Treibhaus Erde

Die Folgen der globalen Erwärmung

Das Kohlendioxid-Gleichgewicht der Erde ist aus dem Lot geraten. Schuld daran ist der Mensch. Vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger bringt er große Mengen an Kohlendioxid in die Atmosphäre ein. Dadurch wird der natürliche Treibhauseffekt - dem wir eigentlich das lebensfreundliche Klima auf der Erde verdanken - in einem bedrohlichen Ausmaß verstärkt.

Seit der Entstehung der Erde schwankt der Kohlenstoffdioxidgehalt in der Atmosphäre in langen Zyklen. Nachdem er 10.000 Jahre lang etwa konstant geblieben war, ist er seit Beginn des Industriezeitalters im 19. Jahrhundert um über 30 Prozent gestiegen: von 280 ppm auf 380 ppm (parts per million). So hoch war der CO2-Gehalt zuletzt vor rund 700.000 Jahren. Das wissen die Forscher aus Messungen an Eisbohrkernen, den Klimaarchiven der Erde.

Erwärmung um bis zu vier Grad

Dass der Mensch für die Erhöhung des CO2-Gehalts verantwortlich ist, steht außer Zweifel, schließlich lässt sich die Menge des Kohlendioxids, das bei der Verbrennung fossiler Energieträger anfällt, relativ genau bestimmen. Auf Grundlage der Treibhauswirkung von Kohlendioxid und der Prognosen zu künftigen Emissionen berechnen Klimaforscher den zu erwartenden globalen Temperaturanstieg. Mithilfe von Computermodellen versuchen sie, das Klima der Zukunft vorherzusagen. Inzwischen geht die Wissenschaft davon aus, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 um zwei bis vier Grad wärmer wird - pro Jahrzehnt um mindestens 0,2 Grad.

Landschaft mit trockener, aufgerissener Erde
Trockenheit Quelle: getty images

Experten sehen in Zukunft dramatische Veränderungen auf uns zukommen: Da stärkere Erwärmung zu stärkerer Verdunstung führt, wird es in machen Regionen mehr regnen, in anderen Gebieten hingegen müssen die Menschen mit zunehmender Dürre und Trockenheit rechnen. Mehr Dürren bedeutet aber auch erhöhte Waldbrandgefahr. Diese betrifft zum Beispiel Südeuropa, wo schon in den letzten Sommern vermehrt Waldbrände zu verzeichnen waren.

Häufigere Wetterextreme

Je stärker die Luft sich erwärmt, desto besser speichert sie Feuchtigkeit. Dadurch werden extreme Wetterereignisse global zunehmen. Tropische Wirbelstürme gewinnen durch die steigenden Meerestemperaturen an Energie und damit an Zerstörungskraft. Was Wirbelstürme wie Katrina in den letzten Jahren an Leid und Verwüstung anrichteten, waren nur Vorboten der Katastrophen, die in Zukunft durch den Klimawandel verstärkt drohen. So könnten Küstenstädte wie London durch Sturmfluten überschwemmt werden. Großbritannien investiert jährlich 22 Millionen Euro in Schutzmaßnahmen, damit die Hauptstadt nicht unversehens zum neuen Atlantis wird.

Abschmelzendes Eisschelf in der Antarktis
Schmelzendes Eis Antarktis Quelle: dpa


Eine bereits jetzt sichtbare Folge der globalen Erwärmung ist das weltweite Abschmelzen der Gletscher. Das nicht mehr im Eis gebundene Wasser lässt den Meeresspiegel ansteigen. Besonders die schwindenden Eismassen Grönlands tragen dazu bei. Wie stabil sich die gewaltigen Eisschilde der Antarktis verhalten werden, lässt sich noch nicht vorhersagen. Schmelzen auch sie ab, steigt der Meeresspiegel entsprechend noch höher. Eine wichtige Rolle hierbei spielt auch die thermische Ausdehnung des Meerwassers, das heißt, das Volumen des Wassers erhöht sich, sobald es wärmer wird.

Animation: Südseeinsel wird von Meerwasser überflutet
Meeresspiegel Südsee Quelle: ZDF

Verlierer und Gewinner

Schon heute bedroht der steigende Meeresspiegel tief liegendes Land. Inseln wie das Südsee-Atoll Tuvalu zählen bereits jetzt zu den ersten Opfern. Eine der am schlimmsten betroffenen Regionen wäre Bangladesch. Das kleine, sehr flache Land zwischen Indien und dem Golf von Bengalen würde schon bei einem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter teilweise überschwemmt werden. Sollten die Grönlandgletscher komplett abschmelzen, würde es von der Landkarte verschwinden und Millionen von Menschen müssten ihre Heimat verlassen. Experten glauben, dass es aufgrund der globalen Erwärmung weltweit 150 Millionen Klimaflüchtlinge geben könnte.

Andere Regionen dagegen könnten von den Veränderungen des Klimawandels profitieren: Höhere Temperaturen und Niederschlagsmengen führen mancherorts dazu, dass unfruchtbare Landschaften urbar werden. In Großbritannien bereitet man sich auf kommende mediterrane Temperaturen vor und startet Pilotversuche mit Wärme liebenden Nutzpflanzen wie Oliven. Und in der Arktis lassen wärmere Sommer einen alten Seefahrertraum wahr werden: Die Nordwestpassage wird befahrbar und macht den Seeweg von Europa nach Asien um 14.000 Kilometer kürzer.

Blütezeiten der Kultur

In der Geschichte des Menschen hat das Klima schon manche Kapriole geschlagen. Nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren stiegen die Durchscnittstemperaturen bis über das heutige Niveau. Da die stärkere Verdunstung vermehrt für Niederschläge sorgte, herrschte verbreitet ein feuchtwarmes Klima. Gebiete, die wir heute als lebensfeindliche Wüsten kennen, waren üppige grüne Savannen, gespeist von monsunartigen Regenfällen. Begünstigt durch die klimatischen Verhältnisse vollzog sich die wohl bedeutendste kulturelle Entwicklung unserer Zeit: die Erfindung der Landwirtschaft und der Sesshaftigkeit.

Diagramm mit Klimakurve von vor 10.000 Jahren bis heute
Klimakurve - 10.000 Jahre Quelle: ZDF

Seitdem waren die warmen Klimaperioden meist die Zeiten, in denen Menschen ihre Kultur zur Blüte entwickelten. Kühlere und damit trockenere Phasen bedeuteten dagegen oft eine Verschlechterung, manchmal sogar den Niedergang ganzer Kulturen. Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen Kulturgeschichte und Erdtemperatur. In den Warmphasen der letzten 10.000 Jahren erblühten Hochkulturen, während kältere Phasen oft Kriege und Völkerwanderungen auslösten.

Save the Planet?

Dinosaurier Quelle: ZDF


Im erdgeschichtichen Maßstab betrachtet war das Klima in der letzten Jahrmilliarde wesentlich wärmer als heute. 90 Prozent der Zeit, in der Leben existiert, war die Erde feuchtwarm und komplett eisfrei. Vor 100 Millionen Jahren, als die Dinosaurier das Leben beherrschten, war es im Durchschnitt sieben Grad wärmer als heute, und der CO2-Gehalt der Luft war dreimal so hoch. Wird es künftig wieder wärmer, bedeutet dies für die Existenz der Erde keine Bedrohung. Bedroht sind vielmehr die Ökosysteme, Tier- und Pflanzenarten, die sich an die herrschenden klimatischen Verhältnisse angepasst haben und im Fall von schnellen Veränderungen keine Ausweichmöglichkeiten haben.

Und bedroht ist das, was uns Menschen vertraut ist. Wir haben die Erde nach unseren Bedürfnissen verändert. Wir sind darauf angewiesen, dass die von uns geschaffenen Lebensräume intakt bleiben. Es geht also weniger darum, den Planeten zu retten als vielmehr unsere Lebensgrundlage, die durch den schnellen Wandel gefährdet ist. Eine extrem schwierige Aufgabe, denn noch nie haben auf der Erde so viele Menschen gelebt. Uns fehlt der Spielraum, um auf Veränderungen zu reagieren.

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