Was dirigiert die Partnerwahl?

Strategien von Mann und Frau

Arrangierte Ehen scheinen in der westlichen Welt ja der Vergangenheit anzugehören. Dennoch sind wir von einer Partnerwahl aus freiem Willen weit entfernt. Während wir uns einbilden, aus Liebe und Zuneigung eine Beziehung oder Verbindung einzugehen, laufen hinter den Kulissen ungeahnte Prozesse ab. Unsere Partnerwahl wird stark von den Hormonen beeinflusst. Seit Urzeiten bestimmen sie, zu wem wir uns hingezogen fühlen. Frauen bevorzugen männliche Stärke und Macht, Männer setzen auf weibliche Schönheit und Jugend.

Mann und Frau küssen sich. Quelle: ZDF

Wenn Männer ihre Traumfrau erschaffen könnten, was käme dabei heraus? In einem Experiment sollten Männer die Maße der Frauenfigur nach ihrem Geschmack verändern. Das Ergebnis: Es gibt zwar unterschiedliche Vorlieben, was die Größe von Taille und Oberweite angeht, aber die Forscher glauben dennoch, eine Universalkonstante der weiblichen Attraktivität gefunden zu haben.

Die Sache mit dem Testosteron

Als besonders anziehend erweist sich eine Figur mit einem Verhältnis von Taille zu Hüfte von 0,7. Eine Konstante - ganz gleich, wie ausgeprägt die Kurven sonst sind. Die Vermessung der Siegerinnen bei Miss-Wettbewerben in den USA von 1920 bis in die 1980er Jahre bestätigte die verblüffende Erkenntnis: Obwohl sich das Schönheitsideal wandelte, blieb das Taillen-Hüfte-Verhältnis stets rund 0,7. Forscher sehen in diesem Wert ein entscheidendes Signal: einen Hinweis auf die Fruchtbarkeit der Frau.

Monroe und Moss Text 3 Quelle: ZDF

Auch Männer senden Signale aus. Dabei spielt das Geschlechtshormon Testosteron eine entscheidende Rolle. Es sorgt nicht nur für einen muskulösen Körper, es soll auch das Verhalten beeinflussen, und beispielsweise die Durchsetzungsfähigkeit steigern. Ist das Hormon also ein Erfolgsgarant? Um das herauszufinden, müssen unsere nahen Verwandten, die Schimpansen, als Untersuchungsobjekte herhalten. Wissenschaftler studierten das Verhalten der Affen in ihren sozialen Gruppen. Unmittelbar danach verglichen sie den Testosterongehalt im Urin mit den gerade beobachteten Mustern. Es zeigt sich, dass bei den Schimpansen ein hoher Testosteronspiegel mit hoher Aggressivität und hohem Rang in der Gruppe verknüpft ist.

Damenwahl

Frau vor Bildschim Text 3 Quelle: ZDF


Beim Menschen ist der Einfluss des Testosterons auf das Handeln schwer nachzuweisen. Studien legen aber nahe, dass es auch das menschliche Verhalten moduliert. Doch dominantes Verhalten macht einen Mann nicht zwangsläufig erfolgreich - auch nicht bei den Frauen. Sie scheinen nämlich wankelmütig zu sein.


Forscher ließen Probandinnen ein Männergesicht so lange verändern, bis es ihnen gefiel. Das Ergebnis verblüffte: Um den Eisprung herum empfinden Frauen maskuline Gesichtszüge wie ein kräftiges Kinn als attraktiv. Es gilt als sogenannter Hormonmarker und verrät etwas über den Testosterongehalt im Körper. Sonst bevorzugen Frauen weichere Züge. Ein eher weibliches Gesicht vermittelt der Frau, dass der Mann fürsorglich und womöglich ein guter Vater ist. Ideal für eine langfristige Bindung.

Auf der Suche nach guten Genen

Zu einem Seitensprung sind Frauen eher an ihren fruchtbaren Tagen bereit. Bei der Partnerwahl zählen dann Attraktivität und Status. An ihren fruchtbaren Tagen sehen Frauen zudem attraktiver aus. Den Grund dafür vermuten Forscher in hormonell bedingten Flüssigkeitseinlagerungen, die die Haut straffen. Dadurch wirken Frauen offenbar besonders symmetrisch, und das gilt gemeinhin als schön. Die Veränderungen sind zwar minimal, aber doch messbar.

Die Partnerwahl ist also ein Zusammenspiel komplexer Faktoren, die uns kaum merklich dirigieren. Doch wozu das Ganze? Evolutionsbiologen erklären das so: Eine Frau versucht, möglichst gute Gene für ihr Kind "einzufangen". Sie ist deshalb besonders wählerisch. Denn wenn es zur Schwangerschaft kommt, ist sie diejenige, die viel Zeit und Energie in den Nachwuchs investieren muss. Der Mann dagegen kann in der gleichen Zeitspanne jede Menge Babys mit verschiedenen Frauen zeugen. Sein Aufwand, um die dazu notwendigen Spermien herzustellen, ist vergleichsweise gering. Dies, so die Forscher, erkläre die verschiedenen Strategien von Mann und Frau und begründe, weshalb die Geschlechter so unterschiedlich "ticken".

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