Unbemannte Kampfmaschinen

Wenn Krieg zum Computerspiel wird

Drohnen sind zum festen Bestandteil im Militär geworden. Technische Vorraussetzungen wie Hochleistungscomputer und Satellitenkommunikation ermöglichen es unbemannten Drohnen, die Aufgaben von bemannten Flugzeugen zu übernehmen. Die Kriegsführung aus der Ferne ist längst keine Randerscheinung mehr: In diesem Jahr bildet die US-Armee erstmals mehr Drohnenpiloten aus als Kampfpiloten. Bis 2015 sollen Roboter etwa ein Drittel der amerikanischen Kampfkraft stellen.

Drohne im Flug
Drohne im Flug Quelle: ap

Schon heute werden von der US-Luftwaffenbasis Creech in Nevada Kampfdrohnen ferngesteuert, die unter anderem in Afghanistan eingesetzt werden. Die Piloten sitzen Tausende Kilometer von ihrem Fluggerät entfernt an Computern im sicheren Nevada. Am Ende ihrer Schicht gehen sie nach Hause, die Drohne landet selbstständig auf einem Stützpunkt in Afghanistan.

Der rasante Vormarsch der Drohnen

Unbemannte Luftfahrzeuge erleben seit den 1980er Jahren einen gewaltigen Entwicklungsschub. Die schon in den 1970er Jahren konstruierten Marschflugkörper vom Typ "Tomahawk" wurden erstmals im zweiten Golfkrieg 1990/91 eingesetzt. Sein Ziel findet der unbemannte Flugkörper, indem sein Radar das Gelände mit dem gespeicherten Bodenprofil vergleicht. Da eine Wüste zu wenig Profil bietet, mussten die Marschflugkörper damals Bagdad über die Berge anfliegen. Kurz vor dem programmierten Ziel machte der Tomahawk eine Aufnahme der letzten Orientierungspunkte. Er verglich die Aufnahme mit den mitgeführten Satellitenbildern und korrigierte ein letztes Mal seine Position. So erreichte der Marschflugkörper im vorbestimmten Ziel eine Genauigkeit von unter zehn Metern.

Grafik: Tomakawk-Marschflughörper im Anflug auf Bagdad
Grafik: Überflug Bagdad Quelle: ZDF

Doch der Feind im neuen Jahrtausend hat einen Weg gefunden, solchen Marschflugkörpern zu entkommen: Er verzichtet auf feste Kommandostrukturen und ist hochmobil. Die Antwort der Militärs ist eine neue Generation autonomer Flugkörper: die Drohnen. Sie können stundenlang über ihrem Zielgebiet kreisen, verfolgen keinen programmierten Plan, sondern übermitteln den Drohnen-Piloten, was passiert.

Ziel im Visier

Ein Drohnen-Pilot an Arbeitsplatz
Drohnenpilot Text 2


Ähnlich wie der Tomahawk fliegt auch eine Drohne weitgehend selbstständig. Mit dem Joystick steuert der Drohnen-Pilot nur die Kameras an Bord. Statt Höhen- und Seitenruder zu betätigen, gibt der Pilot das Einsatzgebiet mit einem Mausklick vor. Um die Drohne auf der anderen Seite des Globus zu steuern, muss der sogenannte Operator mit einer Verzögerung von zwei Sekunden rechnen. Durch die intelligente Bewaffnung ist das aber kein Problem.

Monitobild: Zielsteuerung einer Drohne
Zielsteuerung Drohne Text 2

Hat sich die Drohne dem feindlichen Objekt bis auf zwei bis drei Kilometer genähert, löst der Operator aus. Innerhalb von fünf Sekunden und völlig selbstständig findet eine von der Drohne abgefeuerte Rakete ihr Ziel. Doch auch wenn die USA ihr Drohnenpotenzial ausbauen - eine flächendeckende Überwachung großer Regionen wird damit nie möglich sein.

Autonome Killer

Erst mit einer Armada von Drohnen einer neuen Generation könnte ein solches Vorhaben gelingen. Über der Einsatzregion abgeworfen, könnten sie sich selbst organisieren, wie ein Schwarm. Jede Drohne suchte sich dann ihr eigenes Zielgebiet. Was wie Zukunftsmusik klingt, ist in den Entwicklungslabors bereits Realität: Ein Schwarm von fliegenden Mini-Drohnen. Alle Mitglieder des Schwarms erhalten denselben Auftrag. Die Drohnen halten selbstständig Abstand zu ihren Nachbarn. Hat eine das Ziel erfasst, übernimmt sie automatisch die Führung. Die Frage, wer führt, wird also innerhalb des Schwarms von Fall zu Fall neu "verhandelt".

Selbstständig agierende Miniroboter sind eine bedrohliche Vorstellung. Ist ein solcher Schwarm vor Manipulationen geschützt, ist er rückholbar? Eines ist sicher: Würde ein solcher Schwarm Realität, ließe er sich mit herkömmlichen Waffen nicht bekämpfen. Nur eine eigene Armee aus autonomen Minikriegern hätte eine Chance. Ein Schwarm als autonomer Killer ist eine gruselige Vorstellung. Doch wer übernimmt die Verantwortung, wenn die Schwärme Fehler machen?

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