Verschwenderische Fangmethoden

Eliminator soll Abhilfe verschaffen

Die Weltmeere sind trotz der schrumpfenden Fischbestände täglich Schauplatz einer ungeheuren Verschwendung. In die Netze gehen nämlich nicht nur die gewünschten Speisefische. Mal sind die Fische kleiner als gesetzlich erlaubt, mal sind es die falschen Arten die ins Netz gehen. Und so landet ein großer Teil des Fangs als Müll wieder im Meer. Der sogenannte Beifang beläuft sich auf etwa 30 Millionen Tonnen jährlich. Das heißt etwa ein Drittel aller gefangenen Fische geht tot wieder über Bord.

Fischabfall
Fischabfall Quelle: ZDF

Ein Grund dafür ist, dass die Fangtechniken nicht selektiv genug sind. Vorschriften verbieten den Fischern, Tiere unter einer festgelegten Größe anzulanden. Gehen zu kleine Fische ins Netz, müssen sie zurück ins Meer. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation sind größere Netzmaschen. Je nach Fischart gibt es hier festgelegte Mindestgrößen, die regelmäßig kontrolliert werden.

Welche Masche für welchen Fisch?

Doch große Maschen helfen nicht immer. Sie ziehen sich unter Zug leicht zu, sodass selbst kleine Fische nicht mehr hindurchpassen. Auch gibt es bei zugezogenen Maschen Strömungen, die die Tiere so stark ans Netzinnere pressen, dass sie sich kaum mehr entkommen können.

Forscher testen neuen Netztyp in Labor.
forscher mit Netz Text 5 Quelle: ZDF

Forscher in Dänemark suchen in einem speziellen Labor nach einer Lösung. In einem mit Wasser gefüllten Tank testen sie neue Netztypen unter Bedingungen, wie sie auch im Meer herrschen. Ihr Ziel ist es, selektivere Netze zu entwickeln, durch die kleine Tiere entwischen können.

Neu geknüpfte Netze

Dabei stießen die Forscher auf eine erstaunlich einfache Lösung. Herkömmliche Maschen ziehen sich unter Zug sofort zu. Ändert man aber die Richtung, in der die Knoten geknüpft sind, bleiben die Maschen unter Zug weiterhin offen, und die Fische können entkommen. Die offenen Maschen sorgen außerdem für weniger Strömungswirbel, sodass die kleinen Fische unbeschadet herausschlüpfen können.

Doch kleine Fische auszusortieren reicht noch nicht. Viel zu oft gehen auch die falschen Arten ins Netz. Fangquoten legen fest, welche Arten ein Fischer anlanden darf. Doch in die Schleppnetze der Fischer gehen alle Tiere, die sich in Bodennähe befinden. Die unerwünschten Arten, den wertlosen Beifang, muss der Fischer wieder über Bord werfen - auch verwertbare Speisefische. Das liegt daran, dass die Fischer nur eine bestimmte Quote pro Fischart anlanden dürfen. Ist diese erfüllt, müssen alle überschüssigen Fische zurück in Meer geworfen werden. Meist sind die Tiere dann längst tot.

Nachhaltige Fischerei

Hier soll nun die Verhaltensforschung helfen. Ansatzpunkt ist das unterschiedliche Verhalten der Tiere bei Gefahr. Der Schellfisch zum Beispiel lebt am Meeresgrund. Kommt ein Feind, flüchtet er nach oben ins offene Wasser. Als Beifang des Schellfisches landet oft die Flunder mit im Netz. Sie bleibt bei Gefahr allerdings stets in Bodennähe, um sich im Sand zu tarnen. Mit Unterwasserkameras untersuchen die Wissenschaftler, wie sich die Tiere verhalten, wenn sich ein Netz nähert. Und tatsächlich halten sich die Flundern dicht am Meeresgrund. Die Schellfische flüchten instinktiv in die entgegengesetzte Richtung und sammeln sich oben im Netz.

Eliminator Text 5 Quelle: ZDF

Diese Beobachtung brachte die Forscher auf eine Idee: Sie entwickelten einen völlig neuen Netztyp, den sogenannten Eliminator. In den dichten Maschen an der Oberseite bleiben die Schellfische gefangen. Die Maschen an der Unterseite sind jedoch so groß, dass die Flundern entkommen können. Allein durch den Einsatz dieser neuen Technik konnte der Beifang an Flundern auf einen Schlag um 95 Prozent verringert werden. Auch Kabeljaue werden weniger gefangen. Mit solch einfachen, aber intelligenten Methoden kommen wir der nachhaltigen Fischerei einen kleinen Schritt näher. Immerhin!

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet