Siegeszug der Elektrifizierung

Vom Amüsement zur totalen Abhängigkeit

Elektrizität ist unsichtbar, man kann sie nicht riechen und nur unter bestimmten Bedingungen fühlen. Das alles hat die Erforschung des "fünfen Elements" nicht gerade begünstigt. Heute kann man sich ein Leben ohne Elektrizität nicht mehr vorstellen. Ohne Strom würde das gesamte wirtschaftliche und kulturelle Leben zum Erliegen kommen. Was noch vor gut 200 Jahren für die meisten als mystisches Phänomen galt, ist zum "Lebenselexier" in allen Lebensbereichen geworden.

Schaltplan: Stromnetz Großbritanien Quelle: Lion TV

Zunächst diente der elektrische Strom zur Belustigung der besseren Gesellschaft. Elektrisiermaschinen baute man bereits ende des 17. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert zogen sogenannte Elektrisierer damit durchs Land und ließen Papierschnipsel wie von Zauberhand schweben. Das Phänomen Elektrizität faszinierte und ängstigte zugleich.

Strom als kostbares Gut

Den Luxus elektrischer Laternen leisteten sich zunächst nur Reiche. Um 1880 ließ die Berliner Gesellschaft Ballsäle mit ihnen beleuchten. Draußen trieb eine Dampfmaschine einen Generator an. Er erzeugte den Strom für die Lampen unmittelbar an Ort und Stelle.

Ende des 19. Jahrhunderts war es Thomas Alva Edison, der das ambitionierte Ziel verfolgte, die ganze Welt zu elektrifizieren. Der amerikanische Erfinder entwickelte die ersten praxistauglichen Glühbirnen. Es begann der Siegeszug der Elektrifizierung.

Blackout - Wenn der Strom ausfällt

Inzwischen ist Strom nicht mehr wegzudenken aus unserem Leben. Nicht nur, dass elektrisches Licht in Städten wie Las Vegas die Nacht zum Tag macht. Es ist eine Abhängigkeit entstanden, die offensichtlich wird, wenn der Strom einmal ausfällt. Im Jahr 2003 legte ein Stromausfall ganz Italien lahm. Der Grund dafür liegt daran, dass Italien rund ein Drittel seines Strombedarfs importiert. Weil im Transitland Schweiz eine Hochspannungsleitung beschädigt war, kam es zum Totalausfall: 50 Millionen Italiener waren für zehn Stunden ohne Strom.

Blackout Italien Text 3 Quelle: ZDF

Auch Deutschland ist vor einem Stromausfall nicht gefeit. Als im Winter 2005 heftige Schneestürme über das Münsterland wehten, knickten Dutzende Strommasten unter der Last von Eis und Schnee ab. 250.000 Menschen mussten Stunden, manche sogar Tage ohne Strom auskommen. Im November 2006 gab es einen weiteren Blackout: Als das Kreuzfahrtschiff "Norwegian Pearl" über die Ems von Papenburg nach Eemshaven in den Niederlanden überführt werden sollte, musste aus Sicherheitsgründen eine Höchstspannungsleitung abgeschaltet werden. Weitere Leitungen schalteten in der Folge wegen Überlastung ab - eine Kettenreaktion. Europaweit waren 10 Millionen Menschen eine halbe Stunde lang ohne Strom.

Regler auf zur Tea Time

Auf Großbritanniens Stromnetz kommt fast täglich eine Spitzenbelastung zu, die europaweit einzigartig ist. Für den Ingenieur in der Leitzentrale bedeutet das eine enorme Herausforderung. Er versucht die Stromfrequenz allen Verbrauchsschwankungen zum Trotz immer möglichst genau bei 50 Hertz zu halten. Ausreißer muss er sofort ausgleichen, sonst droht ein Stromausfall.

Schaltzentrale Texdt 3 Quelle: Lion TV

Einer der kritischsten Momente ist hierzulande kaum nachvollziehbar: Sobald die beliebte Serie EastEnders der BBC zu Ende geht, schießt der Strombedarf in die Höhe. Denn dann heißt es in England "It's Tea Time". Rund eine Millionen Wasserkocher sorgen für einen einzigartigen sprunghaften Anstieg des Strombedarfs.

Hilfe per Knopfdruck

Innerhalb von nur fünf Minuten müssen drei Gigawatt zusätzlich bereitgestellt werden. Der Ingenieur holt Strom aus Frankreich ins Netz und schaltet zusätzlich Kraftwerke zu, die eigens für diesen Moment auf Stand-by waren.


Es sind Wasserkraftwerke in Wales und Schottland, die mithilfe Tausender Tonnen Wasser auf Knopfdruck Strom produzieren. Damit lässt sich die Frequenz im Netz stabilisieren. Eine Million Wasserkessel kochen weiter. Und für die Verbraucher kommt der Strom wie gewohnt aus der Steckdose.

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