Trickreiche Pflanzenwelt

Können Gewächse kommunizieren?

Pflanzen haben keine Chance, vor Gefahren zu fliehen. Allerdings sind sie ihren Feinden nicht so hilflos ausgeliefert, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn sie verfügen über erstaunliche Abwehrstrategien und entwickeln verblüffende Lösungen, um ihren Fortbestand zu garantieren. Anscheinend können sie sogar miteinander kommunizieren.

Forschungen über das Verhalten und die Kommunikation von Pflanzen lassen erahnen, dass hier noch viele Geheimnisse zu lüften sind. Ein Beispiel dafür sind die in Afrika wachsenden Akazien.

Ausgefeilte Abwehrstrategien

Ihre "Waffen" sind beachtliche Dornen. Doch zu jeder noch so eindrucksvollen Waffe gibt es offensichtlich eine Gegenstrategie. Die Antilopen und Giraffen haben einen Weg gefunden, dennoch an die schmackhaften Blätter zu gelangen. Für sie zeigt der abschreckende Dornenschutz keine Wirkung.

Doch einige Akazien haben längst nachgerüstet. Sie tragen sehr große hohle Dornen, die von Ameisen bewohnt werden. Frisst eine Giraffe an solch einem Baum, schwärmen die Ameisen aus und attackieren den Eindringling. Schließlich wird der Schmerz zu groß. Die Giraffe gibt diese Akazie auf und zieht weiter. Die Ameisen profitieren von ihrem Wirt. Sie werden mit süßem Nektar belohnt. Dafür verteidigen die Ameisen "ihren" Baum mit vollem Einsatz.

Eine bekannte Gefahr


Akazien verfügen noch über eine weitere verblüffende Strategie. Vor ein paar Jahren setzte im Süden Afrikas ein großes Antilopensterben ein. Tausende der Tiere verendeten scheinbar ohne Grund. Die Antilopen wiesen weder Zeichen von Krankheiten, noch von Verletzungen durch Raubtiere auf. Wissenschaftler gingen dem Rätsel nach. In den Mägen der Tiere fanden sie Reste von Akazien. Das schien nicht ungewöhnlich, denn schließlich ernähren sich Antilopen davon. Doch die Nahrung war nur wenig verdaut, und die Leber der Tiere stark vergrößert. Hatten sich die Tiere vergiftet? Tatsächlich bestätigte sich der Verdacht der Forscher. Die Antilopen starben durch hohe Dosen von Tannin, ein für Antilopen tödliches Gift.

Die Akazie bildet diese Substanz als Schutz vor Fressfeinden. Je länger Antilopen an einer Akazie fressen, desto mehr provozieren sie die Abwehrreaktion, wodurch die Tanninproduktion des Baumes steigt. Instinktiv knabbern die Tiere deshalb nur wenige Minuten an einer Pflanze, und nehmen so normalerweise keine tödliche Dosis des Gifts auf. Wie konnte es dennoch zu dem dramatischen Sterben kommen?

Tod durch Vergiftung

Die Forscher studierten die Pflanzen genauer und analysierten Gase, die sie abgeben. Das Ergebnis ist verblüffend: Sobald Akazien angefressen werden, bilden sie nicht nur Tannin, sondern auch ein Gas namens Ethylen. Dieses Gas wird mit der Luft bis zu 45 Meter weit getragen und erreicht so auch benachbarte Akazien. Die Vermutung der Experten ist, dass die Antilopen an einem Baum fraßen und weiterzogen. Währenddessen wurde der nächste Baum schon "vorgewarnt" und in Alarmbereitschaft versetzt. Er hatte bereits mit der erhöhten Produktion von Tannin begonnen, bevor ihn die Antilopen erreichten.

Normalerweise ziehen die Tiere immer gegen die Windrichtung weiter zur nächsten Akazie, und das über weite Gebiete. Diese Chance hatten die Antilopen in diesem Fall nicht, weil Zäune ihren Lebensraum begrenzten. Das Nahrungsangebot war also limitiert. Es führte kein Weg an dem "tanninverseuchten" Futter vorbei. Das war ihr Todesurteil.

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