Pulverfass Island

Der Eyjafjallajökull ist kein Einzelgänger

Bei dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull im April 2010 schossen gigantische Aschewolken mehrere Tausend Meter hoch in die Luft. Der Flugverkehr über Europa kam zum Erliegen. Ein Blick zum Himmel erschloss dem Betrachter abseits von Island keineswegs die Gründe für die weitreichenden Sicherheitsmaßnahmen. Warum musste der Flugverkehr in ganz Europa eingestellt werden? Und werden wir in nächster Zukunft noch öfter mit solchen mobilen Katastrophen konfrontiert?

Der Eyjafjallajökull ist kein Einzelgänger. Mehr als 30 Vulkane sind auf Island zu finden. Die Insel liegt über einer riesigen Magmasäule, die 100 Kilometer breit und 600 Kilometer tief ist. Kleinere Ausbrüche sind hier häufig. Sie bringen die Isländer aber nur selten aus der Ruhe.

Wie ein Vulkan eine Revolution auslöst

Ein Vulkan auf Island, der heute anscheinend friedliche Laki, hat schon einmal die Welt verändert. Er soll nämlich die französische Revolution ausgelöst haben: Im Jahr 1783, also sechs Jahre vor dem Sturm auf die Bastille, brach der Laki aus. Der Ausbruch forderte nicht nur in Island viele Opfer, sondern auch im weit entfernten Frankreich.

Denn bei der Eruption gelangte mit der Asche Schwefeldioxid hoch in die Atmosphäre. Das Gas verbindet sich mit Wasser zu einem Schleier aus Schwefelsäure, der das Sonnenlicht abschirmt. Die Wolke zog auch über Frankreich und verdunkelte das Land. Missernten und Hungersnot waren die Folge, Unruhen und Aufbegehren der Bevölkerung die Konsequenz. Das war der Nährboden für die französische Revolution.

Wie Asche Triebwerke lahmlegt


Der Ausbruch des Eyjafjallajökull im Jahr 2010 wird auch Geschichte schreiben. Seine Aschewolke enthielt zwar vergleichsweise wenig Schwefel, und nur in Island verdunkelte sich die Sonne, doch die Welt stand für kurze Zeit still. Das Risiko für den Flugverkehr galt als zu hoch. Der Grund für die Risikobewertung liegt knapp 30 Jahre zurück: Damals flog eine Passagiermaschine über Indonesien durch eine Aschewolke. Die Triebwerke fielen nacheinander aus. Alle Versuche, die Maschinen wieder zum Laufen zu bringen, scheiterten. Im Gleitflug segelte das Flugzeug einer Katastrophe entgegen. Nur zehn Minuten vor der sicher geglaubten Bruchlandung geschah ein Wunder. Die Triebwerke sprangen wieder an, und die Notlandung gelang.

Inzwischen haben Forscher die Ursache für das Wunder aufgeklärt. Die feinen Aschepartikel schmelzen in der Gluthitze der Triebwerke. Wie Glas legen sie sich auf die Turbinen. Die Maschinen stoppen. Wenn die Hitze nachlässt und das Flugzeug in saubere Luftschichten hinabgleitet, kann sich der Film wieder lösen. Der kalte Luftstrom bläst die Ascheschicht von den Turbinen und die Triebwerke springen wieder an.

Tickende Zeitbombe

Noch wissen die Ingenieure nicht, wie sich dieser Prozess sicher kontrollieren lässt. So bleiben nur Vorsicht und eine genaue Überwachung der Atmosphäre. Denn der nächste Ausbruch kommt bestimmt und niemand weiß, mit welchen Folgen dann zu rechnen ist.


In unmittelbarer Nachbarschaft zum Eyjafjallajökull liegt ein weiterer Vulkan - die Katla. In der Vergangenheit sind beide häufig kurz nacheinander ausgebrochen. Bislang ist die Katla ruhig, doch eine Entwarnung kann es nicht geben. Wir wissen noch viel zu wenig über die Natur der Vulkane, sie bleiben unberechenbar.

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