Verborgene Signale

Können Tiere Katastrophen vorausahnen?

Offensichtlich bleiben uns Menschen Signale verborgen, die andere Lebewesen empfangen. Im Januar 1995 geschahen in der Stadt Kobe an Japans Südküste mysteriöse Dinge. Viele Tiere schien eine ungewöhnliche Unruhe zu erfassen. Schlangen und Spinnen erwachten sogar aus ihrer Winterstarre. Selbst Haustiere gerieten in Panik. Die, die konnten, flüchteten. Doch wovor?

Ein Grund für ihr ängstliches Verhalten war nicht auszumachen. Doch dann erschütterte das stärkste Erdbeben in Japans Nachkriegsgeschichte die Millionenstadt. Haben die Tiere das Beben vorausgeahnt? Manche Forscher sind davon überzeugt.

Die Botschaft des Feuergottes


In Peking sammelt einer von ihnen Belege für diese These. Mit einem Zähler an der Käfigstange dokumentiert er die Aktivität von Wellensittichen. Schon Tage vor dem Beben von Kobe seien die Tiere fast doppelt so oft auf und ab gehüpft wie normal. Gleich danach hätten sie sich wieder beruhigt. Kann das Zufall sein?

Legenden von Tieren, die vor Erdebeben warnen, gibt es weltweit. Es galt beispielsweise lange als böses Omen und als Botschaft des Feuergottes aus dem Untergrund, wenn der Riemenfisch aus der Tiefsee an der Oberfläche auftauchte. Bis heute heißt er daher auch "Erdbebenfisch".

Der "sechste Sinn"


Der Wels wird in Japan schon seit Jahrhunderten mit Erdbeben verknüpft. Ein riesiger Fisch schüttle sich am Meeresboden und verursache die Beben, so die Vorstellung. Kurz bevor der Riese in Rage gerät, würden die Welse in Flüssen und Seen schon unruhig. Sammeln sich die Tiere an der Oberfläche, gilt es, sich für die Katastrophe zu wappnen.

Tatsächlich besitzen Welse einen "sechsten Sinn". Mit Sensoren entlang des Körpers empfangen sie Signale, die uns verborgen bleiben. Damit registrieren sie selbst schwache elektrische Felder. Das Beutetier verrät sich allein schon durch sein Atmen. Denn die Muskeln erzeugen mit jeder Bewegung ein elektrisches Feld.

Die "Sprache" der Welse

Wissenschaftler einer japanischen Universität stellten den "sechsten Sinn" eines Welses auf die Probe: Sie setzten das Tier schwachen elektrischen Impulsen aus. Während der Wels sofort darauf reagiert, versagen unsere Sinne bei solch schwachen Strömen. Könnte dieser Sinn den Wels auch vor Erdbeben warnen?

Im Erdreich erzeugen elektrische Ströme ein kontinuierliches Feld. Spannungen in Gesteinsschichten vor Erdbeben verändern die elektrische Leitfähigkeit des Gesteins und damit die Stärke dieser Ströme. Das könnte der Wels spüren. Forscher hoffen, die Tiere dereinst als Frühwarnsystem nutzen zu können. Im Labor setzen sie Welse gezielt elektrischen Impulsen aus und dokumentieren das Schwimmmuster. Ihr Ziel ist es, die "Sprache" der Welse irgendwann zu verstehen, um ihr Verhalten im Katastrophenfall richtig zu deuten.

Das Rätsel um die Sensoren

Der jüngste Bericht von ungewöhnlichem Tierverhalten vor Erdbeben stammt aus Italien. Das Beben von L'Aquila im Jahr 2009 traf die Menschen völlig unvorbereitet im Schlaf. Wenige Tage zuvor hatten britische Forscher in einem nahe gelegenen Tümpel Erdkröten studiert. Und plötzlich waren ihre Versuchsobjekte verschwunden. Kurz darauf erschütterte das Beben die Region. Die Kröten hatten sich rechtzeitig davongemacht. Könnte sie irgendetwas gewarnt haben? Kröten haben spezielle Sensoren in ihren Augen. Mit diesen ist es ihnen vielleicht möglich, Veränderungen des Erdmagnetfeldes vor Erdbeben zu registrieren. Außerdem entstehen vor Erdbeben kleine Risse. Das Gas Radon kann aufsteigen. Die Haut von Kröten ist empfindlich für Chemikalien, auch für Radon - womöglich ein weiteres Warnsignal.

Vermutungen, was Tiere vor Erdbeben warnen könnte, gibt es viele. Und doch fehlt bis jetzt jeder stichhaltige Beweis. Denn das tierische Verhalten wurde immer erst im Nachhinein mit den Erdbeben in Zusammenhang gebracht. Wie oft sich Tiere auffällig verhielten, ohne dass es zur Katastrophe kam, darüber gibt es keine Statistik. Was Tiere tatsächlich spüren und worauf sie reagieren, bleibt rätselhaft. Noch haben wir ihre Sprache nicht wirklich verstanden.

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