Streicheleinheiten für Pflanzen

Kann Grünes überhaupt wahrnehmen?

Wir streicheln liebevoll Babys, wir streicheln unsere Haustiere und manche sogar ihre Autos. Warum sollten wir eigentlich unsere Pflanzen nicht streicheln? Zumal mit ihnen zu sprechen und sie zu streicheln, manchmal wahre Wunder wirken soll, heißt es. Doch können uns Pflanzen wirklich verstehen, können sie unsere Berührungen fühlen und unsere Worte hören?

Forscher sind bereits in einen Dialog mit Pflanzen getreten. Sie versuchen herauszufinden, ob Pflanzen besser gedeihen, wenn sie mehr persönliche Zuwendung erfahren. Um die Ziele, Zwecke und Pläne der Pflanzenwelt kennenzulernen, müssen zahlreiche Versuche gemacht werden.

Sind Pflanzen tatsächlich "klug"?

Manch einer behauptet, dass Pflanzen mit Musik besser wachsen. In Italien beschallt ein Forscher einen Weinberg Tag und Nacht mit klassischer Musik. Seine Vermutung ist, dass die Schallwellen der Musik einen positiven Einfluss auf das Wachstum haben. Und tatsächlich: Der Versuchsleiter stellt Unterschiede zu Reben fest, die ohne Musik heranwachsen.

Die nicht beschallten Pflanzen sind scheinbar häufiger von Schädlingen befallen. Hingegen wachsen die Reben mit Mozart kräftiger, und die Trauben sind aromatischer - meinen zumindest manche Winzer. Und der Wein aus diesen Trauben soll auch besser schmecken - über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, über Theorien jedoch schon. In Wissenschaftskreisen gilt diese Annahme als sehr umstritten.

Auf die richtige Dosis kommt es an

Wie ist es nun mit dem Streicheln: Gedeihen die Pflanzen dadurch besser? Mit "Streichelmaschinen" versuchen Wissenschaftler, das Rätsel zu lösen. Sie fanden Erstaunliches heraus: Pflanzen reagieren auf das Streicheln. Gestreicheltes Basilikum jedenfalls wächst stämmiger und kompakter als das Unbehandelte, das ungestört hochschießt.

Die Forscher gehen noch weiter mit ihren Versuchen: Es wird untersucht, welche Pflanze wann am Tag und in welcher "Dosierung" gestreichelt werden will. In der Tat gibt es hier Unterschiede. Und es gibt auch Pflanzen, für die Streicheln gar nicht gedeihlich ist. Das Streicheln festigt zwar die Pflanze und macht sie stämmiger, verbraucht aber auch genau dafür mehr Ressourcen. Bei Maispflanzen beispielsweise ist die Folge, dass die Erträge dadurch sinken.

Einfluss auf das Wachstum

Jede Pflanze spricht auf solche mechanischen Reize an, denn es gibt sie auch in der Natur. Regen und Wind sind praktisch natürliche "Streichel-Reize", und diesen Kräften sind Pflanzen Zeit ihres Lebens ausgeliefert. Darauf zu reagieren ist für sie lebensnotwendig. Ein Berührreiz, egal ob künstliches Streicheln oder durch Wind und Regen, stößt in den Pflanzenzellen eine Signalkaskade an. Je heftiger die Reize, desto kräftiger und widerstandsfähiger entwickelt sich die Pflanze.

Doch das ist nicht immer von Vorteil. Denn das veränderte Wachstum kann auch zu Lasten der Ernte gehen. Verblüffend ist, dass mechanische Reize Pflanzen scheinbar auch resistenter gegen Schädlinge machen können. Das Streicheln von Pflanzen ist also durchaus zu empfehlen. Doch sie sind Individualisten: Welche Tageszeit die beste und welche Dosierung die wirkungsvollste ist, unterscheidet sich von Art zu Art.

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