"Schwein gehabt"

Wenn ein Virus auf Weltreise geht

Die Schweinegrippe löste in den vergangenen Monaten Angst und Schrecken aus. Sie forderte weltweit über 14.000 Todesfälle in 121 Ländern und ein Vielfaches davon an Infizierten. Noch vor wenigen Wochen hieß es, wir müssten uns in diesem Winter für eine weitere Schweinegrippewelle wappnen. Inzwischen ist es still geworden um die Grippe. Hat sich das Virus "in Luft aufgelöst", war die Aufregung und die Sorge um den Impfstoff überflüssig?

Notfallpatient wird in Krankenhaus eingeliefert. Quelle: ZDF

Das erste Opfer der Schweinegrippe, auch "Neue Grippe" genannt, ist ein Junge aus Mexiko. Dann geht alles rasend schnell: Das Virus lässt Millionen Menschen rund um den Globus fiebern. Mundschutz und Desinfektionsmittel können es nicht stoppen. An Flughäfen sollen Fiebermessungen potenzielle Virenträger entlarven und so den Krankheitserregern die Einreise verweigern. In einigen Ländern geht es den mutmaßlichen Verursachern rigoros an den Kragen. Man will die Brutstätten komplett ausräuchern.

Die Spanische Grippe

Forscher Spanische Grippe Text 2 Quelle: Marathon


Der Erreger der Schweinegrippe erinnert Forscher an einen "alten Bekannten": Seit vielen Jahren schon sind sie einem Killervirus auf der Spur. Und sie haben allen Grund, es nicht zu unterschätzen: Es ist der Auslöser der spanischen Grippe, der "Influenza 1918". In jenem Jahr nahm in USA die mysteriöse Krankheit ihren schrecklichen Anfang. Völlig unerwartet und mit erschreckender Geschwindigkeit streckt ein unheimlicher Killer die Menschen nieder. Die Patienten leiden meist an Kopfschmerz, Husten und hohem Fieber. Infizierte sterben binnen weniger Tage.

Währenddessen tobt der Erste Weltkrieg, und der tödliche Krankheiterreger reist mit den Soldaten. Aufzeichnungen belegen, dass dies der Beginn einer Pandemie ist. Ärzte versuchen verzweifelt, den noch unbekannten Feind zu identifizieren. In der Not werden Arzneien gebraut und eine Art Impfstoff entwickelt. Doch nichts kann die Ausbreitung des Killers stoppen. Schätzungsweise 50 Millionen Menschen sterben an der Spanischen Grippe.

Suche nach Gemeinsamkeiten

Seither fürchten Experten das Auftreten eines ähnlich gefährlichen Virus. Mit der Neuen Grippe schienen sich ihre Befürchtungen zu bewahrheiten. Denn kurz nach dem ersten Fall meldet Mexiko bald schon 60 Tote. Drastische Schutzmaßnahmen legen das öffentliche Leben lahm. Selbst Fußballspiele finden nun unter Ausschluss von Zuschauern statt. Und doch lässt sich das Virus nicht aufhalten. Die Mobilität der modernen Welt beschleunigt die Verbreitung.

Männer in Schutzanzügen Text 2

Schließlich ruft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Juni 2009 die Grippe-Pandemie aus. Es ist die höchste Warnstufe. Was haben nun das "1918-Virus" und das "Neue-Grippe-Virus" tatsächlich gemeinsam? Diese Frage interessiert die Forscher brennend. Sie vergleichen die Erbinformationen und finden Übereinstimmungen, aber auch entscheidende Unterschiede.

Vorteil für Ältere

Beide Virustypen nutzen den gleichen Schlüssel als Zugang zu unseren Zellen. Die Umprogrammierung der Zelle und die Vermehrung der Eindringlinge verlaufen prinzipiell gleich. Der Erreger der Neuen, der Schweinegrippe, ist aber zum Glück deutlich weniger aggressiv. Aber es gibt noch eine Parallele zur Spanischen Grippe: Kleine Kinder und 20- bis 45-Jährige erkranken oft schwerer als ältere Menschen. Man vermutet, dass dies die Folge einer gewissen Immunität älterer Menschen gegen verwandte Erreger sein könnte.

Noch heute gibt es zahlreiche schwere Krankheitsfälle in Deutschland. Der Alarm war also gerechtfertigt und keine unbegründete Angstmacherei. Es gibt nach wie vor genügend Gründe zur Vorsicht. Schließlich ist ein Virus, das sich einmal auf den Weg durch die Welt gemacht hat, kaum zu stoppen. "Schwein gehabt", das die Virusvariante vergleichsweise harmlos war.

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