Schönheit in der Tierwelt

Das Handicap-Prinzip

Im Tierreich geben meist die Männchen das schöne Geschlecht. Um auf die Weibchen unwiderstehlich zu wirken, leisten sich männliche Tiere manche Extravaganz. Die scheinbar nutzlose Riesenschere der Winkerkrabbenmännchen, das kiloschwere Geweih der Hirsche oder der mächtige Federschweif eines Pfaus beeindrucken zwar die Weibchen, machen die Männchen aber gleichzeitig zu leichterer Beute für ihre Feinde.

Darwinfinke
Darwinfinke sitzt auf einem Landleguan der Galapagos-Inseln und pickt Parasiten. Quelle: Telcast

Charles Darwin bereiteten solche hinderlichen Anhängsel Kopfzerbrechen. Sie schienen seiner Theorie vom Überleben der am besten Angepassten zu widersprechen. Wie konnten solche Extravaganzen entstehen? Wichtige Erkenntnisse für seine Theorie sammelte Darwin auf seiner Weltreise mit dem Vermessungsschiff Beagle.

Optimale Anpassung

Charles Darwin Quelle: dpa


Auf den Galapagos-Inseln begegnete Darwin Tieren, wie zum Beispiel den Elefantenschildkröten, die auf verschiedenen Inseln unterschiedliche Panzer trugen. Darwin entdeckte, dass eingewanderte Spezies sich allmählich verändern, sich an die besonderen Gegebenheiten anpassen und schließlich neue Arten bilden.


Das Paradebeispiel für Anpassung sind die Darwinfinken. Manche Spezies picken Parasiten von Landleguanen. Andere ernähren sich von Samen. Darwin fand heraus, dass die jeweilige Schnabelform optimal war, um an die spezifische Nahrungsquelle heranzukommen. Die Finken hatten verschiedene Nischen erobert und sich bestens an die Erfordernisse angepasst. Gute Voraussetzungen, um sich erfolgreich fortzupflanzen.

Tricks der Darwinfinken

Aus wenigen Pionieren, die einst vom Festland kamen, entwickelten sich 14 Arten. Wurde die Nahrung knapp, eroberten einige Tiere neuen Lebensraum auf einer Nachbarinsel. Manche der Eilande sind sehr karg. Was es in dieser neuen Heimat jedoch in großer Zahl gab, waren Tölpel. Und Darwinfinken lernten, ungewöhnliche Nahrungsquellen zu nutzen. Manchmal rollt ein Ei aus dem Nest. Es wäre ein üppiger Leckerbissen für eine ganze Finkensippschaft. Aber ihre Schnäbel sind nicht stark genug, um die Schale zu knacken. Einige Finken auf der Insel nutzten einen erstaunlichen Trick: Sie rollten das Ei bis es zerbrach. Andere übernahmen die Erfolgsstrategie. So entwickelten die Vögel eine neue Eigenschaft und eroberten auch das karge Eiland.

Die Finken lernten, die Tölpel auch noch auf andere Weise zu nutzen. Sie begannen Blut aus Wunden zu trinken. Inzwischen picken sie die Tiere sogar gezielt an. Die Schnäbel der Finken sind bereits länger geworden, vermutlich durch die neue Ernährungsgewohnheit. Diese Darwinfinken sind auf dem besten Weg, eine neue Art zu entwickeln.

Sexuelle Selektion

Ein Paradiesvogel
Paradiesvogel, Text 4 Quelle: reuters


Die am besten an ihre Umwelt angepassten Tiere vermehren sich besonders erfolgreich, so Darwins Theorie. Doch Darwin stieß auf Arten, die scheinbar alles andere als gut angepasst waren. Wie die Männchen der Paradiesvögel. Sie betreiben einen enormen Aufwand, um aufzufallen: markante Färbung, fein abgestimmte Balztänze, alles nur, um Weibchen zu beeindrucken. Lohnt der Einsatz? Oder ist es eine "Schönheitsfalle", die irgendwann zuschnappt, weil zu viel Energie verschwendet wird?


Darwin selbst ersann ein Prinzip, um den scheinbaren Widerspruch zu seiner Evolutionstheorie zu lösen: Um besonders viele Nachkommen zu haben, muss ein Tier nicht nur gut an die Umwelt angepasst sein, sondern auch Partner gewinnen können. Und Weibchen reagieren auf männliche Extravaganzen. Das auffällige Gefieder der Paradiesvogelmännchen dient somit nur einem Zweck: der Werbung. Dass es gleichzeitig Feinde anlockt, wiegt offensichtlich weniger schwer. Neben der natürlichen Auslese wirkt also noch eine zweite formende Kraft: die sexuelle Selektion. Die schöneren, auffälligeren Männchen haben offensichtlich die besseren Karten.

Schönheit siegt

Ein extremes Beispiel männlicher Extravaganz entdeckten Forscher in Afrika. Der Hahnenschweifwida. Seine Schwanzfedern sind einen halben Meter lang und stören sichtlich beim Fliegen. Kann es sein, dass er die Last nur deshalb mit sich herumschleppt, weil es den Weibchen gefällt? Schwedische Forscher gingen dem Verdacht in einem ungewöhnlichen Experiment nach: Dabei rückten sie Männchen mit Schere und Klebstoff zuleibe. Bei einigen kürzten sie den Schwanz, bei anderen verlängerten sie ihn.

Darstellung Experiment: Hahnenschweifwida mit langen und kurzen Federn.
Hahnenschweifwida, Text 4 Quelle: ZDF

Hat ein Weibchen ein Männchen erwählt, paart es sich mit ihm und legt seine Eier in dessen Territorium. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Männchen mit verlängerten Schwanzfedern hatten fünfmal mehr Gelege in ihrem Territorium als diejenigen mit den gekürzten Federn. Warum bevorzugen Weibchen lange Schwanzfedern? Eine Erklärung liefert das sogenannte "Handicap-Prinzip". Demnach muss ein Männchen besonders fit sein, um sich eine solche "Behinderung" leisten zu können. Die Anhängsel wären also ein Zeichen für gute Gene. Und die kommen auch dem Nachwuchs zugute.

Nutzen des scheinbar Sinnlosen

Ein Löwenmännchen mit mächtiger Mähne.
Löwe Text 4 Schönheit Quelle: Getty


So bekommt auch die Zierde des Königs der Savanne, des Löwen, die prächtige, aber unsinnig wärmende Mähne, einen Sinn. Auch sie spielt bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle. Löwinnen in der Serengeti bevorzugen Partner mit dunklen Mähnen, das fanden Wissenschaftler heraus.


Löwen spielen bei der Aufzucht der Jungen eine wichtige Rolle. Sie beschützen den Nachwuchs, bewahren ihn davor, von Rivalen getötet zu werden. Je höher der Testosteron-Spiegel eines Löwen, desto dunkler die Mähne. Und: desto aggressiver das Tier. Dunkle Mähne signalisiert den Weibchen: Der Löwe kann Partner und Jungtiere besonders erfolgreich verteidigen. Dass die Mähne in der sengenden Sonne wärmt wie ein Pelzkragen, ist der Preis für erfolgreiches Werben und zahlreiche Nachkommen.

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