Teufelskreis Fischfutter

Ausweg aus der Krise in Sicht?

Fischmehl ist der Stoff, an dessen Tropf die Aquakultur hängt. Es ist weltweit immer noch unverzichtbar als Eiweißlieferant für Tierzüchter. Die Aquakultur ist Hauptabnehmer, und der Bedarf steigt rasant. Doch anstatt die Wildbestände zu entlasten, hat der Boom an Zuchtanlagen eine zweite Plünderungswelle ausgelöst. 33 Millionen Tonnen freilebender Fische werden jährlich aus den Ozeanen geholt und zu Fischmehl verarbeitet. Das entspricht einem Drittel aller gefangenen Meerestiere.

Prall gefülltes Fischnetz wird hochgezogen. Quelle: ZDF

Forscher arbeiten seit Jahren an Möglichkeiten, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Sie wollen Fischmehl zum Beispiel durch pflanzliches Futter ersetzen. Ein viel versprechender Kandidat sind Erbsen oder Soja. Diese Pflanzen sind hochwertige Proteinquellen, die sich als Alternativen zu Fischmehl eignen könnten. Doch lassen sich Meeresfische mit dem ungewohnten Futter überhaupt mästen?

Wenn Fische Vegetarier werden

Das Ergebnis umfangreicher Studien zeigt: Sogar Raubfische wie Lachs können zu 75 Prozent vegetarisch ernährt werden. Mehr noch: Die pflanzlichen Futterstoffe führen sogar zu einer schnelleren Gewichtszunahme. Doch der scheinbare Ausweg aus der Krise hat einen "Pferdefuß". Das Fleisch der Fische, die pflanzlich ernährt wurden, unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt vom Fleisch der mit Fischmehl gemästeten Tiere. Ihm fehlt ein wichtiger Inhaltsstoff: Omega-3-Fettsäuren. Doch gerade die sind ausschlaggebend dafür, dass Meeresfisch so gesund ist. Sie sind für uns lebensnotwendig, und Fischöl ist der wichtigste Lieferant.

Obwohl ein eindeutiger wissenschaftlicher Nachweis noch fehlt, wird Omega-3-Fettsäuren eine gesundheitsfördernde Wirkung bei Herz-Kreislauf-Krankheiten nachgesagt. Ausserdem sollen sie eine wesentliche Rolle bei der Funktion unseres wichtigsten Organs, dem Gehirn, spielen. Wenig schmeichelhaft, aber unser Gehirn besteht zu 60 Prozent aus purem Fett. Eine entscheidende Komponente davon sind Omega-3-Fettsäuren. Sie sind Baustoffe der Nervenzellen und essenziell für die Reizweiterleitung.

Machen Omega-3-Fettsäuren gesünder?

Weltmeister in der Omega-3-Fettsäuren-Aufnahme sind die Japaner. Sie verzehren viermal soviel Fisch wie der Durchschnitt der Weltbevölkerung. Diese Daten nahmen Forscher zum Anlass für eine aufsehenerregende Studie. Sie verglichen Länder mit verschiedenem Fischkonsum und untersuchten die Häufigkeit von neuronalen Störungen, zum Beispiel von manischer Depression. Die Forscher untersuchten, ob es einen Zusammenhang zwischen Fischkonsum und dem Auftreten der Krankheit gibt. Die Daten zeigten: Je mehr Fisch gegessen wurde, umso seltener war die Erkrankung.

Ob die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren uns gesünder macht, bleibt zwar umstritten, scheint aber plausibel. Doch wie kommt es, dass diese wertvollen Stoffe nur in Meeresfischen vorhanden sind? Mikroalgen, vor allem in kalten Meeren, enthalten Spuren dieser Substanzen. Sie dienen den Algen als Kälteschutz. Dieses Plankton steht an der Basis einer Nahrungskette, über die die Fettsäuren immer weiter aufkonzentriert werden.

Wundermittel Mikroalgen

Mikroalgen Text 3 Quelle: ZDF


Erst in Raubfischen sind die Stoffe in solchen Mengen vorhanden, dass sie für uns interessant werden. Und da liegt das Problem: Einerseits sollen Aquakulturen unabhängig werden von der Fütterung durch Fischmehl aus Wildfischen. Andererseits wollen wir Fische, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind. Eine rein pflanzliche Versorgung der Zuchtfische kommt daher nicht infrage.

Gibt es einen Weg aus dem Dilemma? Forscher verfolgen eine vielversprechende Spur. Das grüne Wundermittel heißt "Nanochloropsis". Die Mikroalgen werden in neuartigen Schlauchreaktoren vermehrt. Im Labor haben Forscher Elitekulturen herangezüchtet, die fünf Mal so viel Omega-3-Fettsäuren enthalten wie Fischmehl - eine kleine Sensation. Mit der Algenbrühe lässt sich pflanzliches Fischfutter anreichern. Für 30 Kilo Pflanzenpellets soll ein Kilo Algenextrakt ausreichen, um die Erfolg versprechende Futtermischung zu erzielen. Bedeutet das eine neue Hoffnung für die Fischbestände in den Weltmeeren?

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet