Wasser aus vergangenen Zeiten

Unverhoffter Reichtum für den Wüstenstaat Lybien

Die libysche Wüste ist eine der trockensten Regionen der Sahara. Doch auf der Suche nach Erdöl stieß man ausgerechnet hier auf Wasser. Unter dem Wüstensand verbergen sich große Vorkommen an Süßwasser: ein Schatz für ein Land wie Libyen, das zu etwa 95 Prozent aus Wüste besteht. Doch wie lange wird die Ressource reichen?

Dünenmeer in der Libyschen Sahara.
Dünenmeer in der Libyschen Sahara. Quelle: ZDF

Der Traum von der grünen Wüste schien mithilfe des Wassers aus der Tiefe in greifbare Nähe zu rücken. Aber Versuche, mitten in der Wüste große Mengen Getreide und Viehfutter zu produzieren, scheiterten. Stattdessen beschloss Staatschef Muammar al-Gaddafi, Wasser aus der Sahara in die Küstenregion zu bringen, um die Bevölkerung mit Süßwasser zu versorgen und dort eine ertragreiche Landwirtschaft zu ermöglichen.

Großprojekt zur Süßwasserversorgung

1984 begannen die Bauarbeiten für das bisher größte Trinkwasserleitungsnetz der Welt, das Great-Man-Made-River-Projekt (GMMRP). Das fertige Netz soll täglich bis zu sechs Millionen Kubikmeter fossiles Grundwasser aus der Wüste abtransportieren können. Bis 2015 will man Betonröhren auf einer Länge von rund 4600 Kilometern verlegen. Ein aufwändiges und kostspieliges Projekt, das Libyen durch den Export von Erdöl finanzieren kann.

Betonröhren auf der Baustelle in der Wüste.
Röhren Text 4 Quelle: ZDF

Aus Brunnenfeldern in der Sahara fließt bereits jetzt Wasser an die Mittelmeerküste. Etwa 70 Prozent des kostbaren Rohstoffs sind für den Ausbau der Landwirtschaft an der Küste gedacht. Über fünf Millionen Menschen, das entspricht etwa 85 Prozent der Bevölkerung Libyens, leben in der Küstenregion. Die Pipelines sorgen vor allem für ausreichend Süßwasser in den Städten. die Agrarprodukte sind in erster Linie für den einheimischen Markt gedacht. Man hofft jedoch, bestimmte Erzeugnisse exportieren zu können, auch nach Europa.

Wie kam das Wasser in die Sahara?

Felsenzeichnungen: Giraffen.
Felszeichnungen Text 4 Quelle: ZDF


Erste Hinweise auf den Ursprung des Wassers in der Wüste liefern prähistorische Felsenbilder von wasserliebenden Tieren wie Flusspferden. Das Gebiet war also nicht immer schon trocken, sondern es muss hier einst Wasser im Überfluss gegeben haben. Forscher nehmen an, dass vor Tausenden von Jahren Teile der Sahara eine üppige Savannenlandschaft mit Seen war, weil sich die Regenfronten hierher verschoben hatten.

Der letzte große Wassernachschub kam vor rund 10.000 Jahren, als in Europa die jüngste Eiszeit zu Ende ging und eine Warmzeit anbrach. Damals schmolzen die Gletscher und große Wassermengen verdunsteten. Die Wolken des afrikanischen Monsuns brachten Regen bis in das heutige Kerngebiet der Sahara. Die Wüste erblühte.

Begrenzter Reichtum

Aber vor etwa 5000 Jahren gingen die Niederschläge wieder zurück, und die Savanne verdorrte zur Wüste, wie wir sie heute kennen. Der Spiegel des Grundwassers sank, doch in unterirdischen Schichten blieben große Mengen davon zurück, überwiegend in Sandstein, vor Verdunstung geschützt. Seine Poren enthalten bis zu 40.000 Jahre altes fossiles Wasser.

Grafic des Trinkwasserleitungsnetz "Great-Man-Made-River-Projekt".
Karte Trinkwassernetz Text 4 Quelle: ZDF

Solche natürliche Speicher zapft Libyen nun an. Die Wasservorräte sind sehr groß, aber begrenzt. Denn die angezapften Vorkommen haben keine Zuflüsse mehr. Es handelt sich bei diesem Wasser um keine erneuerbare Ressource. Wie lange werden sie Libyens Bedarf decken können? Forscher schätzen, dass der Vorrat bei maximaler Fördermenge etwa 50 Jahre reichen wird. Und dann?

Weiter mit: Kampf ums Wasser

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