Vom bösen Wolf zum treuen Hund

Die Geschichte einer Freundschaft

Hunde sind Fitnesstrainer, Partnerersatz, Arbeitshilfe und Mode-Accessoire. Da vergisst mancher, dass alle Hunde von einem Tier abstammen, das uns Angst macht, das wir über Jahrhunderte jagten und in manchen Regionen fast ausrotteten: dem Wolf. Wie konnte eine so enge Beziehung zwischen Mensch und einem Wildtier überhaupt entstehen?

Wölfe haben ein hoch entwickeltes Sozialverhalten mit klaren Regeln des Zusammenlebens. Wolfsrudel sind Großfamilien, die streng hierarchisch gegliedert sind. Ganz oben stehen die Alpha-Tiere: Sie tragen die Verantwortung für das Rudel und sorgen für die Einhaltung der Rangordnung. Diese hierarchischen Strukturen machten es auch möglich, dass sich die Tiere gut dem Menschen anpassen konnten, ihn schließlich als Anführer akzeptierten.

Einmal Wolf, immer Wolf

Die gemeinsame Geschichte begann vor über 15.000 Jahren. Wolf und Mensch lebten sehr nah nebeneinander. Vermutlich ernährten sich einige Tiere von den Abfällen unserer Vorfahren. Weniger scheue Wölfe haben sich wahrscheinlich sogar bis in die Lager gewagt. Mit der Zeit entstand eine Partnerschaft zwischen Mensch und Wolf: Während die Tiere die Menschen vor Feinden beschützten und ihnen bei der Jagd halfen, bekamen sie im Gegenzug ihren Anteil an der Beute.

Doch wie kam es zu dieser im Tierreich unvergleichlichen Partnerschaft? Forscher machten einen Test. Sie zogen wenige Tage alte Wolfswelpen in enger Bindung an einen Menschen auf. Nach bereits acht Wochen zeigten sich erste Eigenarten: Die jungen Wölfe gehorchten nicht und zeigten sich auch nicht gelehrig. Ein Wolf ist, und bleibt trotz aller Anstrengungen ein Wildtier. Doch wie wird aus ihm ein zahmer Haushund?

Im Zeitraffer zum Haustier

Überraschende Erkenntnisse lieferte dagegen ein Verwandter des Wolfs: 1959 sammeln Wissenschaftler in Nowosibirsk Füchse von Pelzfarmen und kreuzen die Tiere. Bei jedem neuen Wurf wählen sie die zutraulichsten Fuchswelpen für die weitere Zucht aus. Mehr als 40 Generationen später sind die Füchse so zahm wie Hunde. Tatsächlich ist es den Forschern damit gelungen, mit Füchsen die mehrere Tausend Jahre dauernde Domestikation vom Wolf zum Hund im Zeitraffer nachzuvollziehen.

Doch wie genau kommt diese Verhaltensänderung zustande? Forscher untersuchen Blutproben von zahmen wie auch von aggressiven Füchsen. Und sie finden einen klaren Unterschied: Im Blut der aggressiven Tiere ist die Konzentration des Hormons Serotonin niedriger als bei den zahmen Füchsen. Serotonin ist ein "beruhigend" wirkender Botenstoff im Gehirn. Die Serotonin-Bildung wird von Genen gesteuert. Durch die gezielte Auswahl der zutraulichen Füchse sind entsprechend auch deren Nachkommen zahm.

Die Auswahl führt zum Ziel

Überraschend ist außerdem, dass sich mit den Charaktereigenschaften auch das Aussehen der Füchse verändert. So variieren heute die Schwanzlänge der Tiere und die Fellfarbe. Bei der Züchtung von Hunden spielen die Gene ebenfalls eine entscheidende Rolle. Durch gezielte Auswahl werden bestimmte Charaktereigenschaften und Äußerlichkeiten verstärkt. Das Ergebnis Jahrtausende währender Selektion sind rund 400 unterschiedliche Hunderassen.

Selbst die Fähigkeit, dass Hunde Gesten und Blicke des Menschen verstehen können, soll auf erblichen Grundlagen beruhen. Denn die gezielte Auswahl führte zu einer steten Annäherung. Der Wolf wandelte sich zum Kuscheltier, zum sozialverträglichen Familienmitglied.

Der Stoff, aus dem Freundschaften sind

Wenn zwei Menschen Zärtlichkeiten austauschen und sich sehr nahe sind, wird das "Bindungshormon" Oxytocin ausgeschüttet. Neue Forschungsergebnisse legen nun nahe, dass Hunde bei engem Kontakt dasselbe Hormon freisetzen: den Stoff, aus dem echte Freundschaften sind.

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