten wurden Tabakpflanzen ein Leucht-Gen eingesetzt. Bei Wasserbedarf sollte es ein Signal aussenden. Diese Technik wäre der perfekte Weg, unsere Zimmerpflanzen in Zukunft vor dem Verdursten zu bewahren.

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