Wenn Bewegung zur Falle wird

Mobilität bei Tieren, dem Menschen und im Kosmos

Wissen | Leschs Kosmos - Wenn Bewegung zur Falle wird

Zu Beginn entfernte sich der Mensch nur wenige Kilometer von seinem Zuhause. Heute erstreckt sich seine Mobilität über den gesamten Globus, theoretisch sogar bis in den Weltraum. Harald Lesch erklärt.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.08.2019, 00:00

Weltweit beobachten Forscher die großartigen und seit Generationen stattfindenden Tierwanderungen zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Doch jetzt scheint diese Erfolgsstrategie des Lebens in Gefahr, und schuld daran ist ausgerechnet der Mensch.

Die uralten Wanderungsbewegungen der Tiere geraten immer mehr durcheinander: viele stocken und verschwinden sogar, wenige andere beginnen. Ursache ist der Mensch, der die Welt in einem Tempo verändert, auf das Tiere nicht schnell genug reagieren können. Und auch der Mensch selbst hat mit seinem Drang zu Mobilität inzwischen auch für sich selbst das Gegenteil erreicht: Nichts geht mehr. Was passiert, wenn der natürliche Drang zur Mobilität an Grenzen stößt?

Eine Straße durch den Serengeti-Nationalpark?

In Ostafrika bedeutet zu bleiben, wo man gerade ist im Sommer vielerorts den sicheren Tod. Wasserlöcher trocknen aus, Futterpflanzen verdorren. Abertausend Tiere müssen auf Wanderschaft gehen. Ein beeindruckendes Naturschauspiel, das als Touristenattraktion Besucher anlockt. Der Mensch rückt näher, baut Zäune und Straßen. Eine soll mitten durch den Serengeti-Nationalpark und quer über die traditionellen Wanderrouten der berühmten Herden führen.

Einer der ausdauerndsten Wanderer im Tierreich ist der Monarchfalter. Jedes Jahr im Herbst brechen Millionen dieses Schmetterlings in den USA und Kanada auf zu einem gefährlichen Langstreckenflug. 4000 Kilometer bis nach Mexiko legen die Monarchfalter jedes Jahr zurück. Seit vier Jahren sinkt die Zahl der Schmetterlinge, die in Mexiko ankommen. Was sich unterwegs ereignet und welche Auswirkungen das auf das lokale Ökosystem hat, versuchen Forscher jetzt herauszufinden.

Dramatisch ist die Situation in den Weltmeeren. Die Fischereiindustrie an der Westküste Amerikas steht vor dem Kollaps. Trotz reglementierter Fangquoten verschwinden die Sardinen, wichtige Speisefische zahlloser Meeresbewohner und auch des Menschen, im nördlichen Pazifik. Die Experten rätseln über die Ursachen, denn die Beobachtungen scheinen widersprüchlich. Doch sie haben einen Verdacht.

Menschen müssen nicht (mehr) mobil sein

Im Gegensatz zu unseren Vorfahren, genießt der moderne Mensch die Segnungen der Technik, wenn es um Mobilität und die Überwindung von Distanzen geht. Anders als die Wanderbewegungen im Tierreich ist für den Großteil von uns Mobilität nicht mehr lebensnotwendig. Heute konzentrieren sich Alltag, Beruf und Zusammenleben immer mehr auf Ballungsräume. Dort, wo die persönliche Mobilität abnimmt, nimmt der Güterverkehr unaufhörlich zu. Um Staus zu entgehen, arbeiten Forscher an der Eroberung des Luftraums. Die Entwickler lernen dabei von der Natur. Die Drohnen der nächsten Generation könnten fliegen wie Vögel, denn die Mechanik des Vogelflugs ist für Ingenieure kein Geheimnis mehr. Doch bei einem Boom des individuellen Luftverkehrs zeichnen sich neue Herausforderungen ab.

Der Personenverkehr der Zukunft steht vor dem Kollaps. Findige Ingenieure suchen Inspiration für neue Verkehrskonzepte im Tierreich. So wie Ameisen dichtgedrängt aber frei von Stau sich auf ihren Straßen durch den Urwald bewegen, sollen die Autos der Zukunft ihren Weg reibungslos über Autobahnen und durch die Städte finden – eine kulturelle Revolution. Ob wir das Rennen gegen den Stillstand gewinnen, gilt es abzuwarten.

Leschs Kosmos sucht nach Wegen aus der Sackgasse der Mobilitätsfalle.

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