Überfischung der Meere

Von Delfinen und Kabeljauen

Die Ozeane sind Quellen des Lebens und Ursprung scheinbar unerschöpflichen Reichtums. Doch jedes Jahr werden mehr Fische und Meeresfrüchte gefangen, als durch natürliche Vermehrung nachkommen. Diese Überfischung der Meere ist ein massiver Eingriff in das marine Ökosystem.

Delfin im Netz
Delfin im Netz

Das Meer gibt seine Schätze nicht freiwillig preis. Brasilianische Fischer haben eine raffinierte Strategie entwickelt, um an die Ressourcen zu kommen. Sie lassen sich von fähigen Komplizen, den Delfinen, helfen. Im eingespielten Team treiben die Delfine Schwärme von Meeräschen vor sich her, direkt in die Arme der wartenden Männer. Auf der Flucht vor den Jägern schwimmen die Fische in die Falle.

Symbiose zwischen Mensch und Tier

Ein brasilianischer Fischer.
fischer mit Delfin Text 1 Quelle: ZDF


Im Fluchtweg der Fische bilden die Männer eine Barriere. Damit verhelfen sie nun wiederum den Delfinen zum Jagdglück, denn die aufgeschreckten Schwärme sind eine leichte Beute. Das einzige Werkzeug der Fischer sind ihre Netze und das Wissen um das Verhalten der Delfine. Dieses Wissen geben die Fischer von Generation zu Generation weiter.

Heute ist der Lebensstil der lokalen Fischer, die seit Jahrhunderten ihre Nahrung aus dem Meer beziehen, in Gefahr. Mit Beginn der industriellen Ausbeutung kippte das Gleichgewicht. Tonnenweise werden nun die Fische abgefischt. Die besondere Tragik: Jedes Jahr sterben in den Netzen auch die Helfer der Fischer. Zigtausende Delfine enden als "Unfalltote" der Fischerei.

Warum der Kabeljau schrumpft

Die weltweite Überfischung nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Zwei Millionen Schiffe fangen jedes Jahr 95 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte aus den Ozeanen. Das ist viel mehr, als nachwachsen kann. Die Auswirkungen dieses massiven Eingriffs sind jedoch überraschend, denn die Natur reagiert auf ihre Weise. Nicht nur, dass die Ressourcen erschöpft sind, und der Fang immer kleiner wird, bei manchen Fischarten wird sogar die evolutionäre Entwicklung beeinflusst.

Ein Beispiel dafür ist der Kabeljau, einst der beliebteste Speisefisch der Deutschen. Vor Kurzem machten Forscher eine erstaunliche und besorgniserregende Entdeckung. Sie verglichen Länge und Alter von Ostsee-Kabeljauen mit früheren Werten. Die Untersuchung der Gehörknöchelchen brachte eine Überraschung zutage: Die Tiere haben sich innerhalb weniger Jahrzehnte verändert. Sie werden immer kleiner und immer früher geschlechtsreif.

Jagd auf kleine Fische

Was ist geschehen? Die Antwort führt weit in die Vergangenheit: Über Jahrtausende fischten Menschen Kabeljau, jedoch nur in der leicht erreichbaren Küstenregion. Das offene Meer blieb Refugium für die größten Exemplare, die sich, abseits der Bedrohung durch Fischer, am effektivsten fortpflanzen konnten. Der technische Fortschritt erlaubte es den Menschen, überall auf den Ozeanen ihre Netze auszuwerfen.

Tonnenweise ziehen die Fischer nun jene Bestände an großen Kabeljauen an Bord, die sich zuvor unbehelligt vermehren konnten und für den Erhalt der Bestände gesorgt haben. Zurück bleiben überwiegend kleine Fische. Nur frühreife Kabeljaue haben noch die Chance, zu laichen und sich zu vermehren. Deren Nachwuchs ist aber weniger zahlreich und hat zudem geringere Überlebenschancen. Die Fischer sorgen so ungewollt dafür, dass sie künftig nur noch kleine Fische in den Netzen haben. Ein Teufelskreis.

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