Regenerative Energien

Ohne Atomkraft droht kein Blackout

Kommt es zu Engpässen in der Stromversorgung, wenn wir auf Atomkraft verzichten? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, und auch das Leitungsnetz bedarf der Erneuerung. Doch Experten rechnen mit starkem Wachstum von erneuerbaren Energien.

Ein spontaner Ausstieg aus der Kernkraft ist wohl nur mit einer vorübergehenden Rückkehr zur Kohle zu verwirklichen. Aber ein geregelter Ausstieg aus der Atomkraft durch sukzessives Abschalten alter AKWs erfordert nach Ansicht des Sachverständigenrats (SRU) für Umweltfragen keine neuen Kohlekraftwerke. Die Experten sind sich einig, dass Deutschland genug Kohle- und Gaskraftwerke besitzt, um bis zur vollständigen Umstellung auf erneuerbare Energie den nötigen Strom zu liefern. Für künftige Generationen muss der Strom aus Kernkraft und fossilen Brennstoffen also keine Rolle mehr spielen.

Wind- und Sonnenenergie

Um schneller einen Wechsel zu umweltfreundlicher Energie zu verwirklichen, müssten größere Windkraftwerke gebaut werden. Schon jetzt liefert Windkraft gut sechs Prozent des deutschen Stroms. Diese Energieform ist derzeit am erfolgversprechendsten, weit entwickelt und technisch beherrschbar. Doch die Akzeptanz von Windfarmen auf Land stößt an ihre Grenzen, das Limit des Ausbaus ist abzusehen. Die Lösung sind Offshore-Windparks vor unseren Küsten. Der Sachverständigenrat sieht hier das größte Wachstumspotenzial, auch wenn die Kosten für Bau und Wartung hoch sind.


Auch die Solarenergie spielt in der Energieproduktion eine große Rolle. Photovoltaikanlagen haben inzwischen viele Hausdächer erobert. Aber taugen sie auch zu Großkraftwerken? Weil Solarzellen viel Platz brauchen, ist das nur in dünn besiedelten Gebieten machbar. Der Wirkungsgrad der Solarzellen kann durch neue Technologien gesteigert werden. Dringend benötigen wir neue Speichertechnologien, weil Wind und Sonne nicht ständig Strom liefern.

Neue Technologiestandorte

Riskante Kraftwerke können so möglichst schnell vom Netz. Die Pläne gehen weit über Europa hinaus. Auch Wüsten könnte zum Technologiestandort werden. In diesen Regionen spielt die so genannte solarthermische Energiegewinnung eine wichtige Rolle.

Hohlspiegel bündeln die Sonnenstrahlen und erhitzen eine Spezialflüssigkeit auf fast 400 Grad Celsius und Dampfturbinen erzeugen Strom. Diese Technik nutzt die Sonne sehr effektiv und bietet die Möglichkeit, Energie vor Ort zwischenzuspeichern. Die Verteilung des Stroms aus Wind, Sonne und Wasser muss dabei noch stärker als bisher über Landesgrenzen hinweg organisiert werden.

Wasserkraft und Energiespeicherung

Vor allem die Alpenländer und Skandinavien könnten die älteste Form der erneuerbaren Energien beleben: die Wasserkraft. Aber Stauseen für Elektrizität in großem Maßstab sind nur in Gebirgsregionen machbar. Deutschland hat hier wenig Potenzial. Trotzdem leisten Stauseen auch bei uns einen wichtigen Beitrag: als Pumpspeicherkraftwerk, weil sie zu Spitzenzeiten schnell Strom liefern können.


Besteht ein Überangebot an Strom, zum Beispiel nachts, wird das Wasser zurück auf den Berg gepumpt. Es ist die einfachste Form, Energie zu speichern. Man könnte aber auch Kompressoren einsetzen und die Energie in Form von Druckluft in unterirdischen Kavernen speichern. Neben der Erforschung neuer Energiespeicher muss unser Stromnetz erneuert werden. Nur so lässt sich ein Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage herstellen.

Werden all diese Maßnahmen tatsächlich umgesetzt, könnte laut SRU bis zum Jahr 2050 der vollständige Umstieg auf regenerative Energie gelingen. Anders als viele Politiker betrachten die Experten nicht die Kernenergie als "Brückentechnologie", sondern vielmehr eine konsequente Effizienzsteigerung. Sprich, je weniger Strom wir verschwenden, desto schneller kommen wir weg vom Atomstrom.

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