Wettlauf in die Tiefe

Licht in eine dunkle Welt

Als der Mensch das Land der Kontinente schon weitgehend erobert und erkundet hatte, galt die Überquerung der Ozeane noch immer als eine Reise ins Ungewisse. Nur besonders Wagemutige begaben sich aufs Meer. Die Angst vor der unberechenbaren Kraft formte in der Fantasie der Seeleute Gestalten schrecklicher Meeresungeheuer, die ein Schiff mit Mann und Maus verschlingen konnten. Und das, obwohl zu jener Zeit die Ozeane ab einer Tiefe von 500 Metern als unbelebte Welt galten.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts unternahmen wagemutige Pioniere Expeditionen, um mehr über die Tiefsee zu erfahren. Damals war an ein Abtauchen zum Meeresboden noch nicht zu denken. Die Forscher versuchten von der Meeresoberfläche aus, zu neuen Erkenntnissen zu gelangen.

Abenteurer im Forschungsdrang

Im Jahr 1872 startete ein britisches Forschungsschiff zu einer Expedition, die für eine Sensation sorgte. Was die Wissenschaftler mit Schleppnetzen aus der Tiefe beförderten, übertraf alle Erwartungen. Während der dreieinhalb Jahre dauernden Reise entdeckten sie über 4000 neue Arten. Die Schätze dieser ersten Meeresforschungsreise wurden zur Aufbewahrung in Formalin eingelegt. Bis heute sind sie nicht gänzlich ausgewertet.

60 Jahre später wagten sich die ersten Menschen hinab in die Tiefsee. Ein amerikanischer Forscher unternahm das Abenteuer in einer Stahlkugel mit vier Zentimeter dicken Wänden. An einem Stahlseil wurde die Kugel von einem Schiff aus ins Meer gelassen. Der erste Augenzeuge berichtete über eine Telefonverbindung direkt von den finsteren und dennoch belebten Regionen des Meeres. Die Stahlkugel hielt dem hohen Druck stand und eine Tiefe von 900 Metern wurde erreicht - eiine Sensation.

Der Tiefen-Weltrekord

1953 wurde das Tauchboot "Trieste" vom Stapel gelassen. Jacques Piccard, der Sohn des Schweizer Konstrukteurs, trat 1960 zusammen mit einem Amerikaner zu der Jagd nach dem Tiefenrekord an. Inzwischen hatte ein regelrechter Wettlauf der Nationen zu Meeresgrund begonnen. Man wählte für den Tauchgang der "Trieste" eine Stelle über einer tiefen Schlucht am Meeresgrund, über dem Marianengraben im Pazifik.

Würde die Stahlkugel, die an dem zigarrenförmigen Auftriebskörper hängt, dem ungeheuren Druck in der Tiefe standhalten? Niemand konnte dies mit Gewissheit sagen als das Experiment begann. Um die Absinkgeschwindigkeit zu drosseln, musste Ballast abgeworfen werden. Das Abtauchen dauerte viereinhalb Stunden. Dann erreichte die Kapsel den Meeresboden - in knapp 11.000 Metern Tiefe. Das ist der Tiefen-Weltrekord! Und eine weitere Sensation: Die Abenteurer beobachteten im Scheinwerferlicht des Tauchboots einen Fisch: der Beweis für Leben in dieser Tiefe!

Wie von einem anderen Planeten

Auch heute noch sind Reisen in die unendlichen Weiten der Tiefsee ein Abenteuer, ein Vorstoß in ein Universum, dessen Bewohner wie von einem anderen Planeten anmuten. Sie offenbaren, dass die Natur weit einfallsreicher als die Phantasie der Menschen ist. In ihren Tauchbooten konnten die Pioniere der Tiefseeerkundung kaum erahnen, in welch großartige Welt sie sich gewagt hatten. Aber sie zeigten, dass es möglich war, die Landschaften am Grund der Ozeane zu erreichen.

Obwohl heute die technischen Möglichkeiten enorm sind, und die meisten Erkundungen mit Tauchrobotern erfolgen, ist es immer noch eine Herausforderung die Meereslebensräume der Tiefsee zu erforschen. Bis heute liegt noch viel Unbekanntes im Dunkeln der Ozeane.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet