Radioaktivität im Ozean

Wird die japanische Katastrophe zum globalen Problem?

Am 11. März 2011 gelangt in Fukushima durch Explosionen Radioaktivität in die Luft und ins Meer. Um noch Schlimmeres zu verhindern, muss der Betreiber Tepco die beschädigten Reaktoren kühlen. Dabei wird das Wasser radioaktiv verseucht. In der Anlage haben sich schon weit über 100.000 Tonnen verseuchtes Wasser angesammelt, das entspricht etwa 40 Schwimmbecken. Die Rückhaltekapazitäten werden knapp. Steht uns die nächste Katastrophe bevor?

Ein Thunfischschwarm
Ein Thunfischschwarm Quelle: ,dpa

Eine Wasseraufbereitungsanlage soll Abhilfe schaffen. Darin liegen derzeit 13.000 Tonnen Wasser, 91.000 Tonnen sind in den Reaktoren eins bis vier. Funktioniert die Reinigung nicht, kommen täglich 380 Tonnen neues Kühlwasser hinzu. Dann droht die Anlage überzulaufen und das verseuchte Wasser ins Meer zu fließen. Wird die Radioaktivität dadurch zum globalen Problem?

Möglicher Weg in die Nahrungskette

Tepco ließ bereits rund 10.000 Tonnen belastetes Wasser ins Meer ab. Durch ein Leck strömte noch mehr Radioaktivität aus. Nun hat man selbst Plutonium und Strontium vor Fukushima im Meeresboden gemessen. In Tang fanden sich erhöhte Mengen an radioaktivem Jod-131. Mit einer Halbwertszeit von acht Tagen zerfällt es vergleichsweise rasch. Kombu-Tang dient den Japanern als Lebensmittel. Glücklicherweise stammt über 90 Prozent der Ernte aus Hokkaido, weit entfernt von Fukushima. Bislang ist dort noch keine erhöhte radioaktive Belastung in Tang aufgetreten.

Experten dagegen gehen davon aus, dass sich in Plankton bereits radioaktives Cäsium-137 angereichert hat. Plankton ist Nahrung für Fische und Krebse, die wiederum Beute von Raubfischen sind, zum Beispiel von Thunfischen. Cäsium wird anstelle von Kalium in Zellen eingebaut. Das Cäsium-Isotop hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren. Es könnte sich langfristig im Thunfisch anreichern, befürchten Fachleute. Könnten auf diesem Weg strahlende Substanzen von Fukushima auch auf unseren Tellern landen?

Ist Thunfisch bald verstrahlt?

Für die radioaktive Belastung von Fischen gelten Grenzwerte. Werden diese überschritten, ist der Fang wertlos - der GAU für Japans Fischereiindustrie. Thunfischfleisch ist hier sehr beliebt und die Nachfrage so groß, dass das Land sogar Fische aus dem Mittelmeer importiert. Da Thunfisch in großen Mengen verzehrt wird, ist es besonders wichtig, das Fleisch auf Radioaktivität zu kontrollieren. Bislang hat man jedoch keine bedenklichen Werte gemessen.

Thunfischmarkt
Thunfischmarkt Text 1

Die maximale Belastung von Thunfischen vor der japanischen Küste erwarten Forscher bis zum Herbst. Cäsium-137 hat zwar eine Halbwertszeit von 30 Jahren, doch Fische scheiden es innerhalb einiger Wochen wieder aus. Allerdings ist die Sorge groß, dass sich radioaktives Cäsium, Strontium und Plutonium im Meeresboden vor Fukushima ablagern und dort dauerhaft das Ökosystem belasten.

Strömungswege von Japan nach Europa

Und wie steht es um den Alaska-Seelachs, den Lieblingsfisch der Deutschen? Sein Marktanteil liegt hierzulande bei 20 Prozent. Schließlich ist er der Fisch, aus dem Fischstäbchen gemacht werden. Seelachs wird im Nordpazifik gefangen. Das Fanggebiet liegt in der Beringstraße, nördlich von Fukushima. Die ausgetretenen radioaktiven Substanzen werden von Meeresströmungen aber nach Osten auf den offenen Pazifik gespült. Dort verdünnen sie sich stark.

Doch was einmal in den Ozean gelangt, das gibt er so schnell nicht wieder her. Und so können strahlende Stoffe aus Japan auch nach Europa gelangen. Von Fukushima aus werden die Substanzen vermutlich in das weltumspannende System aus Meeresströmungen gespült. Angetrieben von Wind und Temperaturunterschieden transportieren die Strömungen ihre Fracht in den Indischen Ozean, vorbei an der Südspitze Afrikas in den Südatlantik, weiter in die Karibik - und schließlich in Richtung Europa.

Die Zehn-Jahres-Reise

Vermutlich werden die Substanzen dafür Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte brauchen. Dann werden sie so stark verdünnt sein, dass sie zwar mit hochsensiblöen Messgeräten noch messbar sind, für die Gesundheit keine Gefahr mehr darstellen. Doch Wissenschaftler glauben, dass Radioaktivität von Fukushima noch einen anderen, schnelleren Weg nach Europa nimmt: Meeresströmungen, die zunächst auch Richtung Osten führen.

Vor der amerikanischen Küste aber biegt ein Teil nach Norden ab, über die Beringstraße durch die Arktis, Richtung Island. Auf diesem Weg dauert es vermutlich nur zehn Jahre, bis das Wasser mit seiner extrem verdünnten Fracht Europa erreicht. Doch selbst in der Katastrophe liegt auch eine Chance: Meeresforscher können mit hochsempfindlichen Messgeräten den Weg der radioaktiven Elemente verfolgen und neue Erkenntnisse über noch rätselhafte Meeresströmungen gewinnen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet