Die neue Revolution - Die Welt von morgen

Wissen | Leschs Kosmos - Die neue Revolution - Die Welt von morgen

Mikrochips im Kopf, Roboterbauteile im Körper, neue Organe per 3D-Drucker und Sex-Roboter als Partner. Harald Lesch zeigt, wo die Chancen und Risiken der rasanten Technologieentwicklung zur Optimierung des Menschen liegen.

Beitragslänge:
29 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.06.2018, 23:55
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Müssen in Zukunft alle ihren Körper perfektionieren, um wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden? Besiegelt die Technik der Zukunft das Ende der menschlichen Individualität? Eine Auseinandersetzung mit Segen und Fluch des technischen Fortschritts.

Das Exoskelett – ein Lichtblick für Querschnittsgelähmte

Amanda Boxel läuft mit einem Exoskelett
Für Amanda Boxtel wird ein Traum wahr. Endlich kann sie wieder gehen. Quelle: Getty Images

Der Mensch optimiert sich durch immer perfektere Technik. Ein Beispiel dafür sind äußere, roboterähnliche Stützkonstruktionen, sogenannte Exoskelette. Die Technik, Roboterbauteile an Menschen anzupassen, stammt aus den Forschungslaboren des Militärs. Um die körperlichen Leistungen der Soldaten zu optimieren haben Ingenieure eine Art Kraftverstärker entwickelt. Dazu übernimmt das Roboterbein nicht die komplette Bewegung sondern es „entlastet“ die Muskeln des Soldaten. Sensoren messen am Fuß die Schrittgeschwindigkeit. Ein Computer im Rucksack errechnet daraus die geplante Bewegung und steuert die Motoren an den Gelenken. Sie übernehmen einen Teil der Kraft und sparen dem Körper Energie. Mit solchen Exoskeletten können normal trainierte Soldaten mit 100 Kilogramm Gepäck lange Märsche machen und schwere Lasten anheben.
Inzwischen werden die Gangroboter auch im medizinischen Bereich eingesetzt. Die Technik soll Querschnittsgelähmten helfen, wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Hier haben Exoskelette noch eine ganz andere Herausforderung zu meistern. Die Bewegung wird nicht nur unterstützt, sondern muss vollständig ausgeführt werden. Das macht das Zusammenspiel von Mensch und Technik komplizierter. Amanda Boxtel war Aerobiclehrerin und begeisterte Skifahrerin. Durch einen Skiunfall im Alter von 24 Jahren ist sie ab der Hüfte querschnittsgelähmt. Seit Jahren entwickelt und optimiert sie mit Forschern zusammen ein Exoskelett. Das Gehen mit den Roboterbeinen benötigt längeres Training. Anfänglich muss die Stabilität und Ausrichtung stets nachjustiert werden. Durch Gewichtsverlagerung des Oberkörpers kann Amanda die Schrittweite und Schnelligkeit regulieren. Für Amanda sind diese ersten Schritte schon ein großer Schritt in ein neues, unabhängigeres Leben.

Das getunte Gehirn

Sex der Zukunft

Mobilität durch die Kraft der Gedanken

Erik Skorto bei einem Experiment
Eric Scorto steuert den Roboterarm per Gedanken. Quelle: BBC

Eric Sorto ist Probant bei einem einzigartigen Experiment im „Ranchos Los Amigos“-Krankenhaus in Los Angeles. 2002 wurde er bei einer Schießerei an der Wirbelsäule schwer verletzt. Seitdem ist er vom Hals abwärts gelähmt. Er kann weder Beine noch Arme bewegen. Im Versuch soll er lernen, allein mit der Kraft seiner Gedanken einen Roboterarm zu steuern. Seine Chance auf ein wenig neue Selbstbestimmtheit. Ein typischer Arbeitstag für Eric startet so: Wissenschaftler verbinden sein Gehirn mit einem Computer. Der Computer zeichnet die Aktivität seiner Neuronen auf und merkt sich die Muster von definierten Gedanken. Ein Gehirn hat circa 86 Milliarden Neuronen, bei Eric können die Forscher die Informationen von gerade mal 60 Neuronen auslesen. Dafür ist Eric ein großes Risiko eingegangen: Neurochirurgen haben eine Art Fenster in sein Gehirn eingebaut. Dabei wurden zwei Stückchen aus seinem Schädelknochen entfernt und zwei kleine Plättchen mit 96 Elektroden am Scheitellappen implantiert. In der Region, in der die Entscheidung für eine bewusste Bewegung entsteht.
Die Idee: Wenn Eric sich jetzt eine Bewegung vorstellt, kann der Computer über die Plättchen in Erics Gehirn das Muster der Neuronenaktivität lesen. Der intelligente Roboterarm „lernt“, dass dieses Muster zu einer bestimmten Bewegung gehört. Grünes Licht ist für Eric das Signal, sich das Ziel der Bewegung, seine Handlungsabsicht vorzustellen. Zum Beispiel: Nimm die Hand zum Mund. Rot ist das Signal für das Ende der Bewegung. Dann zählt Eric rückwärts. Für den Roboterarm heißt das „Stopp“, denn das erzeugt ein ganz anderes Muster im Gehirn. Der große Tag: Eric will versuchen, eine Flasche Kraft seiner Gedanken hochzuheben und zu trinken. Er denkt dabei ausschließlich und intensiv an sein Ziel: Bring die Flasche mit der Hand zum Mund. Das Muster seiner 60 Neuronen steuert den Roboterarm. Nach intensivem Training und einigen Rückschlägen gelingt das Experiment. Der Roboterarm gehorcht Erics Gedanken. Für die Forscher der Beweis, dass der Pfad zu Erics Gedanken gebahnt ist, und für Eric die Rückkehr zu ein bisschen Freiheit.

Fluch oder Segen?

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