Stoffe, aus denen die Zukunft ist

Die Kommunikationstechnologie braucht Spezialmetalle

Die schwindenden Ölreserven sind nicht das einzige Problem auf dem Rohstoffmarkt. Im Inneren von Handys, Computern und anderen elektronischen Geräten verbergen sich zahlreiche Rohstoffe, die ihren Benutzern häufig unbekannt sind. Manche dieser Spezialmetalle kommen selten auf der Erde vor - und werden obendrein immer knapper.

Computerplatine Quelle: mev

Die digitale Technik hat unsere Welt verändert - und dabei schleichend mehr und mehr spezifische und seltene Rohstoffe "aufgesaugt": Computer werden immer leistungsfähiger, die nächste Gerätegeneration drängt immer schneller auf den Markt. Die moderne Gesellschaft ist abhängig von der Welt der Bits und Bytes.

Rohstoffhungrige Technik

Mobiltelefone kaufen statt subventionieren Quelle: ZDF


In den letzten zehn Jahren wurden über fünf Milliarden Handys verkauft - theoretisch besitzt also jeder Mensch ein Mobiltelefon. Im Innern eines Handys stecken über 20 unterschiedliche Metalle: neben Aluminium, Eisen, Kupfer, Nickel und Zink auch Gold und Silber. Andere kaum bekannte Metalle wie Indium, Europium oder Tantal werden zwar nur in geringen Mengen eingesetzt, sind aber für die Kommunikations- und Informationstechnik von essentieller Bedeutung.

Weltweite Rohstoffimporte nach Deutschland Quelle: ZDF

Aus dem Bauch der Erde

Die Vorkommen dieser Rohstoffe sind weltweit verteilt. Weil die Digitaltechnik boomt, wächst die Nachfrage nach ihnen stetig. Als rohstoffarmes Land muss Deutschland sämtliche Metalle, die in digitalen Bauteilen verwendet werden, importieren - in erster Linie aus Kanada, Australien, den USA und Russland, aber auch aus Asien, Afrika und Südamerika. Den Bedarf an Kupfer zum Beispiel deckt Deutschland zu rund 30 Prozent mit Importen aus Chile. So klafft inmitten der nordchilenischen Atacamawüste ein 800 Meter tiefes Loch: die weltgrößte von Menschen erschaffene Grube. Täglich werden der Erde hier 180.000 Tonnen Gestein entrissen, gerade mal ein Prozent davon ist Kupfer. Nur durch aufwendige technische Prozesse und mit hohem Energieaufwand lässt sich das Edelmetall aus dem Gestein gewinnen.

Kupferschmelze in einer Mine Quelle: Medienkontor



Kupfer ist ein begehrtes Material - ein guter elektrischer Leiter, dabei leicht zu bearbeiten. In den vergangenen Jahren hat es sich enorm verteuert. Experten schätzen, dass die derzeitige Fördermenge den wachsenden Bedarf nur noch rund 30 Jahre lang decken kann. Doch Kupfer ist unverzichtbar.

Kupferplatten Export Hafen Quelle: Medienkontor

Schlüsselmetall Indium

Für andere Metalle ist die Situation dramatischer, zum Beispiel für Indium, das in der Solarzellen- und Halbleitertechnik sowie in Displays zur Anwendung kommt: Innerhalb von zehn Jahren wird es zur Neige gehen - der Boom der digitalen Technik, der die Nachfrage rapide ansteigen lässt, verschärft die Situation zusätzlich. Wie einige andere sogenannte seltene Metalle kommt Indium nur in Spuren im Gestein vor. Ein Recycling von Indium ist zwar technisch möglich, wird aber dadurch erschwert, dass das seltene Metall äußerst breit gestreut und in jeweils nur sehr geringen Mengen eingesetzt wird.

Hier ist die Wissenschaft gefordert, Substitute und neue Technologien zu entwickeln, die diese seltenen Metalle mittelfristig ersetzen können. Denn wenn tatsächlich die notwendigen Rohstoffe ausgehen, wird manches, was uns heute in der Informations- und Kommunikationstechnik selbstverständlich erscheint, zum Luxus.

Coltangewinnung im Kongo

Ein weiteres Problem: Einige Rohstoffe sind auf wenige Vorkommen beschränkt, die teilweise in Krisengebieten liegen, zum Beispiel Coltan. Columbit-Tantalit, abgekürzt Coltan, ist ein Erz, aus dem Tantal gewonnen wird. Mit Tantal - es steckt in jedem Handy - lassen sich sehr kleine elektronische Bauteile herstellen. Selbst wenn es sehr dünn verarbeitet wird, behält es seine isolierenden Eigenschaften. Die Nachfrage auf dem Weltmarkt trieb seinen Preis in den vergangenen Jahren stetig nach oben.

Coltan wird in Australien und Brasilien abgebaut, aber auch in Zentralafrika. In der Demokratischen Republik Kongo, einem der rohstoffreichsten Länder der Erde, gilt es als "schwarzes Gold des Kongos". Während des langjährigen Bürgerkrieges führte mangelnde Überwachung durch den Staat zu völlig unkontrolliertem Bergbau. In zahllosen illegalen Minen schürfen Männer, Frauen und Kinder unter unwürdigen Bedingungen. Die Ärmsten der Armen waschen das Coltan aus dem Schlamm.

Coltanabbau Kongo Quelle: Java Films

Illegaler Handel mit Rohstoffen

An dem Handel haben sich viele bereichert - sowohl Soldaten des Landes als auch Besatzungstruppen, die einen Großteil der illegalen Minen kontrollieren. Die Zivilbevölkerung hat für das weltweite Interesse am Coltan mit der Verlängerung des Krieges in ihrem Land bezahlt.

Zumindest der Handel mit Rohstoffen aus Krisengebieten lässt sich mittlerweile wirkungsvoll unterbinden: Anhand des geologischen Fingerabdrucks kann man herausfinden, ob man "Blut-Coltan" vor sich hat oder sauberes Coltan. Dennoch muss die Forschung dafür sorgen, dass es in der näheren Zukunft Alternativen gibt zu diesem immer seltener und teurer werdenden Metall - wenn Handys weiterhin kleiner und Computer noch schneller werden sollen.

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