Verkannte Schätze

Jede Art zählt

Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise konzentriert man sich weltweit auf industrielle Produktion und wirtschaftliches Wachstum, meist ohne Rücksicht auf Natur- und Artenschutz. Können wir uns das leisten? Experten sind davon überzeugt, dass die Bedeutung der Natur bis heute unterschätzt wird. Artenvielfalt sichert sogar in vielen Bereichen die wirtschaftliche Stabilität und stellt eigentlich einen Milliardenwert dar.

Blick über den Regenwald in Madagaskar.
Blick über den Regenwald in Madagaskar. Quelle: France Television

In der Geschichte der Erde brachten Naturkatastrophen die Artenvielfalt schon mehrmals an den Rand des Abgrunds. Immer wieder hat sich die Natur erholt. Doch heute hat die Vernichtung der Arten eine neue Qualität erreicht: Jetzt sind es die mehr als sechs Milliarden Menschen, die das biologische Erbe der Erde in einer wohl nie dagewesenen Geschwindigkeit zerstören. Jeden Tag gehen bis zu 130 Arten für immer verloren: Schätze, deren Wert bis heute verkannt wird.

Biologischer Reichtum

Dschungel in Madagaskar.
Dschungel Madag, Text 5 Quelle: National Geographic


Wissenschaftler vermuten, dass es auf der Erde bis zu 20 Millionen Tier-, Pflanzen-, Pilz- und Bakterienarten gibt. Dieser biologische Reichtum ist nicht gleichmäßig über den Globus verteilt, sondern konzentriert sich in sogenannten Hotspots, zum Beispiel im Herzen Afrikas, am Mittelmeer oder in den Regenwäldern Südamerikas. Wir profitieren von der noch vorhandenen Artenvielfalt in fernen Ländern: Wichtige Medikamente haben ihren Ursprung in Pflanzen aus dem Urwald. Unsere Ernährung wird zu einem großen Teil von Pflanzen gedeckt, die ursprünglich als Wildtypen auf anderen Kontinenten gedeihen, wie beispielsweise die Kartoffel.

Ein Getreidefeld
Getreide


Die Ernährung der Menschheit hängt von nur wenigen Pflanzenarten ab. Die intensive Landwirtschaft hat sich weltweit auf wenige Getreide- und Gemüsesorten spezialisiert, die hohe Erträge einbringen. Eine riskante Strategie. Denn in gigantischen Monokulturen werden Sorten angebaut, deren einzelne Pflanzen durch die Zucht genetisch verarmen. Sie ähneln sich manchmal wie eineiige Zwillinge. Ist eine Pflanze anfällig für einen Krankheitserreger, sind es die anderen auch. Forscher arbeiten weltweit an Projekten, um das Risiko von dramatischen Ernteausfällen zu verringern.

Was ist die Natur wert?

Im Gebiet des Amazonas erstreckt sich der größte Regenwald der Welt, ein riesiger Wasserspeicher und eines der artenreichsten Gebiete der Erde. Doch um Futterpflanzen anzubauen, werden kostbare Biotope vernichtet. Unser Stallvieh frisst sozusagen Tropenwald. Was ist die Natur dort tatsächlich wert? Können wir uns den Raubbau leisten?

Ein Krater , durch Erosion entstanden.
Krater Madag Text 5 Quelle: France Television

Ökologen und Ökonomen wollen den Naturschutz revolutionieren. Sie sind dabei zu ermitteln, welches Potenzial in Mangroven, in Amphibien oder Wäldern steckt, wie viel sie wirklich wert sind. Neue Konzepte sollen den Schutz der Natur zum Milliardengeschäft machen und damit den rapiden Artenschwund bremsen.

Die Letzten ihrer Art

Dort, wo schon kaum mehr etwas zu retten ist, begeben sich Forscher auf Expeditionen zu den Letzten ihrer Art. Mit enormem Aufwand versuchen sie, manche Tierarten vor dem Untergang zu bewahren. Doch die Rettung einzelner Arten reicht nicht aus. Wissenschaftler gehen davon aus, dass wir Lebensräume großräumig schützen müssen, wenn wir die Artenvielfalt bewahren und auch in Zukunft nutzen wollen.

Künstliche Befruchtung eines nördlichen Breitmaulnashorns.
Samenentnahme nördl Nashorn

Doch: Wie kann man die Vielfalt bewahren und gleichzeitig genügend Ackerflächen für die Ernährung der Menschheit sichern? Ein Konflikt, für dessen Lösung es keine einfachen Antworten gibt. Professor Harald Lesch beleuchtet überraschende Entwicklungen und Projekte, die zeigen, wie sich wirtschaftliche Entwicklung und der Schutz der Artenvielfalt in Einklang bringen lassen.

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