Vernünftiger Umgang mit Risiko

Irrationale Ängste und übertriebene Reaktionen

Täglich werden wir mit neuen Gefahren konfrontiert. Meldungen über tödliche Krankheiten, drohende Naturkatastrophen, erhöhte Unfallrisiken oder sogar einen möglichen Weltuntergang umschwirren unser Leben. Wie können wir wissen, welches Risiko ernst zu nehmen ist?

Grafik: Meteorit vor Erde.

Es ist schwierig, den Überblick zu behalten. Oft treffen wir Entscheidungen, die nicht vernünftig zu begründen, die objektiv betrachtet sogar falsch sind. Warum ist das so?

Wie viel ist 100 Prozent?

Ein Beispiel aus England zeigt, wie eine Fehleinschätzung entstehen kann: Die britische Presse berichtete, dass die Einnahme einer neuen Antibabypille das Risiko, an einer Thrombose zu erkranken, um 100 Prozent erhöhe. Darauf reagierten viele Frauen mit Panik und setzten die Pille ab. Die Folgen waren zahlreiche ungewollte Schwangerschaften und geschätzte 14.000 Abtreibungen mehr als zuvor. Der Entscheidung der Frauen lag eine katastrophale Fehleinschätzung des tatsächlichen Risikos zugrunde.

Statistik Text 6

Was bedeuteten die 100 Prozent Steigerung des Krankheitsrisikos wirklich? Bis dahin musste eine Frau unter 7000 mit Thrombose durch die Pille rechnen. Nun erkranken 100 Prozent mehr, was statistisch betrachtet zwei von 7000 Frauen sind. Nur bei einer großen Ausgangszahl ist eine Steigerung um 100 Prozent tatsächlich signifikant. Prozentangaben führen oft auf eine falsche Spur. Es lohnt der Blick hinter die Fassade der Zahlenwelt.

Riskante Verkehrsmittel

Eine falsche Vorstellung von einem Risiko vermitteln uns auch Katastrophenmeldungen wie etwa von einem Flugzeugabsturz. Die Reaktionen darauf sind oft irrational, es kommt zu falschen Entscheidungen. So verzichten wir auf einen Flug und setzen uns stattdessen für weite Strecken ins Auto. Dabei blenden wir das Risiko eines Verkehrsunfalls komplett aus. Allen Ängsten zum Trotz ist das sicherste Verkehrsmittel das Flugzeug.

Autounfall Text 6

Ein Beispiel: Von Frankfurt aus in die Welt zu fliegen, ist weniger riskant als eine Fahrt mit dem Auto über 20 Kilometer. Das größte Risiko beim Fliegen liegt in Start und Landung. Wollten wir kein höheres Risiko eingehen als mit einem Nonstop-Flug, kämen wir mit dem Auto von der Innenstadt Frankfurts kommend nicht einmal bis zum Flughafen.

Das Leben ist lebensgefährlich

Seit Urzeiten kämpfen Menschen mit dem Phänomen, Gefahren nicht richtig einzuschätzen. So verkünden falsche Propheten immer wieder einen nahenden Weltuntergang. Nun soll uns im Jahr 2012 wieder einmal einer bevorstehen. Als Kronzeugen der Katastrophenpropheten müssen diesmal die Maya mit ihren kalendarischen Berechnungen herhalten. Der 22. Dezember 2012 soll darin ein Ende markieren. Es ist anzunehmen, dass die Welt auch dieses Datum überdauern wird.

Um ein Risiko richtig zu beurteilen, sollten wir hinter die Prophezeiungen schauen und einem vielleicht aufkeimenden Angstgefühl einen Faktencheck gegenüberstellen. Ein Leben ganz ohne Risiko gibt es nicht. Wir müssen allerdings lernen, tatsächlich drohende Gefahren zu erkennen und mit ihnen umzugehen.

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