Virenschleuder "Globalisierung"

Die Angst vor der nächsten Seuche

Zusammen mit Menschen und Waren reisen Viren und Bakterien als blinde Passagiere um die ganze Welt. Die Globalisierung verleiht den Keimen "Flügel". Sie ist die zentrale Ursache dafür, dass sich moderne Seuchen innerhalb kurzer Zeit grenzenlos ausbreiten können.

Grafische Darstellung eines Virus.
Grafische Darstellung eines Virus. Quelle: ZDF

Im Mittelalter zog die Pest über Europa hinweg und forderte 25 Millionen Opfer. Damals breiteten sich Infektionskrankheiten jedoch weitaus langsamer aus, da die Menschen nur wenige Kilometer am Tag reisen konnten. So überflutete die Pest zwar wie eine Welle weite Gebiete. Doch der schwarze Tod brauchte damals etwa drei Jahre, um den europäischen Kontinent von Süden nach Norden mit seinem Schrecken zu überziehen.

Wege der Bakterien

Heutzutage könnte sich das Bakterium innerhalb weniger Tage über alle Kontinente verbreiten. Die einzigen Waffen im Kampf gegen eine Pandemie sind Impfstoffe und eine schnelle und gezielte Reaktion. Doch die Herstellung eines Serums dauert Wochen. Und wie kann man wissen, wo es am nötigsten gebraucht wird?

Wie will man zu Prognosen kommen in einer schier grenzenlos mobilen Gesellschaft? Forscher haben dafür schon ein Konzept. Es ist so simpel wie einleuchtend: Sie studieren weltweit zwei Millionen Flugverbindungen pro Woche zwischen den 500 größten Flughäfen. Das Ergebnis ist erstaunlich: Entscheidend für das Tempo der weltweiten Verbreitung von Keimen sind nur ganz wenige Knotenpunkte. Will man eine globale Epidemie verhindern, so müssen möglichst schnell die Flughäfen geschlossen werden, die international am engsten vernetzt sind: Wie zum Beispiel London, Frankfurt, Paris und Amsterdam.

Grafische Darstellung der Knotenpunkte für die Verbreitung von Seuchen.
Knotenpunkte Erde, Text 3 Quelle: ZDF

Ausbreitungsmuster von Krankheiten

Abstrakte Darstellung: Geldschein mit Ausbreitungsmuster von Seuchen.
Geldschein Text 3 Quelle: ZDF


Vorhersagen, über die regionale Ausbreitung von Infektionskrankheiten sind weitaus schwieriger, da man genau wissen muss, wie sich die Menschen in ihrer Umgebung bewegen. Die Überlegung der Mobilitätsforscher: Anhand der Wege, die Geldscheine zurücklegen, sollten sich die Wege der Menschen, die es ausgeben, nachvollziehen lassen.

Die zündende Idee lieferte ein in den USA beliebtes Internetspiel: Als Mitspieler kann man seinen Geldschein registrieren und so die Dollarnoten beobachten, wie sie im Land wandern. Mittlerweile sind es 80 Millionen Scheine. Genügend Daten, um das Ausbreitungsmuster von heutigen Krankheiten zum ersten Mal berechnen und die drohende Entwicklung von Epidemien vorhersagen zu können.

Modelle der Seuchenvorhersage

Eine Mutter mit ihrer Tochter auf der Straße: beide tragen Mundschutz.
Mundschutz Text 3


Unabhängig davon, ob Infektionskrankheiten natürlicherweise auftreten oder absichtlich zu terroristischen Zwecken ausgebracht wurden: Ehe eine Krankheit das ganze Land erfasst, kann man mithilfe der neuen Berechnungen schon im Vorfeld die Ausbreitung simulieren. Viren verbreiten sich nicht nur leicht von Mensch zu Mensch. Sie verhalten sich anders, "klebriger", als zunächst vermutet. Bevor eine Infektion ein neues Gebiet erreicht, breitet sie sich einige Zeit nur Lokal aus.

Macht sich eine Seuche auf den Weg um die Welt, so lassen sich aufgrund der neuen Erkenntnisse rasch die Regionen ausmachen, in denen Schutzmaßnahmen als Erstes gefordert sind. Dort sollte der verfügbare Impfstoff vorrangig eingesetzt werden. Nur eine schnelle Reaktion bietet die Chance, die globale Ausbreitung zu verhindern. Denn das nächste Virus kommt bestimmt.

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