Zündende Erfindungen

Mit Fortschritt in den Weltkrieg

Wissen | Leschs Kosmos - Zündende Erfindungen

Warum beeinflusst der 1. Weltkrieg die technischen Entwicklungen bis heute? Harald Lesch mit einer spannenden Schilderung.

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1 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.07.2019, 00:00

Anfang des 20. Jahrhunderts sind die Menschen in Europa begeistert von den neuesten technischen Errungenschaften. Dampfmaschinen, ein weites Schienennetz und das Auto schaffen Mobilität, Flugzeuge heben die Menschen in die Lüfte, und Elektrizität erhellt die Nacht. Doch nur etwas mehr als zehn Jahre später, während des Ersten Weltkriegs, scheint sich die Technik gegen die Menschen zu wenden.

Steckte in den technischen Entwicklungen der Jahrhundertwende schon der Keim des Krieges? Wie hat die Technik den Krieg geprägt? Oder hat sie ihn gar ausgelöst? Harald Lesch unternimmt eine Reise in die Zeit der Jahrhundertwende.

Zeppeline als Bombenwerfer

Flugzeug beschießt Zeppelin
Der Zeppelin war lange die Terrorwaffe im 1. Weltkrieg.

Trotz der rasanten Entwicklung haben Flugzeuge zur Zeit des Ersten Weltkriegs noch wesentliche Defizite. Das Militär bevorzugt deshalb Zeppeline, die zuverlässiger scheinen. Sie werden mit reinem Wasserstoff gefüllt. Die Zeppeline steigen zwar nur langsam auf, aber dann kann man mit ihnen mit bis zu 80 Kilometer pro Stunde durch die Luft fahren und auch einiges an Lasten transportieren. Zum Beispiel Bomben.

Tatsächlich sind die mächtigen Luftschiffe zunächst so gut wie unbesiegbar und verbreiten vor allem in London Angst und Schrecken. Die Verteidiger arbeiten auf Hochtouren, bis sie schließlich eine Technik entwickeln, die dem übermächtigen Gegner gewachsen ist.

Kommunikation an der Front

Soldaten telefonieren
Die moderne Kommunikationstechnik war sehr unzuverlässig.

Der Plan des Militärs zu Beginn des Krieges verspricht einen schnellen deutschen Sieg: Frankreich soll über Belgien gestürmt und innerhalb weniger Wochen in die Knie gezwungen werden. Doch der Plan droht an der Kommunikation zu scheitern. Zu Beginn des Krieges gibt es zwar bereits Telegrafen und Telefone, doch diese Techniken haben eine wesentliche Schwäche: Sie sind auf Kabel angewiesen, die erst noch verlegt werden müssen und vom Gegner leicht gekappt werden können. Daneben werden auch altbewähre Techniken eingesetzt, wie optische Signale, Meldehunde und Brieftauben. Doch Tauben und Hunde finden den Weg nur, wenn sie den Zielort bereits kennen. An einer Frontlinie, deren Armeen sich täglich bis zu 20 Kilometer voranbewegen, können die tierischen Helfer eine Verbindung nicht aufrechterhalten.

Eine neuartige Technologie soll Abhilfe schaffen: Knapp zwei Jahrzehnte zuvor hatte der junge Italiener Guglielmo Marconi sein Publikum mit einer erstaunlichen Erfindung begeistert – dem ersten Funken-Apparat. Kann die drahtlose Kommunikation den Kriegsverlauf ändern? Als Kaiser Wilhelm von der neuen Technik erfährt, beauftragt er seine Wissenschaftler mit der Entwicklung eines deutschen Funksystems und drängt sie zur Gründung der Firma Telefunken. 1906 nimmt Telefunkens Großfunkstation in Nauen den Betrieb auf. Auch das Militär setzt die neue Technik bald ein. Jede Armee wird mit zwei Funkstationen ausgerüstet. Im Herbst 1914 funkt man auch an der Westfront. Doch die Technik ist nicht ausgereift: Die Anlagen können noch nicht auf einer bestimmten Frequenz senden, die Signale haben eine große Bandbreite. Schon wenige Sendestationen führen so zu einem Chaos im Empfang. Viele Nachrichten kommen deshalb nicht an. Der Funk kann das Kommunikationsproblem an der Front nicht lösen. Der Gegner nutzt die entstandenen Lücken in der Frontlinie zu seinem Vorteil. Anfang September 1914 sehen sich die deutschen Truppen in Frankreich zum Rückzug gezwungen. In der entscheidenden Schlacht an der Marne platzt der Traum von einem schnellen deutschen Sieg.

Stellungskrieg im Zeitalter der Mobilität

Soldaten des 1. Weltkriegs in Schützengraben
Unvorstellbar: Der Stacheldraht änderte die Kriegsführung.

Zur Jahrhundertwende machen Eisenbahn, Auto und Flugzeug die Menschen so mobil wie nie zuvor. Und doch kommt die Frontlinie im Westen schon nach wenigen Wochen zum Stillstand. Die Front friert auf 800 Kilometern ein, von der Nordsee bis zu den Alpen. Die Gründe dieser Erstarrung liegen an einer neuen Technik, die die Verteidigungsstellungen so gut wie uneinnehmbar machen. Wenige Tage nach Kriegsausbruch kommt es zu einem Gefecht der britischen Kavallerie mit deutschen Infanteristen nahe dem belgischen Mons. 800 britische Reiter stürmen auf die geschützten Stellungen ihrer Gegner zu. Kurz vor dem Ziel treffen sie auf einen Weidezaun für Kühe. Ein Zufall. Der Angriff endet im Chaos und im Kugelhagel der Verteidiger. 250 Briten lassen auf dem Feld ihr Leben, ihre Gesundheit oder ihre Freiheit.

Der Stacheldraht markiert den Niedergang der Kavallerie. Die Militärs erkennen sofort die Bedeutung des Zwischenfalls. Unzählige Reihen aus Stacheldraht schützen nun die Gräben. Wem es einmal gelingt, die Drahtsperren zu überwinden, der stößt auf den nächsten Trumpf der Verteidiger: das Abwehrfeuer. Bis ins 19. Jahrhundert müssen Feuerwaffen mühsam von vorne geladen werden. Erst um 1846 vereinigt man Pulver und Kugel zur Patrone. Den Durchbruch schafft 1885 das Maxim-Maschinengewehr. Ein Frontalangriff wird im Ersten Weltkrieg damit zu einem Himmelfahrtskommando. Stacheldraht und Maschinengewehr geben alle Trümpfe in die Hände der Verteidiger. Erst 1916 taucht eine Maschine auf, die beides überwinden kann: der Panzer, damals noch Tank genannt. Der Tank ist eine Verbindung von mobilem Schutz und mobiler Feuerkraft. Doch bis Kriegsende werden nur wenige Tausend Exemplare gebaut. Die Technik ist noch unausgereift, ihre Wirkung bleibt beschränkt.

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