Neue Theorien zu Sodom und Gomorrha

Zeugnisse der Vergangenheit

In der Bibel steht, wie über den Städten Sodom und Gomorrha eine Apokalypse hereinbricht. Unter einem Regen von Feuer und Schwefel werden die Orte begraben. Steckt hinter dieser dramatischen Geschichte vielleicht ein wirkliches Ereignis? Bis heute wurden keinerlei Überreste der beiden Städte gefunden. Dennoch spricht viel dafür, dass die biblischen Orte einst wirklich existierten. Wissenschaftler vermuten, dass die Katastrophe in den heutigen Ländern Israel und Jordanien stattgefunden haben könnte.

Luftaufnahme einer Ausgrabunsstätte.
Luftaufnahme einer Ausgrabunsstätte. Quelle: ZDF

Forscher suchen in der Nähe des Toten Meeres nach Anhaltspunkten. Ruinen von Sodom und Gomorrha wurden zwar nie gefunden, aber andere Siedlungen, die die Wissenschaftler auf eine erste Spur gebracht haben. Aufgrund von Fundstücken, wie besondere Tontöpfe, die für die Produktion von Olivenöl verwendet wurden, schlossen die Forscher, dass es vor rund 4.000 Jahren in der heute sehr trockenen Region üppige Plantagen und große Städte gab.

Hinweise auf Erdbeben

Weitere Funde in der Nähe liefern erste Anhaltspunkte für ein mögliches Untergangsszenario: Skelette. Sie zeigen bei genauer Analyse, dass sie gewaltigen Kräften ausgesetzt waren. Die Bruchlinien der Knochen deuten darauf hin, dass die Menschen verschüttet wurden, und zwar als sie noch lebten. Nur so lassen sich die schrägen Knochenbrüche der Skelette erklären. Für Forscher ist das ein erster Hinweis auf ein Erdbeben. Könnte das der Grund für den Untergang der beiden biblischen Städte gewesen sein?

Forscher untersucht ein Skelett.
Skelett Text5 Quelle: ZDF

In der Region kommt es bis heute immer wieder zu Erdstößen. Das Tote Meer liegt in einer geologisch aktiven Zone. Genau zwischen der Asiatischen und der Afrikanischen Platte schieben sich hier die Kontinentalplatten übereinander. Untersuchungen zeigen jedoch, dass es zur fraglichen Zeit nur Erdbeben mittlerer Stärke gegeben hat. Lässt sich damit also das Ausmaß der Katastrophe überhaupt erklären?

Forschung als Puzzlespiel

In der Bibel wird erzählt, dass Sodom und Gomorrha unter einem Regen aus Feuer begraben worden seien, aber woher kann das Feuer gekommen sein? Aktuelle Messungen haben Erstaunliches zutage gebracht. Überall in dieser Region gibt es Erdgaslagerstätten, und zwar recht nah an der Erdoberfläche. Die Forscher stellen sich den Anfang des Untergangs heute etwa so vor: Die Erde bebt mit mittlerer Stärke, Gas tritt aus dem Erdreich aus und wird durch die Feuer in der Stadt entzündet. Aber wenn dies wirklich so passiert ist, wo liegen dann diese Städte und warum finden sich keinerlei Überreste?

Trockenes Flußbett.
Trockenes Flußbett Text 5 Quelle: ZDF


Bei der geologischen Untersuchung der Region finden die Forscher weitere Anhaltspunkte. Zwar sind in den Sommermonaten die Flüsse fast alle trocken, im Winter aber schwellen sie oft zu reißenden Strömen an. Anschließend versickert das Wasser wieder und speichert sich teilweise auch unterirdisch. Der Aufbau der Erdchichten brachte Wissenschaftler in Cambridge auf eine Idee. Sie wollen dem Geheimnis um Sodom und Gomorrha mittels eines ungewöhnlichen Experiments in einer Zentrifuge auf die Schliche kommen.

Das Experiment

Forscher in Labor.
Forscher im Labor Text 5 Quelle: ZDF


Zuerst wird ein Modell gebaut, das die gleiche Untergrundbeschaffenheit wie die Region um das Tote Meer besitzt. In der Gegend wechseln sich Sand- und Lehmschichten ab. Im Sommer lagert sich Sand an und im Winter wird Lehmboden angespült. Die Vermutung der Forscher: Bei einem Erdbeben wird Wasser an die Oberfläche gedrückt und die nasse Sandschicht auf der festen Lehmschicht verwandelt sich so in eine Rutschbahn.

Eine Zentrifuge.
Zentrifuge Text 5 Quelle: ZDF

Wissenschaftler können auch simulieren, wie sich Bauten bei einem Erdbeben verhalten. Normalerweise testen sie zum Beispiel Modelle von Atomkraftwerken auf ihre Stabilität, heute jedoch stehen Modelle von Steinhütten in dem Beschleuniger. In der Kapsel der Zentrifuge erfährt das Modell nun die Kräfte, denen die biblischen Städte womöglich ausgeliefert waren. Zum einen wird die Erdbeschleunigung simuliert, zum Anderen das Model einem Erdbeben ausgesetzt. Schon nach kurzer Zeit drückt das Wasser an die Oberfläche und die Hütten versinken in dem Wasser-Sand-Gemisch.

Unbestätigte Vermutungen

Solche erstaunlichen Vorgänge konnte man auch schon bei anderen Erdbeben beobachten. Häuser versanken zum Teil im Erdboden, und 1995 in Kobe in Japan brachen in der Hafenregion Straßen metertief weg und verschoben sich seitlich. Die Erdschichten dort sind vom Aufbau denen in der Region am Toten Meer ähnlich. Welche Rückschlüsse lassen sich daraus ziehen?

Zerstörte Straße in Kobe.
Kobe Text5 Quelle: ZDF

Manche Wissenschaftler gehen heute von folgendem Untergangsszenario aus: Die Region um Sodom und Gomorrha wurde von einem mittleren Erdbeben heimgesucht. Feuer entstanden, doch dann drang Wasser an die Oberfläche und die beiden Städte rutschten in einer gewaltigen Schlammlawine ab. Alle Bauten wurden mitgerissen und die Gerölllawine bewegte sich in Richtung des Toten Meeres. Heute vermuten die Forscher die Ruinen von Sodom und Gomorrha deshalb im Toten Meer. Ob sie jemals gefunden werden und diese Rekonstruktion damit endgültig bestätigt werden kann, bleibt offen.

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