Strahlung, die unter die Haut geht

Hoher Nutzen mit großen Gefahren

Die Entdeckung der Röntgenstrahlen vor rund hundert Jahren war revolutionär. Innerhalb kürzester Zeit wurden sie in der Medizin angewendet. Heute sind sie für die medizinische Diagnostik nicht mehr wegzudenken. Röntgenstrahlen gelten als Segen für die moderne Medizin. Doch dahinter verbirgt sich auch ein Fluch - denn diese Strahlen sind gefährlich.

In der Gesellschaft wurde diese naturwissenschaftliche Entdeckung schnell zur Sensation. Röntgenstrahlen ermöglichten der Bevölkerung tiefe Einblicke in das Innere eines lebenden menschlichen Körpers. Die Wunderstrahlen dienten der Belustigung des Volkes. Auf Jahrmärkten konnte man sogar ein Röntgenfoto der eigenen Hand als besonderes Souvenir erwerben. Das alles war ein naives Spiel mit dem Risiko. Die Menschen ahnten damals nicht, wie schädlich Röntgenstrahlen sind.

Der Entdecker

Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte die neuen Strahlen zufällig. Er experimentierte mit einer Röhre und brachte ein Gasgemisch mit elektrischem Strom zum Brennen. Röntgen beobachtete, wie das Licht ein fluoreszierendes Papier zum Leuchten anregte. Als er die Lichtquelle verdeckte, erkannte Röntgen, dass sie noch unbekannte Strahlen aussenden musste, die durch die Abdeckung drangen. Denn das Papier leuchtete weiter.

Zwar wusste Röntgen noch nicht, welcher Natur diese neuen Strahlen waren - er nannte sie X-Strahlen, aber er ahnte, welche Möglichkeiten sie eröffneten: Sie durchdringen Gewebe, nicht aber Metall oder Knochen. Das war die Geburtsstunde für eine medizinische Revolution.

Euphorische Anwendung

Bereits 1896, also nur ein Jahr nach ihrer Entdeckung, hatte man das Potenzial der neuen Strahlen für die medizinische Anwendung erkannt. Weltweit begannen Ärzte sie trotz unzulänglicher technischer Mittel in ihre tägliche Praxis einzubeziehen. Noch ahnte niemand, welche Bedrohung die unkontrollierte Bestrahlung mit sich bringt.

Auf die richtige Menge kommt es an

Zu Anfang gab keinerlei Schutzmaßnahmen. Einige Ärzte und Wissenschaftler starben an den Folgen der frühen Forschung mit den X-Strahlen. Der Nutzen war bereits bekannt, das Risiko noch nicht. Nur mithilfe der Forschung lernte man die Gefährlichkeit der Strahlung kennen und begann, sich zu schützen.
Die Dosierung der Strahlen muss so gering wie möglich sein. Röntgenstrahlen sind kurzwelliger, das heißt energiegeladener als sichtbares Licht. Und darin liegt die Gefahr. Denn Röntgenstrahlen können die Erbsubstanz, die DNA zerstören. Sie dringen in Zellen ein und können hier die Verbindung der Bausteine zerschlagen. Dadurch können wichtige Informationen, die etwa das Zellwachstum steuern, verloren gehen. Die Folge ist, dass Zellen sterben oder entarten. Sie wachsen ungehemmt, und Krebs kann entstehen.

Nur mithilfe von Forschung lassen sich die Gefahren in den Griff bekommen. Neue Röntgengeräte kommen mit immer weniger Strahlungsenergie aus, und Computer helfen, selbst aus minimalen Informationen genaue Bilder zu generieren. Röntgenstrahlen bleiben ein Risiko. Doch mit dem neuen wissen, kann man von Fall zu Fall prüfen, ob ihr Nutzen überwiegt.


Weiter mit: Chancen durch eine Katastrophe

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