Plünderer im Garten Eden

Die Zukunft der Erde

Wissen | Leschs Kosmos - Plünderer im Garten Eden

Harald Lesch spricht über die tragende Rolle des Menschen im Erdzeitalter Anthropozän.

Beitragslänge:
12 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.06.2018, 00:00

Seit höchstens 500.000 Jahren besiedeln Menschen die Erde, vor 12.000 Jahren begannen sie, sesshaft zu werden und Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Was uns heute als unberührte Natur erscheint, ist in Wirklichkeit das Produkt menschlicher Eingriffe. Wir haben das Antlitz unserer Erde geprägt und verändert wie keine andere Lebensform zuvor. Inzwischen kennen Forscher keinen Quadratkilometer auf unserem Planeten, an dem wir nicht unsere Spuren hinterlassen haben.

Unser Blick auf die Erde hat sich verändert – und damit unser Denken. Als die ersten Astronauten auf die Erde blickten, waren es die Schönheit des Blauen Planeten und die Verletzlichkeit seiner dünnen Atmosphäre, die sie in Bann schlugen. Nun verfolgt Harald Lesch die Spuren, die das Anthropozän – das Zeitalter des Menschen – schon jetzt hinterlassen hat. Und so mancher Eingriff zeigt unvorhergesehene, überraschende Folgen.

Der Raubzug des Menschen

Schaufelradbagger im Braunkohletagebau Schleenhain
Tagebau macht Landschaften als Nutz- oder Siedlungsgebiete unbrauchbar.

Vom Weltall aus betrachtet leuchtet der Planet nachts wie ein Weihnachtsbaum. Doch Wohlstand und Wachstum fordern ihren Preis. Was aus dem Weltall noch als bizarre Formen erscheint, erweist sich aus der Nähe betrachtet als riesige, vom Menschen der Erde zugefügte Wunden. Um Rohmaterial für Bauten und Produkte und die nötige Energie zu gewinnen, dringt der Mensch immer tiefer in die Oberfläche der Erde ein.

Gerade für die Gewinnung fossiler Energien wie Öl, Gas oder Kohle wird so viel Erdmaterial bewegt, dass man ganze Gebirge damit aufschütten könnte. Aber irgendwann holen uns die Folgen unseres Tuns ein, wie zum Beispiel die aufgegebenen Braunkohletagebauten in der Lausitz offenbaren: In den alten Bergwerken steigt das Grundwasser und spült Eisenoxid aus den Gruben in  Flüsse und Seen. Übrig bleibt eine verseuchte Landschaft, die als Nutz- oder Siedlungsfläche für den Menschen verloren ist.

Warum leben wir nicht in einer Eiszeit?

Trick Rückgang arktisches Eis
Verhindert das rapide Abschmelzen des arktischen Eis eine Eiszeit? Quelle: DLR

Eigentlich befinden wir uns gerade an der Schwelle zur Eiszeit, sagen manche Forscher. Es kann sogar sein, dass sie längst überfällig ist. Denn über einen Zeitraum von mehreren Zehntausend Jahren gab es regelmäßig Eiszeiten auf unserem Planeten. Aber es wird nicht kälter, sondern immer wärmer. Spielt der Mensch dabei eine  Rolle?

Wir verändern nicht nur das Antlitz der Erde, sondern greifen darüber hinaus auch in die erdzeitliche Klimarhythmik Eiszeit-Warmzeit ein. Die Ursache liegt in der Umwandlung von Urwald in Ackerbaufläche. Der Kohlenstoff, der im Holz der Bäume gebunden ist, wird bei der Brandrodung frei und verbindet sich mit dem Luftsauerstoff zu Kohlendioxid, dessen Gehalt in der Atmosphäre langsam zunimmt. Vielerorts hält nun kein kühlendes Blätterdach mehr die Strahlen der Sonne ab. Die Böden trocknen aus. Durch die Trocknung setzen die Äcker und Felder über die Jahrtausende immense Mengen an Klimagasen frei – Methan und Kohlendioxid. Das moderne Pflügen, Eggen und Säen beschleunigt diesen Effekt. Immer größere Mengen an CO2 und Methan entweichen in die Atmosphäre. Dort entfalten sie ihre Wirkung als Treibhausgas.

Unsichtbare Passagiere der Erdatmosphäre

Klimaforscher auf der Zugspitze
Messungen auf der Zugspitze liefern Forschern wichtige Hinweise.

Für den Menschen ist und war die Erdatmosphäre immer verfügbar, eine schier  unermessliche Ressource. Doch diese gasförmige Hülle ist in Gefahr. Was für Probleme auf uns zukommen, welchen Konsequenzen wir uns gegenübersehen, ermitteln Klimaforscher auf dem höchsten Punkt Deutschlands, der Zugspitze. Sie registrieren Klimagase aus fernsten Ländern und in völlig neuer Zusammensetzung. Zwischen Meereshöhe und dem Gipfel in 3.000 Metern Höhe spielt sich das gesamte Leben auf der Erdoberfläche ab. Und in dieser schmalen Schicht führt der Mensch gerade einen ungeheuren Selbstversuch durch: Jeder von uns macht bei diesem Versuch mit – ob er will oder nicht. Denn die Atmosphäre kennt keine Grenzen. Alles kann überallhin gelangen.

Im Winter ist die Messstation auf der Zugspitze fünf Monate lang ein idealer Beobachtungsort. Durch die Kälte sinken häufig auftretende Trennschichten der Atmosphäre unter die Gipfelgrenze und halten die Verunreinigungen der Täler fern. Bei seinen Messungen auf der Zugspitze finden Wissenschaftler neben den typischen Klimagasen CO2, Methan und Lachgas Erstaunliches, etwas, das man hier oben eigentlich nicht erwarten würde: Aerosole, Rußpartikel, aus Nordamerika, radioaktives Cäsium von einer Müllkippe in Spanien, Ozon aus Asien - und es kommen immer mehr Stoffe hinzu, die bis vor Kurzem noch nicht in der Atmosphäre waren.

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