Schönheit in der Tierzucht

Hunde für jeden Geschmack

Des Menschen bester Freund hat eine lange Züchtungsgeschichte. Seit mehr als 100 Jahren steht bei der Zuchtwahl überwiegend das Aussehen im Mittelpunkt. Über 300 verschiedene Hunderassen gibt es inzwischen, die klaren Vorstellungen unterliegen, wie eine bestimmte Rasse auszusehen hat, was als schön gilt. Typische Merkmale sind in einem Rassestandard aufgeführt, an dem sich Züchter orientieren.

Kavalier King Charles Spaniel
Kavalier King Charles Spaniel Quelle: ZDF

Manche Rassen lassen erkennen, dass das "Kindchenschema" Pate stand: Runder Kopf und kurze Schnauze wirken niedlich. Der "Cavalier King Charles Spaniel" wird beispielsweise auf diese Merkmale hin gezüchtet. Doch es kann Nebenwirkungen geben: In der Rasse tritt die sogenannte Syringomyelie, eine Erkrankung des Rückenmarkskanal, gehäuft auf.

Züchtung mit Nebenwirkung

Betroffene Hunde können deutliche neurologische Störungen zeigen. Die wahrscheinliche Ursache dafür: Ein Teil des Schädels ist zu klein. In schweren Fällen versuchen Tiermediziner durch eine riskante Operation dem Gehirn mehr Platz zu verschaffen. Forscher vermuten, dass die Auswahl von Tieren mit kurzen, kleinen Schädeln bei der Zucht die Verbreitung der Syringomyelie in der Rasse begünstigt hat.

Bei der englischen Bulldogge wird auf eine kurze Schnauze und einen breiten Kiefer Wert gelegt. Dies hatte ursprünglich den Zweck, dass der Hund, der einst als Kampfhund eingesetzt wurde, sich in die Nase eines Bullen verbeißen konnte und dennoch Luft bekam. Die Schädelform hat sich durch die Zuchtwahl verändert. Ein großer, runder Kopf beim Nachwuchs und ein zu schmales Becken beim Weibchen erschweren nicht selten die Geburt. Die Jungen müssen dann per Kaiserschnitt entbunden werden.

Ein Lebewesen als Accessoire

Chihuahua
Chihuahua, Text 5 Schönheit Quelle: ,ZDF


Ein anderes Problem taucht beim Chihuahua auf. Bei diesem Hund, der auf Zwergwuchs gezüchtet wurde, treten gehäuft Fehler im Schädeldach auf. Es ist hauchdünn und die Fontanellen bleiben mitunter offen. Die Verletzungsgefahr ist hoch. Beim Deutschen Schäferhund ist ein Zuchtziel heftig umstritten: die abfallende Rückenlinie. Aus Arbeitshunden, wie den Hütehunden, wurden Hunderassen gezüchtet, die sich im Aussehen deutlich von ihren Verwandten unterscheiden. Auf Zuchtschauen wurden Tiere präsentiert und prämiert, die die veränderte Rückenlinie deutlich ausgeprägt zeigten. Ob dies als Schönheitsmerkmal gelten kann, bleibt Geschmacksache.

Problematische Nebenerscheinungen treten auch bei der Züchtung von Chinesischen Nackthunden auf. Ihre Haut ist sehr empfindlich, die Tiere neigen zu Sonnenbrand, Allergien und Verletzungen. ein Hund, den nur wenige Menschen schön finden, geeignet um den extravaganten Geschmack seines Besitzers zu demonstrieren.

Tierschutz contra Qualzucht

Nacktkatzen dagegen waren schon im Altertum bekannt. Sie entstanden durch eine spontane Erbgutveränderung. Sphinxkatzen sind jedoch eine junge Modeerscheinung. Sie werden auf Haarlosigkeit gezüchtet. Bei manchen Exemplaren fehlen sogar die Tasthaare, ein wichtiges Sinnesorgan zur Orientierung. Im Gutachten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zur Auslegung von § 11 b des Tierschutzgesetzes, wird ein Zuchtverbot für Katzen empfohlen, bei denen die Tasthaare fehlen.

Bei Hunden haben Züchtungen eine kaum überschaubare Vielfalt an Formen und Größen hervorgebracht: Für jeden Geschmack scheint es das passende Angebot zu geben. Mit ihrem Vorfahren, dem Wolf, haben die meisten Hunderassen kaum mehr etwas gemein.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet