Tresor in der Tiefe

Wohin mit dem Atommüll?

Gesucht wird ein steinerner Tresor unter der Erde. Besondere Eigenschaften: wasserundurchlässig, hitzebeständig, erdbebensicher und stabil für eine Million Jahre. Nähere Bestimmung: atomares Endlager. Suchgebiet: weltweit. Dringlichkeit: hoch.

Fässer mit atomaren Müll. Quelle: ZDF

Gerade für besonders gefährlichen, radioaktiv strahlenden Müll wird händeringend eine endgültige Lösung gesucht - das Endlager. Manche radioaktiven Abfälle brauchen Millionen Jahre, bis sie endlich zu harmlosen Elementen zerfallen sind. Wir erzeugen heute radioaktiven Müll, der verstaut wird in hoffentlich dichten Containern, versehen mit Warnschildern, die hoffentlich auch in Tausenden von Jahren noch jemand entziffern und richtig deuten kann. Doch wohin bloß mit dem Zeug?

Salzgitter, Deutschland

Im Schacht Konrad bei Salzgitter wurde 13 Jahre lang Eisenerz abgebaut, dann stellte man die Förderung ein. Das Bergwerk war nicht mehr rentabel. Doch die Stollen wurden weiter ausgebaut, denn die Bergbaugesellschaft schlug der Bundesregierung vor, das Erzbergwerk als Endlager zu nutzen.

Bohrung Schacht Text 4 Quelle: ZDF

Die geologischen Untersuchungen zeigten, dass Schacht Konrad geeignet ist: Er liegt rund 1.000 Meter tief und ist trocken. Über dem Eisenerz liegt zudem eine etwa 400 Meter dicke, wasserundurchlässige Tonschicht. Der entscheidende Nachteil: In Salzgitter kann nur schwach und mittel radioaktiver Müll eingelagert werden. Hoch radioaktiver Müll würde zu viel Hitze für das Eisenerz erzeugen. Bleibt also die Frage, wohin mit den 450 Tonnen stark strahlenden Mülls?

Outback, Westaustralien

Unter der gigantischen Ebene der westaustralischen Outbacks verbirgt sich eine der geologisch ältesten und stabilsten Gesteinsformen unseres Planeten. Tiefgreifende Veränderungen durch Erdbeben oder andere tektonische Aktivitäten sind hier auch in einer Million Jahre nicht zu erwarten. Zudem ist Australien der trockenste Kontinent der Erde. Drei internationale Organisationen sahen genau hier den idealen Ort für ein atomares Endlager. Weit weg von den Städten sollte in 500 Metern Tiefe ein 20 Quadratkilometer großes Endlager entstehen, groß genug für 20 Prozent des weltweiten atomaren Mülls.

Outback Australien Text 4 Quelle: ZDF

Doch über das ins Auge gefasste Areal könnten die potenziellen Nutzer gar nicht verfügen, denn es ist Land der Aborigines. Erste Gutachten und Probebohrungen überzeugten einen Teil der australischen Politiker, dass hier der strahlende Müll sicher untergebracht sei. Doch weiter gedieh das Projekt "internationales Endlager" nicht. Der Widerstand gegen dieses Vorhaben mobilisierte die gesamte Bevölkerung Australiens. Selbst hier, wo man der Kernkraft pragmatischer gegenübersteht als in vielen anderen Ländern, will niemand ein Endlager. Die Option "Outback" war politisch nicht durchsetzbar.

Bundesstaat Washington, USA

Abfallhalde Washington Text 4 Quelle: ZDF

Ein verlassenes Gebiet im amerikanischen Bundesstaat Washington. Die 1400 Quadratkilometer große Fläche war einst "top secret". Heute ist sie die größte radioaktiv verseuchte Abfallhalde der westlichen Welt. Hier wurde 1943 die erste Atombombe gebaut. Ein idealer Ort für noch mehr strahlenden Abfall?




Ein Expertenteam, das nach einem Endlager für hoch radioaktiven Müll in den USA sucht, wurde auf dieses Gebiet aufmerksam. Drei Jahre lang erforschten Geologen die Gesteinsformationen. Sie hofften, eine stabile und ausreichend dicke Schicht zu finden, in der sich radioaktiver Müll sicher verwahren ließe. Doch sie wurden nicht fündig. Geeignete Schichten erwiesen sich als nicht dick genug.

Yucca Mountain, USA

160 Kilometer nordwestlich von Las Vegas liegt Yucca Mountain. Der Berg war die erste Wahl für ein atomares Endlager der USA. Er besteht aus altem Vulkangestein, eine vielversprechende Option. Man bohrte einen elf Kilometer langen Tunnel in den Berg und untersuchte während 20 Jahren das Gestein auf seine Eignung. Rund 77.000 Tonnen hoch radioaktiven Mülls hoffte man, hier sicher zu verwahren. Jetzt steht auch dieser Standort vor dem Aus.

Yucca Mountain Text 4 Quelle: ZDF

Das Gestein hat sich als wasserdurchlässig erwiesen und bietet keine ausreichende Barriere gegen austretende Strahlung. Zudem hat es hier in den vergangenen 20 Jahren über 600 Erdbeben gegeben. Und niemand kann ausschließen, dass die Vulkane nicht wieder aktiv werden. Der Ausbau Yucca Mountains wurde gestoppt, eine Alternative gibt es nicht.

Nevada-Testgelände, USA

Eine vergleichsweise einfache, aber fragwürdige Lösung fand man im Bundesstaat Nevada inzwischen für den schwach und mittel radioaktiven Müll. Er wird in Containern auf dem 3.500 Quadratkilometer großen Nevada-Testgelände vergraben. Hier wurden einst nukleare Sprengsätze gezündet und unterirdische Atombombentests durchgeführt. Ohnehin schon radioaktiv verseucht, aber ein Provisorium.

Container Text 4 Quelle: ZDF

Radioaktiv strahlender Müll ist noch immer ein Problemfall. Weltweit. Die Konsequenz aus der Jahrzehntelangen ergebnislosen Suche nach einem sicheren Endlager müsste sein: gefährliche Abfälle zu vermeiden. Sonst erzeugen wir heute Probleme mit denen sich noch die Urururenkel unserer Ururenkel beschäftigen müssen.

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