Weichenstellen für die nächsten Generationen

Können wir von den Naturvölkern lernen?

Im Jahr 2050 werden Prognosen zufolge circa neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Das wird unseren Planeten an den Rand der Belastbarkeit bringen. Die Bevölkerungszahl in den Schwellen- und Entwicklungsländern steigt weiter rasant an. Der Lebensraum wird enger, und die Fläche zur Versorgung mit Nahrungsmitteln wird knapp.

San-Jäger bei Sonnenuntergang.
San-Jäger bei Sonnenuntergang. Quelle: ZDF

In der Kalahari im südlichen Afrika lebt eine Gruppe von Menschen, die von der Problematik der Überbevölkerung ausgenommen zu sein scheint: die San. Sie waren vermutlich die ersten Bewohner des südlichen Afrikas. Die Kalahari-San leben in einer nomadischen Kultur, als Jäger und Sammler. Das Besondere: Sie leben in kleinen, weit verstreuten Gruppen von 40 bis maximal 200 Menschen, gerade soviel, wie das jeweilige Gebiet mit seinen Ressourcen ernähren kann. Ausgeklügelte Strategien verhindern, dass die Population größer wird, als die Natur sie verkraftet.

Beispiel nachhaltiger Lebensweise

Bei den San sind es die Frauen, die traditionell Familienpolitik betreiben. Die Kinder werden drei bis vier Jahre lang gestillt. Stillen verhindert normalerweise den Eisprung, daher kommt es in dieser Zeit zu keiner weiteren Empfängnis. Ein Geburtenabstand von vier Jahren ist also die Regel. Ein weiterer Grund ist: Vermutlich durch die Ernährung und Lebensweise der San setzt die erste Menstruation der jungen Frauen vergleichsweise spät ein: erst im Alter zwischen 16 und 17 Jahren. Dann gilt ein San-Mädchen traditionell als erwachsene und damit heiratsfähige Frau.

Ein traditionelles San-Dorf mit runden Hütten.
San Dorf Text 3 Quelle: ZDF

Zudem kennen die San eine Fülle von Heilpflanzen und verwenden auch eine Rinde, die empfängnisverhütende Wirkung hat. Auf diese Weise überdauerte ihre Kultur seit Jahrtausenden. Die Savanne bot all das, was sie brauchten.

Vom Nomaden zum Städter

Auch unsere Vorfahren lebten einst als Nomaden. Dann wurden sie sesshafte Ackerbauern und Viehzüchter. Sie produzierten dadurch deutlich mehr Nahrungsmittel als ihre nomadischen Vorfahren. Das war der Startschuss für die erste Phase starken Bevölkerungswachstums und damit für das Errichten von Siedlungen. Ausgrabungen in einer der ältesten Siedlungen der Geschichte der Menschheit, in Beidha in Jordanien, belegen, dass diese Entwicklung etwa vor 10.000 Jahren ihren Anfang nahm. Die neolithische Stadt hatte feste Wohnbauten für 400 Menschen, die sogar teilweise für die Vorratshaltung unterkellert waren.

Die Siedlung Beidha in Jordanien.
Beidha Siedlung Text 3 Quelle: ZDF

Nur wenig entfernt von Beidha wuchs die Siedlung Basta heran. Für damalige Zeiten eine beeindruckende Metropole mit mehr als 2000 Bewohnern. In den neusteinzeitlichen Siedlungen bekam der Nachwuchs eine ganz andere Bedeutung als für umherziehende Nomaden. Kinder waren nicht nur zusätzliche "Kostgänger", sie konnten zum Beispiel Vieh hüten und so schon früh zum Unterhalt der Familie beitragen. In der Folge entstand die Arbeitsteilung: Grundlage von Fortschritt und stetem Bevölkerungswachstum.

Keine Vollbremsung möglich

Im weiteren Verlauf entwickelten sich Hochkulturen, die urbanen Zentren wurden größer, und allmählich wuchs die Weltbevölkerung. Zur Zeit der ägyptischen Pharaonen schätzt man die Zahl der Menschen auf der Erde auf etwa 200 Millionen. Über Jahrtausende wuchs die Weltbevölkerung nur sehr langsam. Vor etwa 200 Jahren schnellte das jährliche Wachstum plötzlich nach oben. Auslöser war der Beginn der industriellen Revolution: Technischer und medizinischer Fortschritt sorgten Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa für bessere Hygiene, sinkende Kindersterblichkeit und eine steigende Lebenserwartung. Die Folgen waren Kinderreichtum und ein anhaltendes Bevölkerungswachstum bis in unser Jahrtausend.

Und die Weltbevölkerung nimmt weiter unaufhaltsam zu. Allerdings sehr ungleichmäßig. Während in Europa die Gesellschaft durch anhaltend niedrige Geburtenraten sogar schrumpft, verzeichnen Entwicklungs- und Schwellenländer weiterhin ein starkes Wachstum. Alle Beschlüsse zur Bevölkerungskontrolle, die das Wachstum bremsen sollen, können erst in Jahrzehnten Wirkung zeigen, denn Veränderungen in Populationen verlaufen äußerst träge, im Rhythmus von Generationen: Vergleichbar einem rasenden Zug, der selbst bei einer Vollbremsung noch lange braucht, bis er zum Stehen kommt.

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