Tödliche Gefahr aus dem All

Wie groß ist das Risiko eines Einschlags?

Das Universum ist uns nicht wohlgesonnen. In seiner langen Vergangenheit wurde die Erde immer wieder von Asteroiden getroffen. Der letzte große Einschlag vor 65 Millionen Jahren hatte ein Massensterben und damit das Verschwinden der Dinosaurier zur Folge. Die Menschheit blieb bisher von einer solchen globalen Katastrophe verschont. Doch was wäre, wenn eines Tages ein mehrere Hundert Meter großer Asteroid auf uns zuraste?

Asteroiden sind kosmischer Schutt - Überreste aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems. Täglich stürzen Tonnen von diesem "Unrat" auf unseren Planeten, das meiste als Staub. Zentimeterkleine Partikel verglühen und zeichnen Sternschnuppen in den Nachthimmel. Gelegentlich dringen auch etwa faustgroße Brocken in die Atmosphäre ein und erscheinen als grell leuchtende Feuerkugeln am Himmel. Woher stammen die Geschosse?

Die Einschlagstatistik

Millionen von Asteroiden kreisen im so genannten Hauptgürtel oder Asteroidengürtel zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter um die Sonne. Rund 100.000 von ihnen sind heute bekannt. Immer wieder kommt es zu Kollisionen, die einzelne Brocken aus der Bahn schleudern. Zudem kann Jupiter durch seine Schwerkraft einzelne Asteroiden anziehen und deren Bahnen verzerren. Durch diese Prozesse kann sich die Bahn des einen oder anderen Asteroiden so verändern, dass er in Erdnähe gelangt.

Durchschnittlich einmal pro Jahr stürzt ein Brocken von der Größe eines Kleinwagens auf die Erde. Normalerweise verglüht er in der Atmosphäre. Gefährlich wird es etwa alle tausend Jahre, wenn ein Asteroid so groß wie die Freiheitsstatue auf die Erde fällt. Er kann weite Regionen verwüsten oder einen verheerenden Tsunami verursachen. Alle 100 Millionen Jahre, so schätzen Wissenschaftler, kommt es zu einer Kollision mit einer kosmischen Gesteinsbombe, die so groß wie das Matterhorn ist. Ein Einschlag dieser Dimension könnte das Ende der Menschheit bedeuten.

Krater erlauben Rückschlüsse

Überall auf unserem Planeten zeugen beeindruckende Krater von gewaltigen Einschlägen in der Vergangenheit. Aus Versuchen der NASA, bei denen mit Gewehrkugeln auf unterschiedliche Materialien gefeuert wurde, weiß man, dass ein Einschlagskrater circa 20 Mal größer ist als der Körper, der ihn verursacht. Daraus lässt sich auf die Größe des Asteroiden schließen. Der Barringer-Krater in Arizona beispielsweise hat einen Durchmesser von 1200 Metern und ist demnach einem etwa 60 Meter großen Brocken zu verdanken.

Meteoritenkrater Arizona Quelle: ZDF

Wahrscheinlich schlug die letzte größere kosmische Bombe 1908 in der sibirischen Tunguska-Region ein und verwüstete 2000 Quadratkilometer Land. Nur vier Stunden später hätte der Brocken aufgrund der Erddrehung St. Petersburg treffen und die Stadt dem Erdboden gleichmachen können. Dass es sich dabei tatsächlich um einen Asteroideneinschlag handelte, ist allerdings noch nicht zweifelsfrei geklärt. Denn einen Einschlagskrater hat man bis heute nicht entdeckt. Manche Forscher vermuten aber, dass der Brocken bereits vor dem Aufprall in der Luft explodierte und die Wälder bis in Hunderte von Kilometern Entfernung in Brand setzte.

Ein sich rasch bewegender Lichtpunkt

Im Kitt-Peak-Observatorium in der Sonora-Wüste in Arizona/USA werden Asteroiden und Kometen beobachtet - vor allem solche, die der Erde potenziell gefährlich werden könnten. Am Morgen des 19. Juni 2004 machten die Asteroidenjäger auf dem Kitt Peak eine beunruhigende Entdeckung: Ein unscheinbarer Lichtfleck bewegte sich rasch zwischen den Sternen. Ein kosmischer Irrläufer, der der Erde sehr nahe zu kommen scheint! Kann er uns gefährlich werden? Je länger die Forscher den Eindringling beobachteten, desto genauer wurden ihre Berechnungen. Die ersten Prognosen fielen schockierend aus: Tatsächlich bestehe das Risiko, dass der Asteroid im Jahr 2029 mit der Erde kollidiert.

Die Forscher, die nun seine Bahn genauer zu studieren begannen, erstellten aus allen bis jetzt verfügbaren Daten eine Prognose. Sie tauften den Asteroiden mit der Nummer 99942 nach dem ägyptischen Gott der Finsternis und der Zerstörung "Apophis". Dass er der Erde sehr nahe kommen würde, war den Forschern schnell klar. Doch die Beobachtungsdaten reichten noch nicht für eine zuverlässige Aussage.

Die Jagd nach Apophis

Aus seiner Helligkeit auf den Monitoren schlossen die Forscher, dass Apophis einen Durchmesser von etwa 350 Metern hat - etwa so groß wie das Pentagon. Bei einem Einschlag auf der Erde würde er die Energie von 3000 modernen Atombomben entfesseln. Im Vergleich zum Einschlag von Tunguska in Sibirien würde er eine zigfach größere Fläche zerstören und das Schicksal von Millionen von Menschen bedrohen.

Die große Chance der Wissenschaft liegt darin, die Eindringlinge präzise und über einen langen Zeitraum regelmäßig studieren zu können. Denn die Gesetze der Gravitation zwingen die Asteroiden auf einen bestimmten Kurs. Hat man sie einmal geortet, sind ihre Bahnen berechenbar. Doch die Asteroidenjäger vom Kitt Peak hatten Pech: Zwei Tage nach der Entdeckung von Apophis verfinsterte sich der Himmel über Arizona, und der Monsun setzte ein. Währenddessen zog der Asteroid auf seiner Bahn unbeobachtet weiter - der GAU für die Forscher. Denn als der Regen endete, war Apophis verschollen.

Welches Risiko bleibt?

Erst sechs Monate später erschien er wieder auf den Monitoren. Die neuen Berechnungen waren abermals alarmierend. Apophis könnte tatsächlich die Erde treffen, und zwar am Freitag, den 13. April 2029. Die Wahrscheinlichkeit dafür stieg auf über zweieinhalb Prozent: Doch schon vier Tage später konnten die Wissenschaftler Entwarnung geben. Genauere Analysen zeigten, dass Apophis unseren Planeten 2029 knapp verfehlen wird. Inzwischen bestätigen das alle Berechnungen.

Der Asteroid wird in rund 30.000 Kilometern Flughöhe - noch unterhalb der geostationären Fernseh- und Wettersatelliten - an der Erde vorbeirasen. Doch das bedeutet ein neues Risiko. Denn durch die Schwerkraft der Erde wird er ein wenig umgelenkt. Passiert Apophis 2029 das so genannte Schlüsselloch, eine kleine Region im All, wird es kritisch. Seine Umlaufbahn würde gerade so verändert, dass er 2036, bei seinem nächsten Besuch, mit der Erde kollidiert. Die Wahrscheinlichkeit ist gering. Dennoch werden die Asteroidenjäger Apophis nicht mehr aus den Augen lassen.

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