Star Wars im 21. Jahrhundert

Die Rückkehr der Atombombe

In der besten aller Welten wären alle daran interessiert, den neuen Irrsinn atomarer Bewaffnung  zu verhindern, in dem sie selbst auf die Atombombe verzichteten. Doch leider wird das so schnell wohl nicht passieren. Deshalb ist es notwendig, sich vor der neuen Bedrohung zu schützen.

Irans Mittelstreckenraketen reichen bereits heute bis Europa. Seit Jahren versuchen die Amerikaner, einen Schutzschild gegen nukleare Raketenangriffe aufzubauen. Doch wie lässt sich eine Rakete abwehren, die für ein Bodenradar so schwer zu orten ist wie eine Heuschrecke und die auch noch mit 20-facher Schallgeschwindigkeit fliegt?

Raketenabwehrsysteme auf dem Prüfstand

Raketenabwehrstation
Abwehrraketen der USA

Seit es die Bedrohung durch Raketen gibt, versucht man, sie mit anderen Raketen abzufangen. 1975 entwickelte die USA das System „Safeguard“. Mit Atomwaffen sollte es angreifende Raketen stoppen. So die Theorie. Doch der Schutz schien furchteinflößender als die Bedrohung selbst. Nach nur einem Tag Betrieb stand „Safeguard“ schon vor dem Aus. In den 1980er-Jahren sollten Laserkanonen die Vereinigten Staaten vor Raketen schützen. In publikumswirksamen Tests zerstörten sie leichte Flugzeuge. Doch die Systeme müssten vom Weltall aus operieren. Tausende von Shuttleflügen wären nötig, um das Material dorthin zu transportieren.

Nun soll eine neue Technik den Durchbruch bringen. Das Kernstück des Systems ist ein raketengesteuerter Rammbock. Mit seinen Steuerungsdüsen soll er die Angreiferrakete gezielt anfliegen können. Keine leichte Aufgabe, wenn der Gegner siebenmal so schnell wie eine Gewehrkugel fliegt. Auf der Meck-Insel im Pazifischen Ozean wollen Experten den Ernstfall simulieren. Eine Abfangrakete wird für ihren ersten offiziellen Test vorbereitet.  Zur gleichen Zeit, fast 8.000 Kilometer entfernt, in Vandenberg, Kalifornien, wird die Angreiferrakete mit einer Sprengkopf-Attrappe startklar gemacht.

Ein unlösbares Problem

Kontrollraum
Im Kontrollraum werden die Vorgänge gesteuert und mitverfolgt.

Und das ist der Plan des groß angelegten Versuchs: Die Angreiferrakete wird von Kalifornien aus zur Meck-Insel fliegen. Noch im Weltraum soll die Verteidigerrakete den Angreifer rammen. Die Interkontinentalrakete beschleunigt innerhalb von drei Minuten auf die 20-fache Schallgeschwindigkeit. Schon die Erfassung des Ziels ist eine Herausforderung. Die Rakete steigt auf über 500 Kilometer Höhe. Auf der Meck-Insel wird der Angreifer lokalisiert. Jetzt kommt es auf das richtige Timing an. Die Abfangrakete kann nur auf 160 Kilometer Höhe steigen und fliegt dabei nur halb so schnell wie der Angreifer.

Nach den Berechnungen müssten die Raketen zusammentreffen. Doch nichts passiert. Auf die Enttäuschung folgt die Fehleranalyse: Ein Defekt verhinderte die Trennung des Rammbocks von der letzten Raketenstufe. Trotz des Rückschlags werden neue Tests angesetzt. Doch Kritiker sehen ein prinzipiell unlösbares Problem. Schon mit einfachsten Täuschkörpern lässt sich der Verteidiger in die Irre führen. Im Weltall sind leere Ballons von einem Ballon mit Sprengkopf nicht zu unterscheiden. Bedampft man die Ballons mit Metall, kann selbst ein Radar nicht mehr in sie hineinblicken. Schon heute arbeiten moderne Raketen mit bis zu 40 Täuschkörpern. Dem milliardenschweren Raketenschild-Programm droht damit das Schicksal seiner Vorläufer – ein Platz im Museum.

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