Terra Preta - Der schwarze Schatz

Das Wissen der Maya

Die üppige Vielfalt des Regenwalds im Amazonasbecken täuscht darüber hinweg, wie nährstoffarm der Boden dort ist. Er laugt so rasch aus, dass er sich für den Ackerbau kaum eignet. Nun stießen Wissenschaftler ausgerechnet hier auf eine sehr nährstoffreiche Erde, der Terra Preta. Forscher entschlüsseln, wie sich der schwarze Schatz herstellen lässt. Denn ihr Einsatz könnte auch in Deutschland hilfreich sein - im Kampf gegen den Klimawandel.

Labor: Untersuchung der Erde
Labor: Untersuchung der Erde Quelle: Getty Images

Der Boden im Amazonasbecken ist nährstoffarm, die Humusschicht dünn. Nur der ständige Kreislauf von Werden und Vergehen lässt die Pflanzen üppig wuchern. Für den Menschen ein Dilemma: Mit jeder Ernte macht er den Boden am Amazonas ärmer. Alle zwei Jahre muss ein Kleinbauer dem Wald ein neues Feld abtrotzen, denn die ohnehin nährstoffarmen Böden sind dann bereits ausgelaugt. Die durch Brandrodung verbliebene Asche sorgt nur für kurzfristige Fruchtbarkeit. Ein Teufelskreis, der immer mehr Waldflächen in kahle Landschaften verwandelt.

Woher kommt die schwarze Erde?

Doch Forscher machten eine sagenhafte Entdeckung: Mitten im Urwald stießen sie auf eine Stelle mit einem besonderen Boden. Nutzpflanzen gedeihen hier prächtig und tragen üppige Früchte: ein Zeichen für ungewöhnlich fruchtbaren Boden. Die Forscher machen einen Test. Sie pflanzen Hirse in den Regenwaldboden und auf Felder mit der neu entdeckten Erde. Das Ergebnis: Auf der dunklen Erde gedeihen die Pflanzen viel besser. Spuren dieser geheimnisvollen Erde finden sich im ganzen Amazonasbecken, über fünf Prozent der Fläche sind mit ihr bedeckt. Das entspricht der Größe von Deutschland. Doch woher kommt dieser erstaunlich fruchtbare Boden?

Karte: Vorkommen Terra Preta
Karte: Vorkommen Terra Preta Text 3

Die dunkle Färbung entsteht durch Holzkohlestückchen - ein Hinweis auf menschliches Zutun. Zudem durchziehen unzählige Tonscherben die tieferen Schichten im Boden. Es sind Reste kunstvoll verzierter Gefäße, das Werk einer hochentwickelten Zivilisation. Vielleicht stießen die Indios zufällig auf den Effekt. Sie verkohlten ihren Müll und später erblühte die Müllkippe. Eine Beobachtung, die die Indios womöglich auf die Idee brachte, ihre Felder mit dem dunklen Boden zu düngen.

Ungeahnte Funktion von Holzkohle

Die Terra Preta ist das Vermächtnis einer längst untergegangenen Kultur. Wie konnte dieser Schatz in Vergessenheit geraten? Mit den europäischen Eroberern kamen auch deren Krankheiten ins Land und breiteten sich aus. Wahrscheinlich starben 90 Prozent der Bevölkerung an den eingeschleppten Seuchen. Die Überlebenden flüchteten in den Wald und nahmen ihr Geheimnis mit.

Schaut man in das Innere eines porösen Kohlestückes, wird deutlich, wie viel Fläche sich auftut. Die Feuchtigkeit wird in den Hohlräumen festgehalten. Mineralien lagern sich an.

Jetzt haben Forscher das alte Wissen neu entdeckt. Das Rezept ist verblüffend einfach, die Wirkung enorm: Ein Gramm poröser Holzkohle kann eine Oberfläche so groß wie ein Fußballfeld haben. Und so das Hundertfache ihres Eigengewichts speichern. Die Feuchtigkeit wird in den Hohlräumen festgehalten. Mineralien lagern sich an. Es bildet sich ein idealer Nährboden für Bakterien und Pilze. Der Clou: Der Mikrokosmos in der Kohle verhindert, dass tropische Regengüsse die Mineralien auswaschen. Der Boden bleibt lange fruchtbar.

Indio-Rezept für Klimaschutz

Heute wird die dunkle Erde in großem Stil hergestellt, als neue Wundererde bezeichnet und sogar patentiert. Das sorgt für juristische Fallstricke, denn die wahren Erfinder sind längst untergegangen. Dennoch wird mit dem Indio-Rezept Geld verdient. Mit dem Ackerboden vermischt und untergepflügt, soll die Terra Preta Düngen künftig überflüssig machen. Und nicht nur das: Sie soll sogar helfen, den Treibhauseffekt zu mildern.

Wenn Holz verrottet, wird der Kohlenstoff vollständig als Kohlendioxid in die Atmosphäre entlassen. Wird das Holz verkohlt, wird nur halb so viel Kohlendioxid frei. Der übrige Kohlenstoff bleibt dauerhaft in der Holzkohle gebunden. Ein Kubikmeter Terra Preta kann der Atmosphäre 100 Kilogramm CO2 ersparen. Das alte Wissen birgt ein ungeahntes Potenzial - auch für den Klimaschutz. Und derweil streiten Unternehmen um die Patente.

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