Strahlende Meere - strahlende Fische

Wie verteilt sich die radioaktive Flut in den Weltmeeren?

Wissen | Leschs Kosmos - Strahlende Meere - strahlende Fische

Harald Lesch beleuchtet die Risiken von Atomkraftwerken. Und wie reagieren die Profiteure und die Gesellschaft?

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 10.03.2019, 00:00

Weltweit versenkten seit den 1940er Jahren die Atomnationen über 140.000 Fässer mit radioaktivem - darunter sogar hochradioaktivem - Müll im Meer. Was im Meer abgeladen wurde, sollte für immer verborgen und vergessen sein. Der Umwelt schade das nicht, im Wasser werde alles extrem verdünnt, so die Vorstellung. Erst 1993 wurde diese Art der Müllentsorgung von radioaktivem Abfall verboten. Doch das Meer vergisst nichts. Nach und nach verrotten die Fässer unkontrolliert und werden so zu tickenden Zeitbomben.

Nicht nur zur Entsorgung von radioaktivem Müll muss das Meer herhalten, es wird auch noch immer radioaktives Wasser, beispielsweise von Wiederaufbereitungsanlagen, ins Meer geleitet. Doch wie verteilt sich die radioaktive Flut in den Weltmeeren? Welche Auswirkungen hat sie auf die Meeresbewohner, und was weiß man von den Langzeitfolgen?

Grafik: Verbreitung radioaktiver Elemente über Meeresströmung
Radioaktive Elemente verteilen sich durch Meeresströmungen.

Der Weg des verseuchten Wassers

Von der Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield in England pumpte man 20 Jahre lang Cäsium ins Meer – insgesamt etwa so viel, wie im März 2011 in Fukushima in den Pazifik gelangte. Erst in den 1980er Jahren konnte ein neues Filtersystem den jährlichen Ausstoß stark reduzieren. Auch die Wiederaufarbeitungsanlage von La Hague in Frankreich ist verantwortlich für Radionuklide im Meer. Am Auslass beider Anlagen haben Forscher eine deutlich erhöhte radioaktive Belastung gemessen.

Die radioaktiven Elemente verteilen sich mit den Meeresströmungen und sind auch im Ärmelkanal und der irischen See vorhanden. Sogar in der Arktis haben Wissenschaftler die Nuklide aus Sellafield und La Hague nachgewiesen. Aus denselben Quellen sammeln sich radioaktive Substanzen in der Nordsee. Dank der Filteranlagen ging jedoch die Belastung drastisch zurück – Wissenschaftler geben heute Entwarnung.

Fisch wird auf Radioaktivität untersucht
In Fukoshima wird jeder Fang amtlich überprüft.

Der Weg in die Nahrungskette

In Fukushima gelangte vor allem radioaktives Cäsium ins Meer und lagerte sich in den Sedimenten ab. Von dort kam es in die Nahrungskette. Zunächst reicherte es sich im Plankton an. Plankton ist Nahrung für Fische und Krebse, die wiederum Beute von Raubfischen sind, zum Beispiel von Thunfischen. Am Ende der Nahrungskette steht der Mensch.

Damit kein hochkontaminierter Fisch auf dem Teller landet, gelten Grenzwerte. Jeder Fang wird amtlich überprüft. Liegt die Belastung in einem Fisch über 100 Becquerel pro Kilogramm, darf er nicht mehr verkauft werden. Doch die Verseuchung bleibt nicht  lokal begrenzt. Forscher simulieren, wie die Strömungen im Nordpazifik das stark kontaminierte Tiefenwasser verteilen. In zwei Jahren wird es an der Küste Nordamerikas ankommen. Das Oberflächenwasser breitet sich viel schneller aus und erreicht bereits heute die US-Küste.

Nordsee-Fischer hievt Netz an Board
Noch ist der Verzehr von Nordseefischen unbedenklich.

Der Weg von kontaminiertem Fisch auf unsere Teller?

Lieferungen aus pazifischen Fanggebieten müssen derzeit schon in den Herkunftsregionen überprüft werden. Doch bei der Einfuhr werden dennoch Stichproben genommen. Bisher wurde noch keine Belastung über dem geltenden Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm gemessen. Doch wie steht es um „unsere“ Nordsee?

Zehntausende Fässer, aus denen nach und nach strahlender Abfall entweicht, machen das Problem der Radioaktivität hier unkalkulierbar. Von Wasser und Meerestieren nehmen Wissenschaftler regelmäßig Proben, denn wann und in welchem Umfang sich die Altlasten in die See ergießen werden, weiß niemand. Momentan zumindest können wir den Nordseefisch bedenkenlos genießen. Aber all die Fässer wird man nicht bergen können, das Risiko schlummert weiter in der Tiefe.

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