"Nicht tödliche" Waffen

Eine gefährliche Illusion

Im Alltag von Polizei und anderen Sicherheitsbehörden geht es oft darum, eine Person oder Gruppe schnell kampfunfähig zu machen oder zu vertreiben, ohne sie dabei zu verletzen oder gar zu töten. Was könnte sich dafür besser eignen als ein Griff zu sogenannten "nicht tödlichen" Waffen? Doch auch die sind nicht ohne Risiken.

Schussübung mit Elektroschockwaffe
Schussübung mit Elektroschockwaffe

Vor allem in den USA werden von Polizei und Militär immer öfter Waffen eingesetzt, die lediglich kampfunfähig machen sollen. In den Arsenalen finden sich Elektroschocker, Schallschleudern, Blendgranaten und leistungsstarke LED-Scheinwerfer. Doch es scheint bei der Anwendung auch auf die richtige Dosis anzukommen.

Schock mit hoher Spannung

Eine Extremsituation: Bei einem Überfall im September 2010 auf eine Tankstelle in der Pfalz will ein Täter mit einer Geisel flüchten. Er hält der Geisel ein Messer an die Kehle. Die Geisel ist in höchster Gefahr. Ein SEK-Beamter setzt eine neue Waffe ein. Der gezielte Schuss macht den Geiselnehmer sofort kampfunfähig. Dennoch wird der Täter nur leicht verletzt, denn der SEK-Beamte hat mit einer Stromwaffe geschossen, einem sogenannten Taser. Die in den USA entwickelte Elektroschockwaffe erzeugt einen Stromschlag von 50.000 Volt. Der Getroffene verliert jedoch nur kurzzeitig die Bewegungskontrolle.

Graphische Darstellung eines Treffers: Nadeln mit Widerhaken bohren sich durch Kleidung - der Stromkreis schließt sich.
Trick Treffer Text 4 Quelle: ZDF

Und so funktioniert sie: Zwei Nadeln mit Widerhaken, die per Draht mit der Waffe verbunden sind, bohren sich durch die Kleidung. Im Zellgewebe schließt sich der Stromkreis: Ein Blitz durchfährt den Körper und überlagert die Nervenimpulse. Durch dieses massive Störfeuer in den Nervenbahnen ist der Getroffene für mehrere Sekunden wie gelähmt. Was zurückbleibt, sind zwei Einstiche und die Erinnerung an einen schrecklichen Blitzschlag.

Gefährliche Nebenwirkungen

Aufsehen erregte ein Fall in Kanada, als ein orientierungsloser, verwirrter Mann mit mehreren Taserschüssen überwältigt wurde und noch vor Ort verstarb. Kritiker führen an, dass durch Taser in den USA bereits etwa 300 Menschen gestorben seien. Doch ob der Stromschlag tatsächlich jedes Mal Todesursache war, lässt sich medizinisch bisher nicht eindeutig nachweisen. In den USA gilt diese Waffe inzwischen nicht mehr als "non-lethal", also nicht tödlich, sondern als "less-lethal", als weniger tödlich. Dennoch sind dort bereits 200.000 Taser im Einsatz.

Schuss aus Schrotgewehr
Schrotgewehr Text 4

Werden Nutzen und Risiken abgewogen, ist der Einsatz der Elektroschockwaffe nicht immer nachvollziehbar. Schließlich sind die gesundheitlichen Folgen für Getroffene noch unklar. Der Einsatz von Tasern ist durch ihre Reichweite von maximal zehn Metern begrenzt, aber amerikanische Forscher haben bereits einen Nachfolger im Visier. Abgefeuert von einem Schrotgewehr, fliegt das Projektil samt Kontakten und Spannungsquelle 100 Meter weit. Höchste Zeit, dass die medizinische Forschung die Risiken der Schockwirkung aufklärt.

Harald Lesch mit einer Definition zum Begriff "Taser"

Die Mikrowellen-Kanone

Eine Mikrowellenkanone
eine Mikrowellenkanone Text 4 Quelle: Discovery


Haben es Ordnungshüter mit einer großen Menschenmenge zu tun, stehen sie dem Ansturm vielfach machtlos gegenüber. Oft sollen Wasserwerfer gewalttätige Demonstranten in Schach halten. Die Reichweite von 60 Metern, der begrenzte Winkel des Wasserstrahls und die maximale Einsatzdauer von elf Minuten begrenzen die Einsatzmöglichkeit. Die USA haben deshalb 50 Millionen Dollar in die Entwicklung einer Waffe investiert, die mehr leisten soll im Einsatz gegen große Menschenmengen: ein Mikrowellenstrahler.

Im Feldversuch mimen Soldaten eine Demonstrantengruppe. Das Gerät erzeugt die 40-fache Stärke einer Haushaltsmikrowelle. Die Strahlung reicht bis zu 500 Meter weit. Sie erwärmt die Haut und vermittelt ein Gefühl, als würde die Tür eines heißen Backofens geöffnet. Noch befindet sich diese Waffe im Test. Denn selbst wenn die Mikrowellen-Kanone "nicht tödlich" ist, ist sie dann auch "nicht gefährlich"? Bisher kann niemand ausschließen, dass Demonstranten erhebliche Verletzungen davontragen könnten.

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