Welcome back, Dino!

Können wir die Saurier wieder zum Leben erwecken?

Ausgestorben, unwiderruflich, und das vor rund 65 Millionen Jahren: Manche Forscher wollen sich nicht damit abfinden. Sie suchen nach Mitteln und Wegen, die Zeugen der Vergangenheit wieder zum Leben zu erwecken. Anders als im Hollywoodfilm "Jurassic Park" sind sie dabei nicht auf unwahrscheinliche Zufälle angewiesen. Denn die Nachfahren der Dinos leben millionenfach unter uns: Vögel.

Seit den ersten Ausgrabungen im 19. Jahrhundert eröffnen uns Fossilienfunde faszinierende Einblicke in das Zeitalter, in dem die Dinosaurier die Erde beherrschten. Anhand der versteinerten Knochen lässt sich nachvollziehen, wie die Tiere einst aussahen. Mit moderner Technik ist das leicht möglich: Zunächst rekonstruieren Wissenschaftler das Skelett, dann bilden sie die Muskeln und schließlich die Haut nach - fertig ist der Dino aus dem Computer.

Biochemische Spuren aus sehr alter Zeit

Doch für Wissenschaftler haben Dinosaurierfossilien noch mehr Überraschungen parat. In Dünnschnitten der Knochen entdeckten sie vielversprechende Hohlräume. Dort, wo einst Blutgefäße verliefen, fanden im Laufe der Jahrmillionen chemische Veränderungen statt. Mineralien ersetzten die organischen Substanzen und formten so exakte steinerne "Kopien" der Knochen. Aber ist es auch möglich, aus solchen zig Millionen Jahre alten Relikten Dinosaurier-DNS zu isolieren und so die Urzeitgiganten aus der Retorte wiederauferstehen zu lassen?

Im Labor lassen sich bestimmte Knochenpräparate demineralisieren und so aufbereiten, dass sie verschiedene biochemische Moleküle preisgeben. Hämoglobin und andere Proteine konnten so nachgewiesen werden. Bisher ist es den Wissenschaftlern aber nicht gelungen, DNS-Fragmente zu isolieren. Denn in Zeiträumen von über 100.000 Jahren, so vermutet man, wird die Trägersubstanz der Erbinformation vollständig abgebaut.

Science oder nur Fiction?

Einen spektakulären Weg, Dinosaurier-DNS zu gewinnen, zeigte Hollywood 1993 im Kassenknüller "Jurassic Park": Wissenschaftler finden eine in Bernstein eingeschlossene Mücke, die noch einen Tropfen Dinosaurierblut in sich hat. Daraus lässt sich das Erbgut isolieren, und bald darauf schlüpfen geklonte Dino-Babys. Einfach nur gut gemachte Science-Fiction - oder ist tatsächlich etwas dran an dem Mücke-in-Bernstein-Mythos?

Aus Sicht der Forscher sieht das Szenario so aus: Vor mehr als 65 Millionen Jahren attackiert ein blutsaugendes Insekt eine Urzeitechse. Kurz darauf wird es in Harz eingeschlossen, der zu Bernstein wird. Diese Vorgänge geschehen in rascher Folge, sonst würde das Dinosaurierblut bereits vor der Konservierung verdaut werden. Insgesamt eine recht unwahrscheinliche Kette von Zufällen - die Hoffnung, auf diese Weise Dino-DNS zu finden, gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Nur sehr selten findet man Einschlüsse von Blutsaugern, um wie viel seltener noch solche, die aus der Zeit der Saurier stammen und soeben einen Saurier gestochen haben! Auf diese Weise lassen sich die Urzeitgiganten wohl kaum wiederbeleben.

Enge Verwandtschaft

Doch seit einiger Zeit verfolgen Wissenschaftler einen ganz anderen Ansatz. Die Dinosaurier sind nämlich nicht ganz und gar von der Erde verschwunden. Zumindest die Mitglieder einer Sauriergruppe leben mitten unter uns: Untersuchungen zeigen die nahe Verwandtschaft der Urzeittiere mit Vögeln. Gemeinsame Merkmale sind beispielsweise das Gabelbein - eine Knochenspange zwischen Schulterblatt und Brustbein -, das Säugetiere nicht besitzen, und das flexible, faltbare Handgelenk, das sich seitlich abknicken lässt.

Betrachtet man den gemeinsamen Stammbaum von Vögeln und Dinosauriern, so zeigt sich die enge Verwandtschaft. Vögel sind im Grunde genommen eine Gruppe der Dinosaurier. In ihrem Erbgut schlummern die Relikte der Vergangenheit. Doch diese schlafen nicht immer. Im Ei durchläuft ein Vogelembryo verschiedene Entwicklungsphasen. Zu Beginn ähnelt er ganz einem Embryo seiner Urahnen. Im Erbgut steckt viel uralte genetische Information.

An- und Ausschalten von Genen

Wie bei allen Lebewesen werden bei Vögeln während der Embryonalentwicklung bestimmte Gengruppen durch sogenannte Regulatorgene an- und ausgeschaltet. In der Entwicklung von Hühnerembryonen werden so zunächst "Dino-Gene" angeschaltet, die beispielsweise für die Bildung des Schwanzes verantwortlich sind. Erst später werden "neue" Gene, Vogel-Gene, aktiv.

Wissenschaftler wollen nun in diese Entwicklung eingreifen. Anstatt das Erbgut von Vögeln zu manipulieren, versuchen sie, diejenigen DNS-Abschnitte zu aktivieren, die für Dinosauriereigenschaften verantwortlich sind, und die Vogel-Gene zu blockieren. So könnten sie erreichen, dass zum Beispiel der embryonale Dinosaurierschwanz erhalten bleibt. Zwar ist bisher noch kein Urzeittier aus einem Hühnerei geschlüpft, doch einige Forscher arbeiten bereits daran, die Evolution zurückzudrehen und aus einem Hahn durch gezieltes An- und Ausschalten von Genen etwas Ähnliches wie einen Dinosaurier zu kreieren, eine Art "Dinohahn". Ob wir uns eines Tages die Urzeitechsen als Haustiere halten werden?

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